Kreis Heinsberg: Schulausschuss: „Wildes Inkludieren“ verhindern

Kreis Heinsberg : Schulausschuss: „Wildes Inkludieren“ verhindern

Statt derzeit acht Förderschulen könnte es in der Zukunft im Kreis Heinsberg — bei Verbleib der Rurtalschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung in Oberbruch — noch zwei sogenannte Unterstützungszentren geben. Sie sollen je zwei Standorte haben und dezentral Kompetenzen in mehreren Förderschwerpunkten bieten.

So sieht es das Gutachten zur Inklusionsplanung vor, das Wolf Krämer-Mandeau, Leiter der Projektgruppe Bildung und Region (Bonn), am Montagabend den Mitgliedern des Kreis-Schulausschusses vorgestellt hat. Hückelhoven und Erkelenz sowie Heinsberg und Gangelt schlug er als künftige Standorte vor. Dies würde zum einen ein „wildes Inkludieren“ verhindern, wie es Krämer-Mandeau nannte, zum anderen würde es dem demografischen Wandel gerecht werden.

Genau diesen verdeutlichte der Schulexperte anhand zahlreicher Statistiken. So soll zum Beispiel die Zahl der Schüler in den Förderschulen von über 1000 in diesem Schuljahr auf knapp über 600 im Schuljahr 2018/19 sinken. „Wenn Sie da weiter zuschauen, werden sie eine Schule nach der anderen schließen müssen ohne übergeordnetes Ziel“, warnte er. Würden drei Standorte geschlossen, bedeute dies eine Reduktion benötigter Flächen um rund ein Drittel auf unter 10.000 Quadratmeter und damit verbunden eine Einsparung von 1,1 Millionen Unterhaltungskosten jährlich. Eine Alternative zum Standort Gangelt, den er aufgrund der baulichen Situation favorisierte, könnte aber auch Geilenkirchen sein oder Übach-Palenberg, weil dort ein hoher Förderbedarf bestehe. Eine konkrete Schließung empfahl Krämer-Mandeau aktuell alleine für die Gebrüder-Grimm-Schule mit dem Schwerpunkt Sprache in Heinsberg, auch wegen der Brandschutzprobleme im Schulgebäude.

Die eingesparte Summe in Höhe von 1,1 Millionen Euro könnte verwendet werden, um die Regelschulen „fit zu machen“ für die Inklusion, so der Schulexperte. Weitere positive Auswirkungen sieht er im Zusammenhang mit der Schließung der Gebrüder-Grimm-Schule auf die Schülertransportkosten, die mit rund 1,7 Millionen Euro derzeit mehr als 53 Prozent der Gesamtkosten in Höhe von 3,2 Millionen Euro für die Förderschulen im Kreis ausmachten.

Dieses Konzept sei nur realisierbar mit einer „klugen Trägerschaft“, so Krämer-Mandeau. Dabei sprach er von einem Zweckverband oder von einer Kreis-Trägerschaft.

Auftrag an die Verwaltung

Das Gutachten zum Schulentwicklungsplan Förderschulen wurde vom Schulausschuss am Montagabend zur Kenntnis genommen. Die Verwaltung wurde beauftragt, in Zusammenarbeit mit der unteren Schulaufsicht und den übrigen Trägern von Förderschulen im Kreis konkrete Umsetzungsvorschläge auf der Grundlage des neunten Schulrechtsänderungsgesetzes NRW zu erarbeiten und vor Realisierung dem Ausschuss wieder vorzulegen.

(anna)