Wassenberg-Rothenbach: Raser machen vor der Grenze nicht Halt

Wassenberg-Rothenbach : Raser machen vor der Grenze nicht Halt

Eigentlich wollte Günther K. nur mit seiner Frau in Effeld einkaufen gehen. Ein paar Pakete Kaffee, weil der da so billig ist, wie er sagt. Gespart hat er bei seiner Tour nach Holland trotzdem nicht.

Denn schon kurz vor der niederländischen Grenze musste er seine Geldbörse zücken. Das Gaspedal zu tief durchgedrückt, war er der Polizei ins Netz gegangen.

Die hatte am Mittwoch gemeinsam mit dem Ordnungsamt und den uniformierten Kollegen aus den Niederlanden zum dritten Mal einen „24-Stunden-Blitzmarathon” gestartet, und kontrollierte zwischen sechs Uhr am Mittwochmorgen und sechs Uhr heute in der Früh an 26 verschiedenen Gefahrenpunkten in Kreisgebiet die Geschwindigkeit der Verkehrsteilnehmer. Auch auf der L117 Richtung Effeld. Und dort zeigte auch Günther K.s Tacho eine zu hohe Geschwindigkeit an.

„Es ist schon ärgerlich, dass ich in in die Blitzerfalle gegangen bin, obwohl ich ja davon wusste”, sagt K. Der 53-Jährige beteuert, gar nicht der Typ Raser zu sein. Und auch heute habe er es nicht eilig gehabt - habe es eigentlich nie eilig, sagt er und führt wie zum Beweis an: „Ich bin erst einmal geblitzt worden und das liegt 20 Jahre zurück. Aber meine Frau und ich waren gerade in ein Gespräch vertieft und die Straßen waren frei. Da habe ich das Tempolimit wohl irgendwann aus den Augen verloren.”

Rechtfertigungen wie diese kennt der Polizeisprecher der Kreispolizeibehörde Heinsberg nur zu gut. „Die Leute versuchen fast immer zu erklären und sich zu rechtfertigen, warum sie zu schnell gefahren sind”, sagt Karl-Heinz Frenken. Die einen müssten pünktlich zur Arbeit, andere schieben einen dringenden Arzttermin vor, wieder andere müssten die Kinder von der Schule abholen und manche seien „einfach nur in Gedanken”, so wie Günther K.

Trotzdem zählen diese Ausreden nicht. Wer nicht früh genug losfährt, und deshalb aufs Gas drückt, muss zahlen. „Aber fast alle, die wir mit zu hoher Geschwindigkeit erwischen, sind sehr einsichtig und beschweren sich nicht und erkennen die Aktion als sinnvolle Maßnahme an”, sagt Karl-Heinz Frenken. An dem Kontrollpunkt kurz vor der niederländischen Grenze gehen der Polizei an diesem Tag ohnehin nur verhältnismäßig wenig „Schnellfahrer” ins Netz.

Mitten auf dem Kreisverkehr in Höhe der Ortschaft Rothenbach postiert, sind die Männer in Uniformen auch schon von weit her zu erkennen. Insbesondere aber die Ankündigung der Aktion in den Medien trage zum langsameren Fahren bei. „Dass die Verkehrsteilnehmer während des Blitzmarathons grundsätzlich disziplinierter unterwegs sind, war aufgrund der Vorankündigungen zu erwarten”, sagt Frenken. Das sei sogar einer der gewünschten Effekte dieser Maßnahme. Denn der Blitzmarathon sei nicht dazu da, so viele Menschen wie möglich zu erwischen und abzukassieren.

„Unser Ziel ist es vielmehr, die Menschen dauerhaft zu sensibilisieren. Denn die Geschwindigkeit ist Killer Nummer 1”, erklärt Frenken. Und das ist sie nicht nur in Deutschland. „Raser machen auch vor der Grenze nicht halt. Auch im Nachbarland fordert überhöhte Geschwindigkeit noch immer viel zu viel Verkehrstote”, erklärt er. Deshalb beteiligten sich die niederländischen Kollegen der Heinsberger Polizei auch an dem Blitzmarathon. Während die deutschen Beamten die Geschwindigkeit der nach Holland fahrenden Fahrzeuge kontrollierten, machen es die niederländischen Kollegen umgekehrt.

Ein Glück für Günther K. dass er nicht auf dem Rückweg vom Einkaufsbummel in Effeld geblitzt wurde.

„In den Niederlanden ist eine Geschwindigkeitsübertretung deutlich teurer als in Deutschland”, sagt Geert Peeters. Der niederländische Polizist aus Nord-Limburg unterstützt die Arbeit der deutschen Kollegen an diesem Tag und nutzt die Möglichkeit, einmal über den Tellerrand zu schauen. „117 Euro muss in Holland derjenige bezahlen, der mit 15 Km/h zu schnell unterwegs ist. In Deutschland kostet das nur 20 Euro”, sagt er. Dafür werde in Deutschland aber der Führerschein schneller eingezogen als im Nachbarland. Doch obwohl Rasen jenseits der Grenze ein teures Vergnügen ist, gibt es auch dort jede Menge Temposünder. Bereits in den ersten Stunden der Aktion wurden dort schon drei Führerscheine eingezogen.

„Da hab ich ja noch einmal Glück im Unglück gehabt”, sagt Günther K. und freut sich schon fast über das verhältnismäßig kleine Verwarngeld. Und wo die Beamten gleich mit ihren Messgeräten zur Stelle sind, hat er auch noch einen Tipp für sie. „Kontrollieren Sie doch mal in Lövenich. Da sind auch einige Raser unterwegs, die mal gestoppt werden müssten. . .” Vielleicht wird Günther K. ja als geläuterter Schnellfahrer Pate beim kommenden Marathon.

Erste Ergebnisse der Kontrolle

Im Rahmen der Radar- und Lasermessverfahren wurden von der Polizei im Kreisgebiet insgesamt 1113 Fahrzeuge kontrolliert.

Während der ersten acht Stunden hielten sich 36 Verkehrsteilnehmer nicht an die erlaubte Höchstgeschwindigkeit. Gegen sie wurde ein Verwarnungsgeld erhoben bzw. eine Ordnungswidrigkeitenanzeige gefertigt. Auch die Ankündigung hielt manche nicht vom Rasen ab: Innerhalb der geschlossenen Ortschaft war ein Autofahrer mit 68km/h unterwegs und in einer 70er Zone wurde ein Autofahrer mit 102 km/h gemessen.