Wegberg: Schabbat bedeutet auch Verstehen

Wegberg : Schabbat bedeutet auch Verstehen

Der nach Jom Kippur (der auch „Schabbat der Schabbate” genannt wird) wichtigste Feiertag ist der allwöchentlich wiederkehrende Schabbat, der siebte Tag der Woche.

Und genau um diesen Tag geht es unter anderem in dem Buch „Schabbat” der jüdischen Autorin Lea Fleischmann, das ihre Schwester, die jüdische Lektorin Rosa Fleischmann, im Pädagogischen Zentrum des Maximilian-Kolbe-Gymnasiums einem interessierten Zuhörerkreis vorstellte.

So wie Gott am siebenten Tage von seinem Werk ruhte, so soll auch der Mensch ruhen. An diesem Tag bleibt die Zeit stehen, und alles soll so belassen werden, wie es am Freitag vor Einbruch der Dämmerung war. Licht, das am Freitag gebrannt hat, brennt bis zum Samstagabend und Lampen, die gelöscht waren, bleiben aus. Die meisten Menschen, auch viele Juden, sehen dabei aber oft nur das, was am Schabbat nicht gemacht werden darf: Etwa Autofahren, Fernsehen, Telefonieren, Rauchen.

Beim Schabbat geht es allerdings vor allem darum, die Hektik des Alltags außen vor zu lassen, sich Zeit für sich selbst, für die Familie und für die Freunde zu nehmen. In Städten, in denen viele religiöse Juden leben, herrscht eine eigentümliche friedvolle Ruhe. Der einzige Tag, an dem in Deutschland annäherungsweise eine solche Atmosphäre gefühlt werden kann, ist der Abend des 24. Dezember, hieß es da, als Rosa Fleischmann die gebannten Zuhörer in die fremde Welt des Judentums entführte.

Es gibt Ausnahmen

In dem Buch geht es aber nicht nur um den Schabbat an sich, sondern vielmehr um Verständigung und Verstehen. Alle Vorschriften der jüdischen Religion seien in der Tora niedergelegt, erfuhren die interessierten Zuhörer von der Frau aus Tel Aviv. Die Regeln des Schabbats sind sehr ausführlich.

Da verwunderte die Frage einer der Zuhörer nicht, der wissen wollte, ob sich alle Juden an die Vorschriften hielten. Die meisten würden sich da schon dran halten, aber es gebe auch Ausnahmen, war die Antwort der Lektorin, die sehr um die Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern bemüht ist.

Lea Fleischmann ist mit ihrem Buch ein Werk gelungen, das das Judentum für Nichtjuden verständlich macht. 1947 in Ulm als Kind jüdischer Eltern, die den Holocaust überlebten, geboren, arbeitete Lea Fleischmann mehrere Jahre in Hessen im Schuldienst. 1979 wanderte sie nach Israel aus und lebt jetzt mit ihrem Mann in Jerusalem.

Ihre Schwester Rosa wanderte nach dem Abitur nach Israel aus und studierte in Tel Aviv Philosophie, Geschichte und Film. Sie arbeitet als Reiseleiterin, und neben der historischen Bedeutung des Landes und der Kultur vermittelt sie den Besuchern auch immer einen differenzierten Einblick in den politischen Konflikt im Nahen Osten.