Eschweiler: Schwierige Lage fürs Jobcenter

Eschweiler : Schwierige Lage fürs Jobcenter

Eigentlich sind es durchweg positive Zahlen, die Stefan Graaf verkünden kann: Die Zahl der Menschen, die auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen ist, ist seit März vergangenen Jahres von rund 55.000 auf etwa 53.000 zurückgegangen.

Knapp 7000 Langzeitarbeitslose konnten im vergangenen Jahr in Jobs vermittelt werden, 700 mehr als im Jahr davor; die Zahl derer, die länger als 24 Monate arbeitslos sind, ist um über 500 auf knapp 8500 gesunken; und für Unterkunft und Heizung wurden vier Millionen Euro weniger als 2009 ausgegeben. Dennoch ist der Geschäftsführer der Hartz-IV-Arge in der Städteregion, die jetzt offiziell Jobcenter heißt, nicht rundum zufrieden.

Das hat viel damit zu tun, dass der Bund dem Jobcenter in diesem Jahr die sogenannten Eingliederungsmittel drastisch gekürzt hat - von 45 Millionen Euro in 2010 auf jetzt 31 Millionen Euro. „Und wenn die Sparbeschlüsse wie geplant umgesetzt werden, erhalten wir 2012 nur noch 26 Millionen und ein Jahr später 24 Millionen Euro”, sagt er.

Dabei bräuchte das Jobcenter dringend Geld, um mehr Menschen so qualifizieren zu können, dass sie zumindest eine Chance auf einen Job haben. Denn der Anteil der als „arbeitsmarktfern” geltenden Klienten ist in der Städteregion deutlich höher als im Bundesschnitt. Graaf belegt das mit Zahlen: Während bundesweit 53,7 Prozent der arbeitslosen Hartz-IV-Bezieher keine Berufsausbildung haben, sind es in der Städteregion satte 70,2 Prozent. Und 26,1 Prozent der Klienten in der Städteregion haben nicht mal einen Schulabschluss, bundesweit sind es 20,8 Prozent.

„Das heißt”, sagt Graaf mit Blick auf die hohe Vermittlungsquote im vergangenen Jahr, „wir haben viele von denen mit Ausbildung in Arbeit vermitteln können, aber bei den anderen ist das ungleich schwieriger. Mit diesen Menschen müssen wir über Jahre arbeiten.” Und wie in den Vorjahren fordert er auch diesmal: „Wir brauchen eine offene Diskussion über einen dauerhaft subventionierten zweiten Arbeitsmarkt.” Doch mit „Jobperspektive” sei ausgerechnet das seiner Ansicht nach beste Programm dieser Art drastisch gekappt worden. „Über 800 Menschen haben wir darüber in der Spitze in Lohn und Brot gehabt, jetzt können wir nur noch 160 bis 180 fördern.”

Zwei weitere Zahlen lassen aufhorchen: „Es ist erschreckend: 14.660 Kinder unter 15 Jahren erhalten Hartz-IV-Leistungen. Nach wie vor lebt damit jedes fünfte Kind in Armut”, sagt Graaf. Und von den offiziell 37.544 erwerbsfähigen Hartz-IV-Beziehern in der Städteregion - darunter fällt auch eine statistisch nicht gesondert erfasste Zahl von 15- bis 17-Jährigen, die noch zur Schule gehen - sind rund 5000 Alleinerziehende und 10.000, die Erwerbseinkommen haben und trotzdem auf staatliche Hilfe angewiesen sind. Zwei Drittel von ihnen haben nur Minijobs, aber knapp 1800 Menschen verdienen mehr als 800 Euro im Monat. Graaf ist überzeugt: „Wenn wir einen gesetzlichen Mindestlohn in vernünftiger Höhe hätten, wären viele raus aus dem Leistungsbezug.”