Wegberg: Schnittiges Theater im wechselnden Licht

Wegberg : Schnittiges Theater im wechselnden Licht

Gedichte und Lieder von Liebe und Tod, verbunden mit einem außergewöhnlichem Theaterspiel, gab es anlässlich des 50-jährigen Bestehens der evangelischen Friedenskirche.

Nach der Begrüßung durch die Kirchenmeisterin im Presbyterium, Ingeborg Jaetzhold, präsentierten Friedrich Raad und Dirk Padberg vom „Theater der Dämmerung Düsseldorf” ein buntes Programm unter dem Motto „Man sieht nur mit dem Herzen gut”.

Vorgetragen wurden bekannte Lieder und Gedichte, die mittels einer Leinwand, unterschiedlichen Lichteinfalls und des Schattens von Scherenschnitten auch visuell dargestellt wurden. Beeindruckend war vor allem die Detailtreue der Schnitte.

Schmachtendes Liebeslied zur Eröffnung

Eröffnet wurde der Abend mit dem Liebeslied „Ach du klarblauer Himmel” von Friedrich Silcher, in das die Verse der „Nachtigall” von Theodor Sturm eingeflochten waren. Das schmachtende Lied wurde scheinbar von einem jungen Mann auf der Leinwand vorgetragen, der es wehmütig in die Natur hinaus sang.

Auch die kleinen Dinge einer typischen idyllischen Atmosphäre wurden nicht außer Acht gelassen, so dass auch einmal ein Schmetterling durch das Bild flog. Nachdem der Mann geendet hatte und gegangen war, erschien eine junge Frau, die über die „Nachtigall” sinnierte, bevor das Liebespaar zusammenfand und sich in die Arme schloss.

Durch flackerndes Licht wurde dann ein Gewitter und anschließend rotes Morgenlicht geschaffen.

„Jetzt wollen wir aber so diskret sein und das Liebespaar alleine lassen”, leitete Raad zum nächsten Stück über. Dies war die vor etwa 130 Jahren geschriebene Ballade „Herr von Ribbeck” von Theodor Fontane.

Das Gedicht zeige vor allem, so Raad, dass Geiz keine Frage des Alter ist, sondern eine „Qualität” des Herzens. So konnten die Zuschauer dem alten Ribbeck zusehen, der den hungrigen Jungen und Mädchen freigiebig Birnen von seinem schönen großen Birnbaum schenkte.

Nach dem Tod des Alten entpuppte sich sein erbender Sohn als Geizkragen, der die hungrigen Kinder von seinem Grundstück jagte. Doch durch den Wunsch seines Vaters, der eine Birne mit in seinem Grab haben wollte, wuchs bald ein neuer Birnbaum.

Zu einem zentralen Kapitel aus Antoine de Saint-Exuperys „Der kleine Prinz” lieferte Raad eine kurze Zusammenfassung des Werkes vom Prinzen auf seinem Planeten, auf dem es keine Blumen gab, bis zu dem Tag, als eine Rose spross. Auf der Erde, wo er Freunde suchte, gelangte er in einen Rosengarten.

Der kleine Prinz lernt seine Lektion

Aus Enttäuschung warf sich der kleine Prinz in das Gras und weinte: Seine Rose hatte im weisgemacht, dass sie auf der ganzen Welt einzigartig sei. Nach der Zähmung eines schwarzen Fuchses mit rot leuchtenden Augen hat der Prinz seine Lektion gelernt. Seine Rose ist trotzdem einzig unter allen Rosen, weil er sie gepflegt hat und es seine Rose ist.

Friedrich Schillers „Die Kraniche des Ibykus” und Johann Wolfgang von Goethes „An den Mond” gehörten ebenfalls zum Programm. Beeindruckend waren die phantastisch gestalteten Figuren der Schicksalsgöttinnen.