Wegberg: Schüsse am Weiher fielen unangekündigt

Wegberg : Schüsse am Weiher fielen unangekündigt

Den 26. August 2003 wird Käthe Francas so schnell nicht vergessen: Am frühen Abend saß sie in der Nähe ihres Hauses an der Wegberger Hospitalstraße mit Verwandten beim Kaffeetrinken.

Plötzlich war es mit Idylle vorbei. „Da fielen auf einmal Schüsse. Nicht einzelne, sondern viele hintereinander, wie Salven. Sogar unsere Hunde haben gezittert”, erinnert sie sich.

Die Ursache: Am nahe gelegenen Weiher der Holtmühle wurden Graugänse gejagt. Über diese Jagd war Käthe Francas nach eigenen Angaben nicht informiert.

Noch heute ist sie schockiert und verbittert darüber, dass die Jagd unangekündigt stattfand - und ausgerechnet Graugänse das Ziel waren, die im Frühjahr und Sommer den Weiher bevölkern. Einige Anwohner der Holtmühle und andere Wegberger Bürger sind mit den Praktiken der Jäger nicht einverstanden.

So liegt der Kreisverwaltung Heinsberg die Anzeige eines Wegberger Bürgers vor, der vergangene Woche Dienstag entlang des Holtmühlenweihers joggte. Dabei wurde er Zeuge, wie Jagd auf Enten gemacht wurde. Eine Ente wurde in seinem Beisein getroffen, stürzte zu Boden und verendete nach seiner Aussage qualvoll.

„Weil ich Jagdhunde gesehen habe, die bereit zum Apport waren, bin ich weitergelaufen, ohne etwas zu unternehmen. Am nächsten Tag habe ich die Ente immer noch auf dem Grünstreifen der Straße liegend gefunden”, berichtet der Wegberger.

Daraufhin habe er Anzeige beim Ordnungsamt der Stadt Wegberg erstattet. Dieses hat die Anzeige mittlerweile an die Kreisverwaltung Heinsberg weitergeleitet. „Wir gehen der Sache nach”, kündigte deren Sprecher Ulrich Hollwitz gegenüber der HZ an.

Helmut Beumers, Leiter des Wegberger Hegerings und Pächter des Jagdreviers Wegberg-Beeck, lässt die Vorwürfe der Anwohner nicht gelten. So habe man nur an einem Tag in diesem Jahr, eben am 26. August, Graugänse gejagt - so wie es in der Zeit vom 1. bis zum 31. August eines jeden Jahres erlaubt sei.

Eine Information der Anwohner sei nicht vorgeschrieben. „Wir haben die Jagd bewusst auf diesen Tag gelegt, weil die Gaststätte in der Holtmühle da noch geschlossen war”, sagte Beumers im Gespräch mit der HZ.

Vor der Entenjagd vergangene Woche habe man die Gaststättenbesitzer informiert. In der Tat seien einige Anwohner nach der Graugänsejagd erschrocken gewesen - er habe ihnen aber anschließen sachlich die Problematik erklärt.

Da Graugänse, sobald Schüsse fallen, alle auf einmal aufsteigen, sei es erforderlich, in kurzer Zeit oft zu schießen - und dann werde es schon mal laut. „Wir erlegen die Gänse schließlich nicht mit Pfeil und Bogen.”

Die Graugänsejagd ist nach Ansicht der Jäger erforderlich. „Die Population im Bereich der Holtmühle hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen”, weiß Jürgen Tiskens, Pächter des Jagdreviers um Rickelrath.

„Die Tiere richten auf den Feldern großen Schaden an.” Helmut Beumers hat nach eigener Angabe bis zu 80 Graugänse gezählt. Bei der Jagd am 26. August habe man nur acht Tiere erlegt.