Heinsberg-Randerath: Randerath: Beeindruckendes Konzert in der evangelischen Kirche

Heinsberg-Randerath : Randerath: Beeindruckendes Konzert in der evangelischen Kirche

Ein phänomenales pianistisches Meisterwerk fand in der evangelischen Kirche statt, aufgeführt von drei Brüdern aus Baesweiler: Felix (17), Florian (20) und Tobias (22) Koltun, noch Schüler beziehungsweise Studenten, die allesamt über Tugenden werdender Meisterpianisten verfügen.

So stellte sich von Anfang an die Frage nach den Voraussetzungen: Talent oder Fleiß. Tobias beantwortete sie so: Talent ist nichts, Fleiß alles. Als er noch zur Schule ging, setzte er sich vorher schon ans Klavier.

Vier bis fünf Stunden regelmäßiger Probe sind das Mindestmaß. Asiaten (Lang Lang und Co.) sind Europäern darum überlegen, weil sie von Kind an mit ganzer Ernsthaftigkeit an die Sache herangehen, während hierzulande meist ein Hobby darin gesehen wird, dem man sich nach Lust und Laune widmet.

Alle drei Brüder spielten auswendig. Tobias hatte auch dafür eine Erklärung: „Für Noten habe ich keine Zeit”. Um ein Werk zu interpretieren, muss es intus sein. Erst dann kann man es gestalten. So widmeten sich die drei Werken absoluter Meisterschaft, Sonaten von Beethoven, Kompositionen von Chopin, Bartok, Liszt und Chatschaturjan. Vom begeisterten Publikum gedrängt, setzten sie sich am Schluss gleichzeitig alle ans Klavier und hotteten sechshändig Jazz nach Strich und Faden.

Man konnte die Pfarrerin Beate Dickmann gut verstehen, dass sie von „ihrem” Organisten Florian total begeistert war. Er werde auch in Zukunft Kommilitonen gewinnen, um die Reihe der Randerather Konzerte in der Kirche fortzusetzen, nachdem es nach dem Fortgang von Christian Ernst zu einer langen Pause gekommen war.

Die nächste Veranstaltung ist bereits für Ende Februar vorgesehen. Das zahlreiche Publikum nahm die Ankündigung mit großem Beifall auf. Der galt auch allen Stücken des zweistündigen Konzertes.

„Beethoven und Klavier”: Das nötigt schon von Anfang an zu Ehrfurcht und Bewunderung. Der Gymnasiast Felix widmete sich der Sonate Nr. 1, f-moll, Nr. 1, im ersten und zweiten Satz und legte eine absolute frühreife Leistung vor, was Technik oder Phrasierung anlangt. Aus diesem Staunen kam man nicht mehr raus.

Allein schon die Tatsache, keine Partitur zu sehen, war aller Achtung wert. Dass sich dann auch noch keiner „verhaute”, war absolut nicht normal.

Tobias legte einen Chopin wie aus dem Bilderbuch hin. Chopins Etüden haben keine Vorbilder oder Beispiele. Wegen der Arpeggienwogen (Akkord, dessen Töne rasch hintereinander einzeln gespielt werden) wird die Nr. 12, c-moll, aus op. 25 auch Ozean-Etüde genannt, die an heroischen Gesang oder Choral erinnert.

Der „Hammer” war die Ungarische Rhapsodie op. 1 von Bela Bartok, mit der sich der Komponist im etwaigen Alter wie sein Interpret Tobias 1905 in Paris um den Rubinstein-Prix bewarb.

Wenn er ihn auch nicht gewann, so geht er doch bis an die Grenzen pianistischer Virtuosität. Durch Bearbeitung für Soloklavier und Orchester und den rhapsodischen Charakter wurde das Stück allgemeines Konzertprogramm.

Beethovens Mondscheinsonate (Sonate Nr. 14, cis-moll, op. 27, Nr. 2) wurde relativ bekannt. Das bedeutete gute Vergleichbarkeit mit Spitzeninterpretationen. Was den Namensgeber Rellstab zu dem Titel veranlasst hat, ist der Umstand, dass die Sonata quasi una fantasia ein Vorgriff auf das Musikideal der Romantik wurde. Florian nutzte die Chance, mit dem Bartok spielenden Bruder Tobias gleichzuziehen.

Felix kam noch einmal groß heraus mit Chopins Scherzo op. 20, Nr. 1, h-moll, ist es doch ein brillantes Klavierstück mit dröhnenden Dissonanzen und chromatischen Läufen.

Zum Abschluss gab es Liszt, der schon bei Bartok herumgegeistert war. Seine ungarische Rhapsodie Nr. 15, spielte Florian. Später auch orchestriert, gibt es insgesamt 19 Werke mit dem Charakter von Zigeunerweisen, dem auch Florian effektvoll Ausdruck verlieh. Der Abwechslung diente ein beschwingter Walzer aus „Maskerade” von Chatschaturjan zu vier Händen von Felix und Florian.