Reisevereinigung Geilenkirchen-Birgden: Tag der offenen Tür

Gangelt : Tag der offenen Tür im Taubenschlag

Der Begriff „Rennpferde des kleinen Mannes“ stammt aus einer Zeit, als im Brieftaubensport noch heftig gezockt wurde. Manch ein Sportsfreund soll seinen letzten Pfennig auf die gefiederten Rennpferdchen gesetzt haben. Die meisten Brieftaubenzüchter können sich noch gut an die guten, alten Zeiten erinnern — aber genau das ist das Problem.

Hubert Tholen aus Gangelt ist Vorsitzender der Reisevereinigung Geilenkirchen-Birgden und sagt: „Der Altersdurchschnitt in unserem Verein liegt heute so bei 75 Jahren.“ Damit sich dies ändert, hat der Verband Deutscher Brieftaubenzüchter eine Idee ausgebrütet und den Tag der Brieftaube ins Leben gerufen. Der Tag der Brieftaube ist praktisch ein Tag der Offenen Tür im Brieftaubenschlag. Besucher können sich am kommenden Sonntag, 15. April, ein Bild vom Brieftaubensport machen und unter anderem auch fünf Züchter der Reisevereinigung Geilenkirchen-Birgden besuchen. Ehrensache also, dass Hubert Tholen einer der Züchter ist, die ihr Hobby an diesem Sonntag allen Interessierten kostenlos vorstellen werden.

Tholen selber züchtet seit 40 Jahren. Er hat den klassischen Taubenschlag im Garten hinter seinem Einfamilienhaus stehen. Gut zehn Meter lang und etwa zwei Meter breit ist die gute Stube seiner Brieftauben. Die Saison hat gerade begonnen. Im April finden die ersten Preisflüge statt. Zweimal täglich wird jetzt trainiert: der Trainer öffnet den Schlag, und die Tauben drehen ein paar Runden. Tholen gehört mit fast 70 Jahren zu den jüngsten der 82 Mitglieder des Vereins. Sein Vereinskamerad Heinz Jansen züchtet schon seit 56 Jahren. Jansen sagt zu den Anfängen seiner Züchterlaufbahn: „Ich habe das Brieftaubenzüchten aus der Familie übernommen.“

Heinz Jansen verweist darauf, dass es im Verein 52 reisende Schläge gibt. Reisende Schläge? Jansen erklärt, dass ja nicht jeder Brieftaubensportler auch einen eigenen Taubenschlag habe. Es gebe Züchtergemeinschaften, die sich einen Schlag teilen, gemeinsam die Arbeit und die Kosten und am Ende den sportlichen Erfolg teilen. Somit eignet sich das Hobby Brieftaubensport also auch für Menschen, die in einer Etagenwohnung kaum den Raum für den Aufbau einer Brieftaubenzucht haben würden. Ein wenig Platz braucht es dann schon und Heinz Jansen sagt: „Wer heute Erfolg haben will, muss Zeit opfern.“

Ein Drittel der „reisenden“ Tauben wird bei den Preisflügen gewertet und geht mit in die Jahresbilanz ein. Um möglichst weit vorne platziert zu sein, braucht es vor allem gesunde Tauben, und die fordern Zeit. Der Stall muss täglich gesäubert werden und die Tiere müssen trainieren. Dazu müssen ein- bis zweimal täglich die Schläge geöffnet und die Tauben aufgelassen werden. Ein Schlag verfügt in der Regel über vier Abteilungen, die Vögel (Männchen), die Weibchen, die Jungtiere und die Zuchttauben. Alle Abteilungen müssen separat an die frische Luft gesetzt werden. Und wenn jede Abteilung ein Stündchen trainiert und seine Runden über dem heimischen Schlag dreht, ergibt sich das, was Heinz Jansen „Zeit opfern“ nennt.

Es geht derzeit mit den kürzeren Flügen los. Die 14 Preisflüge eines Reisejahres steigern sich dann von 200 bis auf 670 Kilometer Länge. Die Anreise der Tauben erfolgt im eigenen Lkw, den sich die Reisevereinigung Geilenkirchen-Birgden mit der Reisevereinigung Wurmtal teilt. Wegen der günstigeren Windrichtung geht es in Richtung Frankreich. Bei Rückenwind erreichen die Tauben durchaus Geschwindigkeiten von 130 Stundenkilometern. Die Frage, ob die Tauben denn auch mal eine Pause einlegen, quittieren Tholen und Jansen mit einem Kopfschütteln. „Die hätten dann wohl kaum eine Chance auf einen vorderen Platz“, meint Hubert Tholen.

Eine Frage werden die Besucher am kommenden Sonntag beim Tag der Brieftaube sicherlich stellen, aber wohl kaum beantwortet bekommen: Wie kommen die Tauben wieder nach Hause? Heinz Jansen: „Ich glaube nicht, dass es einen Züchter gibt, der diese Frage wirklich beantworten kann. Irgendwas mit Strahlen wird vermutet.“ Sonnen- oder Erdstrahlen würden gerüchteweise als Orientierung angeführt. Aber wie die Tauben tatsächlich über Hunderte von Kilometern in den Heimatschlag zurückfinden, haben sie bislang noch niemandem verraten. Sie müssen sich wohlfühlen, dort wo sie herkommen.

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