„Schwarzer” Landrat gratuliert Grünen

„Schwarzer” Landrat gratuliert Grünen

Kreis Heinsberg. Vom einstigen „Bürgerschreck” zur festen Größe in der Politik mit eigenem Anspruch auf weitere Überraschungen: Genau 48 Bretter mit Wahlplakaten passten einst in die „Ente” von Christa und Alfons Nickels.

Seite an Seite mit Petra Kelly zogen sie mit Transparenten durch Arsbeck, und nicht wenige CDU-Mitglieder verdrehten ihre Augen, als sie mit den neuen politischen Träumen und Botschaften ihrer Kinder konfrontiert wurden: „Atomkraft - Nein Danke!” oder „Petting statt Pershing!” war auf Ansteckern und Aufklebern zu lesen.

Auslöser für das große Engagement und die Partei-Neugründung war die Politik der damaligen SPD/FDP-Regierung unter Helmut Schmidt mit den klaren Bekenntnissen zu NATO, Nachrüstung und Kernkraft.

Auch damalige Jusos, die eine Abkehr von der Friedenspolitik Willy Brandts beklagten, sowie Aktivposten aus der kirchlichen Arbeit fanden den Weg zu den Grünen.

Solche und viele andere Erinnerungen an die ersten Gehversuche der Grünen im Kreis wurden am Sonntag in ihrer „Geburtsstätte” in Heinsberg ausgetauscht: Im Hotel Corsten, wo vor 25 Jahren der Grüne Kreisverband aus der Taufe gehoben worden war, wurde das Jubiläum gefeiert, Bilanz gezogen und der Blick in die Zukunft gerichtet.

Zu den vielen Gratulanten - auch aus anderen Parteien - zählte der „schwarze” Landrat Stephan Pusch (CDU), der die Rednerbeiträge interessiert, manchmal schmunzelnd verfolgte und anmerkte: „Wenn Sie damals den Landrat eingeladen hätten, wäre wohl nichts aus Ihnen geworden!”

Er erinnerte daran, dass die Grünen damals bei den etablierten Parteien und in der Öffentlichkeit für viele Überraschungen gesorgt hätten. „Ein Landrat bei den Grünen ist in der Tat für uns etwas völlig Neues”, freute sich die Grüne Frau der ersten Stunde, Christa Nickels, und konterte mit Blick auf die Bemerkung des Landrates, dass die Grünen „mittlerweile auch mit Ministern in Nadelstreifen zum Establishment gehören”.

„Sie müssen mal zu unseren Kreismitgliederversammlungen kommen”, lud Nickels Pusch ein zu erleben, dass die Grünen keinesfalls bieder geworden seien.

Nickels dankte allen, die „den Mandatsträgern auf die Finger schauen und ihnen auch schon mal die rote Karte zeigen”. Auch in Zeiten von Regierungsverantwortung werden, so Nickels, „die Ideale nicht in den Schrank gepackt”.

Der Begriff „Basisdemokratie” werde „neu buchstabiert” und im Alltag auch durch Verbraucher-, Umweltschutz- und Fraueninitiativen erlebbar gemacht.

Nickels erinnerte daran, dass die Grünen maßgeblich zur Weiterentwicklung der parlamentarischen Demokratie beigetragen hätten, wofür es noch viel zu tun gebe.

Die Naturkatastrophe in Südostasien sowie die Terroranschläge in den USA hätten gezeigt, dass die Welt ein globales Dorf sei, in dem weltweit an Mindeststandards für die Menschenrechte gearbeitet werden müsse, und noch massenhaft viel tun sei.

Die Vision von Weltbürgerin Petra Kelly von einem weltweiten Netzwerk mit grünen Aktivisten und Inhalten sei richtig und auch Aufgabe für die kommenden Generationen, so Nickels.

Kreissprecher Jürgen Benden moderierte Talkrunden mit den Gründungsmitgliedern Norbert Rulands, Franz und Martin Scharf, Erwin Ciupka sowie Christa und Alfons Nickels und gab auch den Landtagskandidaten, Dr. Ruth Seidl und Rainer Rißmayer, Gelegenheit, zu aktuellen Themen Stellung zu beziehen.