Heinsberg: Seelsorger werben für Weihnachtsgeschenkaktion in der JVA

Heinsberg : Seelsorger werben für Weihnachtsgeschenkaktion in der JVA

Noch sind es Wochen bis zum nächsten Weihnachtsfest. Aber schon jetzt laufen in den Büros der Gefängnisseelsorger Marian W. Janke und Günter Pilger in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Heinsberg die Planungen dafür auf Hochtouren, weniger in Form der Vorbereitung festlicher Gottesdienste als im Hinblick auf die Organisation der Weihnachtsgaben für die hier einsitzenden Jugendlichen.

„In der JVA Heinsberg sind zahlreiche Jugendliche, die keinen Kontakt zu Menschen außerhalb der Mauern haben und daher auch keinerlei Zuwendung zu Weihnachten erhalten”, hat Janke in einem Brief an alle katholischen Pfarreien geschrieben und sie um Unterstützung gebeten.

Hinzu kommt die neue gesetzliche Regelung, nach der auch die Eltern, die Kontakt zu ihren Kindern haben, ihnen zu Weihnachten kein Paket mit Lebensmitteln mehr schicken dürfen. „Darin ist immer eine ganze Menge Bindung sichtbar geworden, und die gibt es jetzt nicht mehr”, bedauert Janke.

Wer also jetzt in der Anstalt kein Geld auf seinem Konto hat, kann sich daher zu Weihnachten selbst nichts kaufen und geht somit ebenfalls leer aus. Im vergangenen Jahr seien ganz kurz vor dem Weihnachtsfest noch 17 neue Häftlinge in Heinsberg angekommen, erinnert sich Janke. „Die hätten auch gar nichts gehabt, wenn wir nicht geholfen hätten.”

Freuen würden sich alle über die Zuwendung, egal ob Christen, Moslems oder Inhaftierte ohne Religion. Das bestätigt Majid, der selbst Moslem ist und sich als Küster in der Kirche der JVA engagiert. „Das zeigt allen, dass sie nicht ganz vergessen sind”, sagt er.

Allen betroffenen Gefangenen - immerhin nach Schätzung von Janke fast ein Viertel der derzeit rund 200 Inhaftierten - wollen die beiden Pfarrer auch in diesem Jahr wieder zu einer Zuwendung zu Weihnachten verhelfen. Zählen können sie dabei auf die Unterstützung aus den katholischen Pfarren und auf die evangelischen Kirchengemeinden. Das versicherten ihnen Regionaldekan Winfried Müller und Superintendent Jens Sannig, die sie in dieser Woche in der JVA besuchten.

Die Spendenbereitschaft sei zwar etwas zurückgegangen, aber im vergangenen Jahr habe man noch alle Jugendlichen bedenken können, so Janke. „Wenn wir die Not vor der eigenen Tür nicht sehen und handeln, wie können wir dann Weihnachten feiern”, bemerkte Sannig. „Wir müssen diese Not hier vor Ort genauso sehen wie die in der weiten Welt.” Und wenn die Anstalt jetzt vergrößert werde, vergrößere sich diese Aufgabe auch für die Gefängnisseelsorge, fügte Müller hinzu.

Einen Weihnachtsgruß gibt es grundsätzlich für alle Gefangenen, in diesem Jahr erstmals nicht nur mit einer Karte von Bischof Heinrich Mussinghoff, sondern auch mit einer von Superintendent Jens Sannig. Für die zusätzlichen Zuwendungen an die, die sonst leer ausgehen würden, hoffen Janke und sein evangelischer Kollege Pilger wieder auf zahlreiche Spenden von Lebens- und Genussmitteln. Wichtig sei, diese nicht als Päckchen zu packen, sondern lose bis zum 17. Dezember in einem katholischen Pfarramt oder evangelischen Gemeindebüro abzugeben. Von dort werden sie in die JVA gebracht.

Gefragt sind vor allem loser Tabak für Zigaretten, löslicher Kaffee (möglichst im Kunststoffbehälter), haltbar verpackter Käse, Wurst, Schokolade und Süßigkeiten, aber auch Toilettenartikel (keine Sprays). Sannig fügte den Wunsch an, fair gehandelte Lebensmittel zu spenden, im Sinne der im September vom Bistum Aachen und von den Kirchenkreisen Aachen und Jülich gestarteten „Schokoladenaktion Aachen.” „Hier helfen heißt dann, woanders auch helfen!”, so Sannig.