Kreis Heinsberg: Schuldnerberatung hat immer mehr Arbeit

Kreis Heinsberg : Schuldnerberatung hat immer mehr Arbeit

Die vom Diakonischen Werk und der Arbeiterwohlfahrt getragene Schuldner- und Insolvenzberatung in Hückelhoven hat immer mehr Arbeit. Hatte die Zahl der Beratungsfälle schon in den Vorjahren ein hohes Niveau erreicht, so sind im vergangenen Jahr 1651 Haushalte beraten worden; dies waren fast 120 mehr als im Jahr zuvor.

Auch die Zahl der Neuaufnahmen, also der Ratsuchenden, die sich erstmals an die Beratungsstelle gewandt haben, stieg im Jahr 2015 leicht an: von 873 auf 887. Dies wurde am Montag bei der Vorlage des Jahresberichtes 2015 mitgeteilt.

Überproportional erhöht hat sich seit 2012 die Zahl der Schuldnerberatungsfälle, die allein im vergangenen Jahr von 822 auf 955 in die Höhe geklettert ist. „Wir vermuten einen Zusammenhang mit der Neuregelung des Kontopfändungsschutzes“, erklärte der Leiter der Beratungsstelle, Wolfgang Meier. Für die Betroffenen, die sich wegen einer Bescheinigung für das Pfändungsschutzkonto an die Schuldnerberatung wenden würden, sei oft zunächst der kurzfristige Schuldnerschutz vorrangig.

Die Bescheinigung werde binnen weniger Tage ausgestellt, so Meier. Beratung und Begleitung würden sich dann über einen längeren Zeitraum erstrecken. Dabei gehe es nicht nur um den Pfändungsschutz, sondern auch um die Stabilisierung des Haushalts und die Klärung der Verschuldungssituation. Es sei zu beobachten, dass oft lange an der Vorstellung festgehalten werde, Schulden noch begleichen zu können, obwohl wirtschaftlich bereits ein Leben unterhalb der Pfändungsfreigrenze geführt werde.

Von den insgesamt 1651 Beratungsfällen ging es bei 696 Personen um die Insolvenzberatung. Die Betroffenen würden mit Blick auf die Möglichkeiten, die Voraussetzungen und die Abläufe eines Insolvenzantrags beraten oder im gerichtlichen Insolvenzverfahren betreut. Im vergangenen Jahr haben 340 Personen einen Antrag auf Eröffnung des Verbraucherinsolvenzverfahrens mit Restschuldbefreiung gestellt.

Die Zahlen der Beratung zum Pfändungsschutzkonto entwickeln sich stetig nach oben. So wurden im vergangenen Jahr insgesamt 583 P-Konto-Bescheinigungen (samt Folgebescheinigungen) ausgestellt; im Jahr zuvor waren es noch 440.

„Schulden machen krank — Krankheit macht Schulden“: Dies wird im Juni das Motto einer bundesweiten Aktionswoche der Schuldnerberatung sein. Wolfgang Meier verwies auf eine Studie der Universität Mainz, nach deren Ergebnis acht von zehn überschuldeten Personen krank sein sollen — von Angstzuständen bei Frauen bis zu Suchterkrankungen bei Männern. Überschuldete Menschen seien einem höheren Erkrankungsrisiko ausgesetzt. Umgekehrt könnten Krankheiten zu Schulden führen, heißt es. Was den Zusammenhang zwischen Schulden und Krankheit angeht, pflichtete Meier den Machern der Studie bei: „Unsere Erfahrungen bestätigen das.“

Bei 38 Prozent der Ratsuchenden gibt es mehr als eine Ursache für Überschuldung; gescheiterte Selbstständigkeit, Trennung oder Scheidung, Arbeitslosigkeit, Immobilienfinanzierung und Krankheit sind vorrangige Einzelursachen.

In einer Auswertung der 696 Insolvenzberatungsfälle belief sich die Zahl aller Gläubigerforderungen auf mehr als 7100. Dies ergab eine Gesamtverschuldungssumme von circa 27 Millionen Euro. Und gut zwei Drittel davon — mehr als 70 Prozent — entfallen auf Forderungen aus allen Formen des Kreditgeschäfts.

(disch)