Kreis Heinsberg: Regelung der Nachfolge im Verein oft schwierig

Kreis Heinsberg : Regelung der Nachfolge im Verein oft schwierig

Das Vereinsleben ist eine Stütze der Gesellschaft. Mehr als 600.000 Vereine gibt es in Deutschland, fast jeder zweite Deutsche ist Mitglied in einem Verein, so die Statistik. Trotz dieser großen Zahlen haben die Vereine jedoch zunehmend Schwierigkeiten, ihre Vorstandsämter zu besetzen.

Dies führt nicht selten dazu, dass ein Verein von der Bildfläche verschwindet. So wäre es Ende vergangenen Jahres in Heinsberg fast um den Heimatverein Heinsberger Lande geschehen gewesen, hätten sich nicht spontan einige Heinsberger zusammengetan, um den Verein zu retten.

Nicht viel anders sieht es in sozial engagierten Vereinen aus, wie der Paritätische festgestellt hat, einer von fünf großen Sozialverbänden in Deutschland. Grund genug für das Vorstandsteam der Kreisgruppe Heinsberg, gemeinsam mit Geschäftsführerin Kirstin Fuss das Thema in einem Pressegespräch zu thematisieren und neue Materialien vorzustellen, die bei der Regelung der Nachfolge im Verein helfen können.

Etwa zehn Organisationen mit mehr als 30 Einrichtungen gehören der Kreisgruppe an. Auch Erich Dohmen, stellvertretender Vorsitzender der Kreisgruppe und Vorsitzender des VdK-Ortsverbandes Birgden, konnte da aus langjähriger Erfahrung berichten. Weil sich die soziale Situation stark verändert habe und die Beratungstätigkeit des VdK ausgebaut worden sei, habe sich die Mitgliederzahl im Kreis Heinsberg von 3500 im Jahr 2000 auf inzwischen rund 10.000 verdreifacht, berichtete er. Umgekehrt sei die Zahl der Ortsverbände aufgrund der Nachfolge-Problematik jedoch von 45 auf 39 geschrumpft. Auch die Umstellung auf sogenannte Leitungsteams scheint da nicht die Lösung des Problems zu sein, wie Beisitzer Karl Heinz Jansen von der Rheuma-Liga zu berichten wusste.

Als Grund für die Problematik hat der Paritätische ein oft stark verstaubtes Bild von Vorstandsarbeit, manchmal fehlende Offenheit in Vereinen für frischen Wind von außen oder auch nicht mehr zeitgemäße Strukturen von Vereinen ausgemacht. Auch würden die Ressourcen potenzieller Vorstandsmitglieder aufgrund der sich verändernden Arbeitswelt natürlich immer knapper, während zugleich die Anforderungen des Gesetzgebers an die Vorstandstätigkeit gestiegen seien. Nicht zuletzt habe Vorstandsarbeit in der Öffentlichkeit nicht immer ein gutes Image, was der Begriff „Vereinsmeierei“ verdeutliche.

Dabei könne ein Vorstandsamt sehr viel Spaß machen, so Kirstin Fuß. „Hier hat man die Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen.“ Man treffe andere Menschen, andere Generationen, „kann selbst bestimmen, wo es hingehen soll“. Nicht zuletzt ermögliche eine Mitarbeit im Vorstand auch, neue Kompetenzen zu erwerben und biete nicht zuletzt verbesserte Chancen etwa bei der Bewerbung um eine neue berufliche Position. „Man kann tatsächlich etwas bewegen“, pflichtete ihr Michael Kutz, Vorsitzender des Ortsverbandes Erkelenz im Deutschen Kinderschutzbund, bei. Der von ihm geleitete Ortsverband sei im Streit um die Errichtung eines Bolzplatzes entstanden, berichtete er.

Mit zwei neuen Broschüren will der Paritätische Vereine jetzt dabei unterstützen, sich besser auf die Regelung der Nachfolge im Vorstand vorbereiten und so gelassen in die Zukunft blicken zu können. Da wäre zunächst die Broschüre „Notfallkoffer Vorstand“. Eine vorbereitete Liste hilft dabei, alles Wichtige an einem Standort zu hinterlegen. Damit werde es für Nachfolger einfacher, sich schnell ein Bild über den aktuellen Stand des Vereins zu machen, auf wichtige Unterlagen, auch auf Kontakte zurückgreifen zu können.

Neu ist auch die Broschüre „Übergabe. Wir der Vorstandswechsel im Verein gelingt“. Sie hilft dabei, Aufgaben und Anforderungen für jeden Vorstandsposten klar zu definieren und die Qualität der Vorstandsarbeit zu sichern. Schließlich bietet sie ein vorbereitetes Protokollformular für die Phase der Übergabe von einem alten an einen neuen Vorstand. Über diese Hilfsangebote hinaus will die Heinsberger Kreisgruppe des Paritätischen in der zweiten Jahreshälfte ein „Vorstandscafé“ in Heinsberg einrichten, in dem sich Mitglieder von Vereinsvorständen oder Menschen, die es werden wollen, austauschen können.