Schüler wollen wieder „die Kurve kriegen”

Schüler wollen wieder „die Kurve kriegen”

Kreis Heinsberg. Sonja, Mustafa und Patrick saßen in der Sackgasse fest: Schule ohne Abschluss verlassen, keine Ausbildungsstelle gefunden, arbeitslos gemeldet - ohne Aussicht auf ein baldiges Ende der schwierigen Situation.

Seit Anfang September gibt es für sie aber eine neue Perspektive. Sie nehmen mit 22 anderen Jugendlichen, die alle in einer ähnlichen Situation waren, an der „ABM-Kombi” der Agentur für Arbeit Aachen teil, die von der Anton-Heinen-Volkshochschule des Kreises Heinsberg realisiert wird.

Schüler im Mittelpunkt

„Die Schüler stehen dabei im Mittelpunkt. Es geht für sie darum, wieder die Kurve zu kriegen, einen Schulabschluss zu machen und Arbeit zu bekommen”, erklärte der Landrat des Kreises Heinsberg, Stephan Pusch, bei einem Pressegespräch im Unterrichtsraum des Gesundheitsamtes in Erkelenz.

Arbeiten und Lernen

Dieses Förderangebot beinhaltet einen Mix aus Arbeiten und Lernen. Vormittags „büffeln” die 16 bis 24-Jährigen wie im Schulunterricht - mit dem Ziel, den Hauptschulabschluss zu erwerben. „Dies ist ein vollwertiger Abschluss auf dem Zweiten Bildungsweg, der auf dem Arbeitsmarkt anerkannt ist”, betonte VHS-Leiter Franz Josef Dahlmanns.

Kombiniert sei dieser schulische Teil, der jeweils morgens im Unterrichtsraum des Gesundheitsamtes in Erkelenz stattfindet, mit einer gemeinnützigen Arbeit, erläuterte die Vorsitzende der Geschäftsführung bei der Agentur für Arbeit Aachen, Gabriele Hilger.

In den Nachmittagsstunden werde in Alten- und Pflegeheimen, Krankenhäusern und öffentlichen Einrichtungen praktisch gearbeitet. Die Aufgabenbereiche würden dabei in der Pflege, in Hausmeistertätigkeiten, aber auch in Küchenarbeiten und Betreuungen liegen.

Begleitung bei Spaziergängen, persönliche Besorgungen, Vorlesen und Spielstunden für ältere, kranke oder pflegebedürftige Menschen gehören beispielsweise zu den Aufgabengebieten. Dass Gefühl gebraucht zu werden, etwas Sinnvolles zu tun, sei eine positive Motivation, so Gabriele Hilger.

Für die Betreuung der Jugendlichen sind eine Koordinatorin und eine Sozialpädagogin zuständig, deren Aufgaben sich unter anderem auf die Vermittlung von Arbeitsmöglichkeiten bei sozialen Einrichtungen, auf die Beobachtung sowie die Beratung über spätere Berufsmöglichkeiten beziehen.

Die Finanzierung dieser Maßnahme, die beispielhaft dafür stehe, dass die Jugendarbeitslosigkeit im Kreis angegangen werde, erfolge über pauschalierte Zuschüsse beziehungsweise durch Erstattung der anfallenden Personal-, Sach- und Verwaltungskosten durch die Agentur für Arbeit Aachen.

Diese kombinierte Maßnahme läuft bereits seit mehreren Jahren. Pro Klasse können immer bis zu 25 Jugendliche teilnehmen. Wartelisten gibt es auch.

Durchhalten

Der Erfolg der ABM-Kombi hänge nicht zuletzt davon ab, ob die Jugendlichen durchhalten, hieß es bei dem Pressegespräch. 60 bis 70Prozent würden den Schulabschluss schaffen, die anderen würden leider meist vorher schon aufgeben.

Von denen die bis zum Ende durchhalten, schaffen es fast 95 Prozent. Immerhin wird den Jugendlichen Unterstützung geboten, zu einem geregelten Tagesablauf zurückzufinden, Belastungen standzuhalten, berufliche Orientierung zu finden und das größte Handikap, den fehlenden Schulabschluss, zu beheben.

Sinnvolle Förderung

„Wir machen den Jugendlichen in einer schwierigen Situation das Angebot einer sinnvollen Förderung. Wir fordern von ihnen dafür das Mitmachen und die Bereitschaft zur Anstrengung. Auf dieser Basis können wir mittelfristig sicher die Integration in eine Beschäftigung erreichen”, sagte Gabriele Hilger.