Kreis Heinsberg: Schweinezüchter klagen: „Es wird Geld verbrannt“

Kreis Heinsberg : Schweinezüchter klagen: „Es wird Geld verbrannt“

„Schweinehalter und vor allem Ferkelerzeuger können von den Erlösen allein die ­Direktkosten kaum ­decken. Es wird schlicht und ergreifend Geld verbrannt.“ Die Grenze der vielbeschworenen Leidensfähigkeit bäuerlicher Schweinebetriebe sei überschritten.

Klare Worte hat der Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Schweineproduktion für den Kreis Heinsberg, Rudolf Hilgers, am Mittwoch bei dem von der ­Tierzuchtzentrale veranstalteten Heinsberger Schweinetag im Haus Sodekamp-Dohmen in Hückel­hoven-Hilfarth an der Rurbrücke gefunden.

Beim Blick zurück auf 2015 sprach Hilgers von einem Jahr, das geprägt gewesen sei von Hoffnungen, Erwartungen und großen Enttäuschungen. „In der ersten Jahreshälfte schien sich die Erlössituation nach einer schweren Tiefpreisphase zu entspannen, doch kam es im Juli zu einem katastrophalen Preiseinbruch, der bis heute anhält“, so Hilgers.

Nicht viel besser sehe die Situation auf politischer Ebene aus. Obgleich die Initiative Tierwohl im April erfolgreich gestartet sei, scheine sich die gesellschaftlich-politische Akzeptanz kaum verbessert zu haben. „Die Leistungen und Verdienste der Landwirte für die Versorgung mit preiswerten, hochwertigen Lebensmitteln finden kaum noch Beachtung“, beklagte Hilgers.

„Stattdessen sehen wir uns als moderne Schweinehalter mit immer neuen Forderungen konfrontiert, zu denen es bis heute keinerlei wissenschaftliche, praktische und marktkonforme Lösungen gibt.“ Dazu würden der Kupierverzicht und das Kastrationsverbot zählen. Mit wahrem Tierschutz hätten solche Forderungen ohne wirkliche Umsetzungsmöglichkeit nichts zu tun.

„Es muss endlich Schluss sein, dass völlig überzogene pseudoreligiöse Gutmenschen-Ideologie auf unsere Kosten Stimmungsmache betreibt“, forderte Hilgers. Der Berufsstand sei kooperativ und offen für neue Wege, die gangbar seien. Dazu sei es höchste Zeit, dass wieder fundierter Sachverstand statt ideologischer Phrasen die Diskussion um die Form der Nutztierhaltung bestimme.

41.430 Schweine im Kreis

Auch die neue Kreistierzuchtberaterin Jessica van Sloun als Geschäftsführerin des Vereins zur Förderung der Schweineproduktion hatte die Marktsituation als „nicht zufriedenstellend“ bezeichnet.

Bei der Vereinsversammlung präsentierte sie Zahlen: Im Kreis Heinsberg werden rund 41.430 Schweine in 139 Betrieben gehalten; ein Jahr zuvor waren es 43.400 Schweine in 142 Betrieben. Es gibt 3540 Zuchtschweine, 18.530 Ferkel bis 30 Kilogramm und 19.360 Mastschweine. 53 Betriebe halten mehr als 20, 86 Betriebe weniger als zehn Schweine.

Mitglied im Verein sind 20 Sauenhalter, neun Mastbetriebe sowie 14 ehemalige Ferkelerzeuger. Mit einer Satzungsänderung wurde der Vorstand des Vereins von sechs auf fünf Mitglieder reduziert. Turnusgemäß standen zwei Vorstandsmitglieder zur Wahl: Einstimmig wurden Willi Beckers und Hans-Peter Dreßen wiedergewählt. Verabschiedet wurde nach 28 Jahren Vorstandsarbeit Meinhard Schnothale.

Ihm galten Dank und Applaus für sein Engagement, für seine Ideen und Anstöße. Vorsitzender Rudolf Hilgers lobte auch die neue Kreistierzuchtberaterin: Jessica van Sloun mache einen sehr guten Job. „Die Chemie stimmt von Anfang an. Klappt toll!“ Der Dank der neuen Geschäftsführerin galt wiederum umgekehrt dem Vorstand, aber auch ihrem Vorgänger Franz-Josef Jaeger — einerseits für die Einarbeitung, aber auch dafür, dass er weiterhin stets ein offenes Ohr für sie habe.

(disch)