Jülich/Kreis Düren: Schwere Welle von Lungenentzündungen: Legionellen Ursache

Jülich/Kreis Düren : Schwere Welle von Lungenentzündungen: Legionellen Ursache

Die Verursacher der rätselhaften Lungenentzündungen, die in einem Teilbereich der Stadt Jülich aufgetreten sind, sind gefunden. Es handelt sich nach Angaben des Kreisgesundheitsamtes Düren um eine seltene Unterart der Legionellen. Mehr als 40 Menschen waren erkrankt, zwei Todesfälle stehen in Zusammenhang mit den Infektionen.

Legionellen verbreiten sich über die Luft und werden über die Atemwege aufgenommen. 42 bekannte Fälle der Infektionskrankheit hat es bisher gegeben, die vornehmlich im Jülicher Krankenhaus behandelt worden sind, aber nicht nur.

Im Krankenhaus Jülich wurden in vier Wochen 40 Fälle von Lungenentzündung behandelt. Foto: -vpu-

Jetzt wird mit Hochdruck nach der Quelle gesucht. In besonderem Verdacht stehen Rückkühlwerke (große Klima- und Kühlanlagen). Der Kreis Düren habe eine Meldepflicht für alle Betreiber von Rückkühlwerken in der Stadt Jülich in Kraft gesetzt. Der Kreis werde alle Anlagen überprüfen, kündigte Landrat Wolfgang Spelthahn an. Rückkühlwerke dienen zum Kühlen von Luft oder Wasser und werden oft für Klimaanlagen genutzt. Nach Mitteilung des Kreises Düren „wurden Legionellen als Verursacher der Infektionen bei fünf von neun untersuchten Patienten nachgewiesen“.

Zur Auswertung der Daten von weiteren Patienten hat das Kreisgesundheitsamt am Freitag das Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen (LZG NRW) um Unterstützung gebeten. Außerdem stehe nun auch Professor Martin Exner aus dem Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn — der Experte auf dem Gebiet der Ursachenforschung von Legionellen-Ausbrüchen — dem Kreis Düren bei der Aufklärung der weiteren Infektionen zur Seite.

Es gibt auch zeitlich auffallende Parallelen zum bislang größten Legionellose-Ausbruch in Deutschland vor über einem Jahr in Warstein. Dort hatte es ab dem 10. August 2013 insgesamt 165 Krankheits- und Verdachtsfälle gegeben sowie fünf Tote. In Warstein hatte vermutlich eine industrielle Kühlanlage im August 2013 die Bakterien über die Stadt Warstein verbreitet. In Jülich hat sich die Welle ab dem 14. August 2014 bis etwa Anfang September ereignet.

Der Kreis Düren teilt mit: „Bei zwei der 42 Patienten hat die Lungenentzündung nach aktuellem Stand zum Tode beigetragen. Bei einem weiteren Patienten wurde mittlerweile eine andere Todesursache ermittelt.“ Nach Angaben des Kreisgesundheitsamtes hat es seit dem letzten Wochenende keine weitere bekannten Fälle gegeben, die ins Krankenhaus eingeliefert worden sind.

Das ist zwar grundsätzlich eine gute Nachricht, aber noch keine Sicherheit, denn die Inkubationszeit beträgt im Regelfall 2 bis 10 Tage, kann in Ausnahmen aber auch 16 bis 20 Tage betragen. Die Lungenentzündung in Jülich zeigte sich mit hohem Fieber (über 40 Grad), mit einem starken Schlappheitsgefühl der Erkrankten und betraf in dieser Form vornehmlich Menschen über 60 Jahre.

Das Kreisgesundheitsamt Düren hatte den Fall auf Nachfrage unserer Zeitung vergangene Woche untersucht und festgestellt, dass die Patienten im Jülicher Krankenhaus weit überwiegend erfolgreich mit einer Antibiotika-Therapie behandelt worden seien. Schon das Krankenhaus, in Folge auch das Gesundheitsamt haben unter Hochdruck nach dem Erreger gesucht und die Proben natürlich auch auf Legionellen-Befall prüfen lassen.

Noch am Mittwoch sagte der Leiter des Kreisgesundheitsamtes, Norbert Schnitzler, dass inzwischen die Mehrzahl der Befunde vorliege und allesamt negativ ausgefallen seien. Dort wurde aber auf den „klassischen Erreger“ Legionella pneumophila getestet.

Bei weiteren Untersuchungen wurden seltenere Formen — von Legionellen gibt es 48 Arten und 70 Serogruppen — unters Mikroskop genommen. Bei einer Serogruppe wurden die Prüfer am Donnerstagabend fündig. „Kaltes Trinkwasser, das aus der Erde kommt oder aufbereitet ist, ist unbedenklich“, sagte Norbert Schnitzler gegenüber unserer Zeitung auf das vielfache Gerücht, auf diesem Wege sei eine Infektion möglich.

Das nordrhein-westfälische Umweltministerium wies nach Angaben eines Sprechers das Landesumweltamt zu einem Sondereinsatz an. Es würden Proben aus der kommunalen Kläranlage und aus dem Abwasserbecken eines Nahrungsmittelherstellers genommen. Jetzt würden alle Patienten auf Legionellen untersucht, kündigte Landrat Wolfgang Spelthahn an.

„Optimaler“ Lebensraum von Legionellen ist zwar Wasser, das aber in einem Temperaturbereich von 25 bis 50 Grad Celsius. Temperaturen über 70 Grad töten sie ab. Die Infizierung mit dem in Rede stehenden Krankheitsbild erfolgt über die Luft.

Kreis Düren und Gesundheitsamt haben Experten zu Rate gezogen, die am Freitagvormittag in Jülich die vorliegenden Daten bewerteten. Der Kreis sucht laut Spelthahn zusammen mit Experten nach der Ursache für die Erkrankungen. Das Landeszentrum für Gesundheit (LGZ) NRW befrage die Patienten zu ihren Aufenthaltsorten, um die Infektionsquelle zu finden.

Bei der Infektionswelle vor gut einem Jahr in Warstein waren 2013 mehr als 160 Menschen an einer schweren
Lungenentzündung erkrankt und zwei Patienten gestorben. Es gab eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, die für mehrere Wochen galt. Die Stadt hat Großveranstaltungen aus Sicherheitsgründen abgesagt. Neben den etwa 165 Schwerkranken hatten sich noch etwa 150 weitere Menschen infiziert, die dann zu Hause von ihren Hausärzten behandelt wurden.

In Jülich hatten die niedergelassenen Ärzte vergangene Woche auf Nachfragen des Gesundheitsamtes von einer ungewöhnlichen Häufung an Erkältungskrankheiten bei jüngeren Menschen gesprochen — ungewöhnlich ist der Zeitpunkt im Jahr.

Ob das leichtere Fälle der Legionellen-Infektion sind, ließ sich am Freitag nicht mit Sicherheit sagen. Der Kreis Düren hat ein Bürgertelefon eingerichtet. Fragen beantwortet das Gesundheitsamt unter der Rufnummer 02421/22-2408. Dieses Bürgertelefon ist Samstag von 10 bis 14 Uhr und von Montag bis Freitag von 7.30 bis 20 Uhr besetzt.

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