Wegberg: Schwalmbühne Harbeck: Wenn der alte Schwung hin ist, helfen Strapsen

Wegberg : Schwalmbühne Harbeck: Wenn der alte Schwung hin ist, helfen Strapsen

„Karlheinz, du gehst da raus!” „Nee, wir gehen beide raus, dann wieder rein. Lies mal das Drehbuch, Frau Regisseurin!” Bei der Theaterprobe der Schwalmbühne Harbeck im Begegnungszentrum waren sich Schauspieler und Regisseurin Gabi Braun noch nicht so ganz einig.

Wohl aber über das Theaterstück: „Leberkäs und rote Strapse”, ein Lustspiel von Regina Rösch soll es sein. Und dieses Stück hat es in sich. Die Bühne wird durch Bruchsteine im Hintergrund in zwei Zimmer unterteilt. Auf der einen Seite spielt sich die Welt von Margarete Bundschuh, Gertrud Pfeifer, Hedwig Busch und Emilie Meister ab; auf der anderen Seite parallel dazu die ihrer Männer Friedhelm Bundschuh, Josef (Sepp) Pfeifer und Peter Busch.

Von den Schauspielern erfordert das ein perfektes Timing. Stellenweise stellen die sich überschneidenden und ergänzenden Dialoge nämlich noch große Herausforderungen an alle Beteiligten dar, was während der Probe oft zu Lachsalven führt. „Halt Karin! Ihr seid noch nicht dran! „Ja, dann stöhnt doch nicht zu früh!”

Außerdem wird die Bühne im Forum Wegberg dreimal so groß sein wie die Probebühne im Begegnungszentrum, was ein Umdenken in den Dimensionen und viel Vorstellungsvermögen bedeutet. Bei den Requisiten ist man experimentierfreudig, spontan und flexibel: Der Leberkäse ist bei den Proben noch ein Plätzchen, das versehentlich schon mal quer durch den Raum fliegt, und statt Bier gibts Orangensaft. Bis zu den Aufführungen Ende November und Anfang Dezember werden alle kleinen, sympathischen Makel aber sicher ausgebügelt sein und die Zuschauer können sich dann auf eine viel versprechende Komödie gefasst machen.

Helga, Rögels, Ulrike Kotolowski, Karin Bonitz und Melissa Grey schlüpfen in die Rollen dreier recht frustrierter Ehefrauen und einer ebenso deprimierten Alleinstehenden. In ihren Unterhaltungen thematisieren sie „banales Zeug”, wie Haare, den Klatsch und Tratsch aus Wegberg, Blumenpreise und ihre uninteressierten Männer. „Alles dreht sich um unsere Männer, unsere Frisuren und dass genug Leberkäs im Kühlschrank ist”, klagt eine der Frauen in der Runde beim Haare machen und Kaffeetrinken. Nur Liane Kowalski, die junge und vitale Untermieterin der Familie Pfeifer, gespielt von Nadine Kosak, versucht Schwung in das Leben der Frauen zu bringen, zum Beispiel durch eine ganz neue Frisur.

Aber auch die Männer, gespielt von Matthias Kosak, Toni Röttinger, Karlheinz Bonitz, Hans Peter Gerads und Willi Daners, stellen fest, dass ihr Leben recht eintönig geworden ist. Genervt von „studierten Affen” als Vorgesetzten, dem Gesangsvereinsball und Sofaabenden mit der Ehefrau und Musikantenstadl schwelgen sie in Erinnerungen an ihre Jugendzeit, als es noch „Sex, Drugs and Alcohol” hieß. Dabei wird dem Zuschauer der Wohlklang vom selbst gesungenem „I cant get no satisfaction” oder „Smoke on the water” zu Ohren kommen und auch die ein oder andere Tanzeinlage sticht ins Auge.

Letztlich entschließen sich die Frauen wenigstens noch einmal ein Wochenende lang zu den „roten Strapsen” zurückzukehren, und auch die Männer finden einen Weg, dem Alltagstrott und ihren Ehegattinnen den Rücken zu kehren. Und so geschehen Dinge in der Nacht, mit denen „Mann” nicht gerechnet hätte...

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