Erkelenz: „Schönes Erkelenz missbraucht”

Erkelenz : „Schönes Erkelenz missbraucht”

Rund 500 Bürger waren trotz des strömenden Regens am Samstagnachmittag dem Aufruf von Grünen und SPD gefolgt und protestierten friedlich unter dem Motto „Schöner Leben ohne Nazis - gegen Rechtsextremisten und ihren Marsch durch Erkelenz”.

Erkelenz sei nicht der Ort für „braune Umtriebe” - so lautete die Botschaft der Redner.

„Wehret den Anfängen”, mahnte die stellvertretende Bürgermeisterin Christel Honold-Ziegahn (Grüne). „Ich schäme mich dafür, dass unser schönes Erkelenz dazu missbraucht wird, eine Bühne zu sein für Ewiggestrige, die aus der Geschichte nichts, aber auch gar nichts gelernt haben.”

Honold-Ziegahn verurteilte deren verfälschendes Geschichtsbild in Bezug auf die Rolle der Wehrmacht im Nationalsozialismus scharf: „Als Gesamtorganisation war die Wehrmacht ein Teil des verbrecherischen Systems, das auf Eroberung, Vernichtung, Ausrottung angelegt war.” Jedes Pauschalurteil über die Soldaten des Zweiten Weltkrieges sei jedoch falsch.

Ferdinand Kehren, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins, betonte, es gehe der „Offensive Grenzland” nicht um die Ehrung der Soldaten, die heute ihre Wehrpflicht erfüllen würden, „sondern um die Glorifizierung des Bildes eines Reichswehrsoldaten, der in unbedingtem und absolut unkritischem Gehorsam ein Unrechtssystem gestützt hat und in zahlreichen Fällen an der Verübung von Gräueltaten gegen Andersdenkende und Andersartige beteiligt war”.

Ermuntert durch Wahlerfolge in Ostdeutschland, würden Rechtsextremisten nun versuchen, auch im Grenzland Fuß zu fassen. „Dies darf nicht geschehen.”

Bürgermeister Peter Jansen (CDU) bedauerte, dass sich ein agitatorischer Marsch durch Erkelenz hinter der im Grundgesetz verankerten Demonstrationsfreiheit verbergen könne. „Als Bürgermeister hätte ich mir gewünscht, den Anlass dieses Treffens verbieten zu können.” Aber: Demokratie müsse stark genug sein, um sich mit den Mitteln der Demokratie angemessen wehren zu können.

Plädoyers für eine multikulturelle Gesellschaft und Völkerverständigung sowie gegen Fremdenhass und Kriegsverherrlichung hielten unter anderen Franz-Josef Fürkötter, Vorsitzender des SPD-Unterbezirks, Heinz-Peter Vetten von der Pax-Christi-Gruppe und die Landtagsabgeordnete Dr. Ruth Seidl von den Grünen. Christian Hoverath von der Grünen Kreis-Jugend sagte, von einem „schnellen Anwachsen rechtsradikaler Strukturen” im Kreis könne durchaus gesprochen werden.

Auch die Schülervertretung und der Eine-Welt-Laden des Cusanus-Gymnasiums waren in der Rednerliste vertreten. Hauptorganisator und Grünen-Ortsverbandssprecher Christoph Stolzenberger dankte allen Teilnehmern für ihre Solidarität und Ausdauer.