Alsdorf: Realschule: Die neue Leiterin hat viel vor

Alsdorf : Realschule: Die neue Leiterin hat viel vor

An Herausforderungen wird es nicht mangeln. Veränderte Lernumgebungen, steigende soziale Unterstützung, sinkende Schülerzahlen und die Konkurrenz durch Gesamt- und Sekundarschulen — mit all diesen Dingen wird Susanne Kaempf sich als neue Leiterin der Mariadorfer Marienrealschule auseinandersetzen müssen. Sie freut sich darauf. Vor allem darauf, Schüler und Lehrer gleichermaßen zu motivieren.

Seit dem 1. Dezember 2012 war sie als komissarische Schulleiterin die Nachfolgerin von Marianne Bayer. Künftig wird ihr Elisabeth Schreiber als Stellvertreterin zur Seite stehen. Zu Beginn des Schuljahres ist die 54-jährige Schreiber von der Aachener David-Hansemann-Realschule nach Alsdorf gewechselt. Im Team wollen Kaempf und Schreiber viele neue Konzepte zum Wohl der derzeit 358 Schüler auf den Weg bringen.

Lernen wird oft verweigert

„Vor allem der Umgang mit heterogenen Lerngruppen wird uns beschäftigen“, sagt Susanne Kaempf, 57 Jahre alt und seit 2003 an der Mariadorfer Schule. Heterogen heißt: In den Klasse finden sich vermehrt Schüler mit Lerndefiziten oder sozialen Schwierigkeiten. „Auf der anderen Seite gibt es immer mehr Kinder, die dauerhaft dem Unterricht fernbleiben“, sagt Kaempf. Die Schulverweigerer wieder zu motivieren und den Lernschwächeren unter die Arme zu greifen — das soll möglich sein.

Kaempf: „Schüler brauchen heute nicht nur Lehrer, sondern auch Sozialbegleiter.“ So läuft in der fünften und sechsten Klasse derzeit eine Testphase unter dem Titel „Soziales Lernen“. Dabei ist stundenweise eine Schulsozialarbeiterin mit im Unterricht, um bei Bedarf das Selbstbewusstsein der Schüler zu fördern, deren soziale Kompetenz oder die Team-Fähigkeit.

Ebenfalls neu ist das „Trainingsraumkonzept“ in der Unterstufe. Stört ein Schüler dauerhaft den Unterricht, kann er im Trainingsraum mit dem Schulsozialarbeiter oder einer von zwei Sonderpädagoginnen sprechen und ein wenig verschnaufen, bevor er wieder in die Klasse zurückkehrt. „Das ist für den ein oder anderen Schüler eine gute Möglichkeit, Power rauszulassen und wieder runterzukommen“, sagt Elisabeth Schreiber.

In Aachen hat sie bereits gute Erfahrungen mit einem neuen Takt gemacht, der ab dem kommenden Schuljahr auch in Mariadorf getestet werden soll. 60 statt der bislang allgemein üblichen 45 Minuten sollen die Unterrichtsstunden dann dauern.

Das habe Vorteile, so Schreiber. „Dadurch sinkt die Zahl der Unterrichtsfächer pro Tag, so können Lehrer und Schüler intensiver an Themen arbeiten.“ Zum anderen erfordert es weitere Flexibilität des Lehrers. „Nur Frontalunterricht geht dann nicht mehr. Schüler werden noch mehr zu eigenständigem Lernen aufgefordert, wie es ohnehin schon geschieht.“

Auch ein neues Regelwerk für den Umgang miteinander soll auf den Weg gebracht werden. Präventives Arbeiten liege all dem zugrunde, sagt Kaempf und will unterstrichen wissen, dass die Situation an der Marienrealschule nicht dramatischer sei als andernorts. „Das Lernklima verändert sich an allen Schulen — bei uns begegnen wir dem mit einem großen Gemeinschaftssinn.“

Den hat auch Elisabeth Schreiber gleich bemerkt. „An dieser Schule gibt es ein sehr engagiertes, motiviertes Kollegium, das jeden einzelnen Schüler im Blick hat und ihn mitnehmen will.“ Diese Nähe mag der große Vorteil einer vergleichsweise kleinen Schule sein. Doch zählt das am Ende?

Kaempf und Schreiber fürchten schon jetzt, dass Haupt- und Realschule langfristig auf der Strecke bleiben. „Der Trend geht zur Verdichtung der Schulen. Hin zu großen Sekundar- und Gesamtschulen.“ Doch sie wollen alles daransetzen, die Marienschule zukunftsfähig zu halten. Kaempf: „Fürsorge füreinander — das soll unser Motto bleiben.“