Geilenkirchen: Säugling zieht sich schwere Verbrühungen zu

Geilenkirchen : Säugling zieht sich schwere Verbrühungen zu

Zehn Monate auf Bewährung lautete nach dreieinhalb Stunden Verhandlung das Urteil für eine 26-jährige Hausfrau aus Heinsberg.

Sie musste sich vor dem Amtsgericht unter Vorsitz von Richter Anselm Pütz gemeinsam mit ihrem 31-jährigen Mann wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung verantworten.

Dem Paar wurde vorgeworfen, den im Januar 2000 als viertes von nunmehr fünf Kindern geborenen Sohn misshandelt zu haben. So sei das Kind laut Anklageschrift mindestens zwei Mal geschlagen worden.

Von verschiedenen Ärzten wurden Knochenbrüche, Hautabschürfungen und viele Blutergüsse diagnostiziert. Dazu habe die Mutter aus ihrer Ablehnung gegenüber ihrem Sohn keinen Hehl gemacht. Sie habe wutentbrannt zum Kind gesagt, dass er wohl besser tot sei.

Zudem habe sie immer wieder behauptet, der Junge sei nach der Geburt im Krankenhaus vertauscht worden und in Wirklichkeit gar nicht ihr Kind. Ihr Mann war zu dieser Zeit im Schichtbetrieb als Berufskraftfahrer tätig. Der 31-Jährige gab an, dadurch nur wenig Zeit mit den Kindern verbracht zu haben.

Wenn er da gewesen sei, habe er die Zeit zum Spielen mit den Kindern, auch dem Sohn, genutzt. Der Mann wurde auf Antrag von Staatsanwältin Pascale Schlimm zu 70 Sozialstunden verurteilt.

Für seine Gattin ging das Verfahren hingegen weiter. Sie wurde von verschiedenen Zeugen als leicht erregbar geschildert. Doch habe sie ihre Kinder nie geschlagen, nur manchmal herumgebrüllt.

In ihrer Schilderung gab sie zu, mit ihrer stetig wachsenden Familie, die fünf Kinder sind mittlerweile zwischen sieben Monaten und sieben Jahren alt, überfordert zu sein. Im ersten angeklagten Fall ließ sie ihren Sohn alleine in der Wanne bei laufendem warmen Wasser sitzen.

Als sie zurückkehrte, wiesen die Füße des Säuglings Verbrühungen zweiten Grades auf. So stand es im medizinischen Gutachten, wo auch der zweite Fall vermerkt war.

Danach ist das Gesäß des Kleinkindes aus ungeklärte Art und Weise mit Toilettenreiniger in Berührung gekommen. Der wurde aber nicht durch Abspülen entfernt, was nach Ansicht des Gutachtens ungefährlich gewesen wäre.

Vielmehr bliebt die Chemie in der Hose des Jungen, wo sie zu Verätzungen mit Bläschenbildung führte. Laut Hausarzt folgte erst in dessen Praxis nach gut sechs Stunden eine Erstversorgung.

„In der Vielfalt der Verletzungen würde man von einer Vernachlässigung ausgehen können, was de facto einer Misshandlung gleichkommt”, schloss der ebenfalls geladene Gutachter Dr. Karl-Heinz Schily-Borchard.