Kreis Heinsberg: Rechtsradikale Szene zum Thema gemacht

Kreis Heinsberg : Rechtsradikale Szene zum Thema gemacht

„Wir werden an dem Thema dranbleiben müssen. Denn es sind viele Aspekte zu Tage getreten, die man so im täglichen Leben nicht registriert”, sagte Vorsitzender Lutz Braunöhler zu Aktivitäten und Strategien der rechtsradikalen Szene in der Aachener Region.

Aufmerksam hatten er und die anderem Mitglieder des Katholikenrats der Region Heinsberg bei der Sitzung im Gemeindezentrum von St. Lambertus Hückelhoven den Ausführungen von Karl Panitz vom „Bündnis gegen Rechts” der Regio Aachen zugehört. Panitz veranschaulichte an vielen Beispielen, dass schon seit Jahren die rechtsextreme Gruppe überproportional aktiv in der Region sei.

Er verdeutlichte, dass die Strukturen und Muster der rechtsradikalen Szene bei ihren Vorgehensweisen überall gleich seien, ob es sich nun um den Raum Heinsberg oder Düren handele. Seinen Ausführungen zufolge sind die NPD und die Kameradschaft Aachener Land, die als rechtsradikal gelten würden, an vielen Orten in der Region tätig. Erkennungszeichen ihres öffentlichen Erscheinungsbildes seien Bomberjacken, Glatze und Springerstiefel, wenn auch sich das Bild in den letzten Jahren zunehmend verändert habe - und „Leute wie du und ich dazuzählen”, wie Panitz sagte.

Auffällig oft verwendeten die Gruppierungen bestimmte Zeichen wie die Zahl 88, was nach den Buchstaben des Alphabets „Heil Hitler” bedeute. Den Angaben von Panitz zufolge lassen sich die rechtsradikalen Parteien und Kameradschaften bei Veranstaltungen von der Polizei schützen, da diese dazu verpflichtet sei, das Versammlungsrecht sicherzustellen.

Generell würden die Rechtsradikalen nicht einzeln auftreten, sondern immer in Gruppen von zehn bis 30 Mann. Für sie sei es auch kein Problem, sich nach außen hin zu positionieren, erklärte Panitz. „Ihre Aktivitäten im Moment zielen darauf ab, in die Rathäuser und Landtage einzuziehen”, sagte der Referent.

Hier und da hätten sie es bereits geschafft wie zum Beispiel im Kreistag Heinsberg und im Stadtrat Erkelenz. Die NPD versuche überall, Strukturen beziehungsweise Kreisverbände aufzubauen. Weitere Aktivitäten zielten darauf ab, soziale Themen zu besetzen und Einfluss vor allem in Sportvereinen zu bekommen.

„Die Mitglieder versprechen einfache Lösungen, gerade für die, die keine beruflichen Perspektiven haben”, betonte Panitz. Das Bündnis gegen Rechts setze diesen Aktivitäten ebenfalls Aktivitäten entgegen. Als Beispiel nannte Panitz die „Entsorgungsstation für nationalsozialistisches Gedankengut” des Dürener Bündnisses, Infoveranstaltungen an Schulen, Ausstellungen über Opfer rechtsextremer Gewalt und Bildungsveranstaltungen.

Panitz betonte, dass sich das Bündnis generell gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Gewalt wende. Auch in Erkelenz gebe es eine Arbeitsgemeinschaft mit aktiven Gegnern sowie Aktivitäten wie die „Wege gegen das Vergessen” und die Stolpersteine.