Kreis Heinsberg: Rätselraten am Tag nach der Landtagswahl

Kreis Heinsberg : Rätselraten am Tag nach der Landtagswahl

Am Tag nach der Landtagswahl herrschte Rätselraten: Wie geht es weiter in Düsseldorf? „Da will ich nicht spekulieren”, sagte der Heinsberger CDU-Kreisvorsitzende Bernd Krückel, der am Sonntag im Südkreis ebenso wie sein Parteifreund Dr. Gerd Hachen im Nordkreis das Direktmandat verteidigt hatte.

„Ich wage keine Prognose”, so Ulla Meurer von der SPD, die dem Landtag in der kommenden Wahlperiode nicht mehr angehören wird. „Ich weiß es wirklich nicht”, erklärte Dr. Ruth Seidl, die mit Listenplatz 21 den Sprung in die 23-köpfige Fraktion der Grünen geschafft hatte.

Trotz deutlicher Verluste: Mit den Erststimmenresultaten sei er „zufrieden”, sagte Bernd Krückel, hätten doch beide Kandidaten der Union eine hohe Zustimmung (53,5 beziehungsweise 46,7 ) erfahren. „Nicht glücklich” sei er mit den Zweitstimmenergebnissen. Das landesweite Abschneiden der CDU sei „enttäuschend”. Krückel machte wie Hachen ein „Bündel von Gründen” aus.

So hätten die Sponsoring-Frage, das Thema Griechenland und der schwarz-gelbe Start im Bund den Landtagswahlkampf überlagert. Eine große Koalition entspreche dem Wählerauftrag und sei jetzt eigentlich das Gebot der Stunde, aber insgeheim befürchte er eine rot-grüne Regierung, toleriert von den Linken, verriet Krückel dann doch mit Blick auf Düsseldorf.

Ruth Seidl freute sich „riesig”: über das „grandiose Ergebnis” für die Grünen, über den Stimmenzuwachs ihrer Partei auch im Kreis Heinsberg und über ihren eigenen erneuten Einzug in das Parlament. Schwierig sei aber nun die Konstellation im Landtag, nachdem Rot-Grün die Mehrheit leider knapp verpasst habe.

Dreier-Koalitionen seien überhaupt schwierig, so Seidl. Möglicherweise könnten sich die Grünen - im Falle einer großen Koalition - mit vernünftiger Arbeit in der Opposition sogar besser absetzen. Favorisieren könne sie derzeit jedenfalls keine Lösung. Es komme darauf an, wie die Gespräche verlaufen würden, was man umsetzen könne und wie verlässlich die Absprachen seien.

„Wir hätten alle nicht erwartet, dass wir so gut aufholen und gleichauf mit der CDU liegen würden”, freute sich Ulla Meurer (SPD) über das Landesergebnis ihrer Partei. Im Wahlkreis habe sie natürlich nicht mit einem Gewinn des Direktmandates gerechnet, aber sie habe „ein bisschen mehr” als 26,0 Prozent an Erststimmen erwartet, sei ihr doch von vielen eine gute Arbeit bescheinigt worden.

Dass ihr Listenplatz 49 nicht reichen würde, war ihr schon vor dem Wahltag klar. Da die SPD 61 der 128 Wahlkreise gewann, gelangten nur sechs Sozialdemokraten über die Reserveliste in den Landtag. Sie sei aber „unheimlich dankbar für die tollen fünf Jahre im Landtag”, so Ulla Meurer. In der Fraktion habe sie sich „geborgen” gefühlt, gemeinsam sei viel erreicht worden. Die stellvertretende Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen will politisch aktiv bleiben. Beruflich wird sich die gelernte Industriekauffrau nun arbeitsuchend melden. Vor ihrem überraschenden Einzug in den Landtag 2005 war sie nach einer Firmeninsolvenz arbeitslos.