Erkelenz: Radwandertag trifft Tour am Rand des Tagebaus

Erkelenz : Radwandertag trifft Tour am Rand des Tagebaus

Das berühmteste Radrennen der Welt, die Tour de France, wird am Sonntag, 2. Juli, auf einer Stippvisite im Kreis Heinsberg zu Gast sein.

Ganz im Osten des Erkelenzer Stadtgebietes stellt ein sechs bis sieben Kilometer langer Abschnitt die Verbindung dar von der Stadt Mönchengladbach, wo eine Sprintwertung auf dem Programm steht, in den Kreis Düren, wo in Titz die Verpflegungsstation auf dieser 203,5 Kilometer langen Etappe von Düsseldorf nach Lüttich auf die Fahrer warten wird.

Erkelenz: Radwandertag trifft Tour am Rand des Tagebaus

Die 198 Radrennsportler — ob internationale Topfavoriten wie Chris Froome, Nairo Quintana, Romain Bardet, Alberto Contador und Richie Porte oder deutsche Asse wie Marcel Kittel, John Degenkolb, Tony Martin und André Greipel — werden ganz nah am Braunkohletagebau Garzweiler vorbeifahren. Auf Straßen, die bald im „Loch“ verschwinden werden. An Orten vorbei, die entweder bereits den Baggern zum Opfer gefallen sind oder denen die Umsiedlung noch bevorsteht: Borschemich (alt), Keyenberg, Lützerath, Immerath (alt).

Die Strecke der Tour de France am 2. Juli im Kreis Heinsberg. Grafik: ZVA, Thomas Heinen / Fotos: Stefan Klassen, Günter Passage / Karte: mapz.com
Die Strecke der Tour de France am 2. Juli im Kreis Heinsberg. Grafik: ZVA, Thomas Heinen / Fotos: Stefan Klassen, Günter Passage / Karte: mapz.com

Protest gegen Braunkohleabbau

Da war die im März bekannt gewordene Nachricht, ein Aktionsbündnis wolle während der Tour de France sichtbar Protest gegen den Braunkohleabbau und den Tagebaubetreiber RWE zum Ausdruck bringen, schon fast erwartet worden.

In einem Aufruf, für den Dirk Jansen vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Landesverband Nordrhein-Westfalen) verantwortlich zeichnet, heißt es: „Anders als die Fernsehbilder von diesem radsportlichen Großereignis gerne suggerieren, fährt die Tour nicht durch blühende Touristen-Landschaften. Wir wollen, dass die Realität nicht ausgeblendet wird und heißen die Sportler bei der Einfahrt in das Tagebaugebiet willkommen.“

Die Botschaft sei unübersehbar: „Coal kills“ — „Kohle tötet“. Die Forderung laute: „Raus aus der Kohle!“ Mit der Aktion solle auf die verheerenden Folgen der Braunkohlengewinnung und -nutzung für Mensch, Natur und das Klima aufmerksam gemacht werden. Der Klimakiller Braunkohle blockiere zudem die notwendige Energiewende.

Symbolisch soll eine rote Linie gegen die Tagebaue gezogen werden. Die Aktivisten wollen sich am Sonntag, 2. Juli, um 11 Uhr in Mönchengladbach-Wanlo am südlichen Ortseingang an der K 19 zwischen Heckstraße und der Straße Auf dem Stiel treffen. Sie wollen — wie im Aufruf formuliert wurde — „die Tour de France begrüßen, nicht aber behindern“.

„Radwandertag trifft die Tour“: Dieses Motto hat die Stadt Erkelenz für das doppelte Fahrrad-Event ausgegeben, findet doch immer am ersten Sonntag im Monat Juli der Niederrheinische Radwandertag statt. Bis zu 30.000 Radfahrer wurden bei dieser Veranstaltung, die nunmehr bereits zum 26. Mal stattfindet, schon gezählt. 63 Orte machen mit.

Mehr als 70 unterschiedlich lange Radrouten stehen zur Auswahl. Der Radwandertag wird jedes Jahr unter ein bestimmtes Motto gestellt. In Anlehnung an die Frankreich-Rundfahrt lautet es diesmal: „Frankreich am Niederrhein“. Drei Themenrouten wurden speziell dazu erarbeitet, so die Tour de Rur, die Heinsberg und Wassenberg miteinander verbindet.

Zubringer-Radtour für Familien

In Erkelenz wurde nach der Ankündigung, dass die Tour de France das Stadtgebiet passieren wird, kurzerhand der Start- und Zielpunkt des Niederrheinischen Radwandertages vom Markt in der Stadtmitte zum Keyenberger Hof verlegt — samt Zubringer-Radtour für Familien vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC), die um 11.30 Uhr am Alten Rathaus startet.

Im Rahmen des Radwandertages gibt es drei beschilderte Routen, die nach Keyenberg führen: Route 34 über 64,7 Kilometer mit Wegberg und Wassenberg, Route 42 über 65,4 ­Kilometer mit Wassenberg und Hückelhoven sowie Route 47 über 39,3 Kilometer mit Wegberg.

Viele Angebote in Keyenberg

Viele ehrenamtliche Kräfte sind im Einsatz: sowohl bei der Absicherung an der Tour-de-France-Strecke als auch im Ort Keyenberg selbst. Der Keyenberger Hof liegt an der Borschemicher Straße — ganz in der Nähe der TdF-Strecke. Angekündigt sind Fahrradcheck (Zweirad-Schmiede) und Gesundheitscheck (Caritas), Glücksrad und Gewinnspiele rund um „200 Jahre Fahrrad“, Leckeres vom Grill und kühle Getränke, Kaffee und Kuchen (von der Frauengemeinschaft), Hot Dogs (von den Messdienern) sowie ein Infostand vom ADFC.

Kinderschminken, Sackhüpfen und vieles mehr gibt es mit der Immerather Pfadfindergruppe. Der Reiterhof Keyenberg lädt Familien mit Kindern zum Besuch ein. Und Ortsführungen bieten die Möglichkeit, um 11.30 Uhr mit Alexander Tetzlaff, Brudermeister der Schützenbruderschaft, oder um 16 Uhr mit Hans-Josef Pisters, einem ehemaligen Vorstandsmitglied der Bruderschaft, in die mehr als 1100 Jahre umfassende Geschichte von Keyenberg einzutauchen, die mit der gerade begonnenen Umsiedlung einen tiefen Einschnitt erlebt.

Lützerath: Karawane 12.54 Uhr, Feld 14.42 Uhr

Lützerath taucht in der „Marsch­tabelle“, dem offiziellen Zeitplan, für die zweite Etappe der Tour de France am 2. Juli auf: 99 Kilometer nach dem Start in Düsseldorf und 104,5 Kilometer vor dem Ziel in Lüttich. Drei Zeiten sind da angegeben: 14.42 Uhr bei einem Schnitt von 45 km/h, 14.48 Uhr bei einem 43-er Schnitt sowie 14.54 Uhr bei einem Schnitt von 41 km/h.

Das Feld — aus Mönchengladbach-Wanlo kommend — wird Keyenberg schon einige Minuten früher passieren: Wer also sicher sein will, keinen Fahrer zu verpassen, sollte ­allerspätestens um 14.30 Uhr dort seinen Zuschauerplatz gefunden haben. Gegen 15 Uhr, vielleicht aber auch schon gegen 14.45 Uhr, dürfte der letzte Fahrer an der Immerather Windmühle vorbei in Richtung Titz verschwunden sein.

Die Werbekarawane ist rund zwei Stunden vor dem Feld unterwegs: 12.54 Uhr weist der Zeitplan für Lützerath aus. Rund 200 bunt gestaltete Fahrzeuge sind angekündigt. ­Sowohl bei der Karawane als auch später bei der Durchfahrt des Feldes samt dem großen Tross von Begleitfahrzeugen sollten die Zuschauer an der Strecke Vorsicht walten lassen und nicht auf die Straße treten!

Straßensperrungen von 10.45 bis 16 Uhr

Die Stadt Erkelenz weist mit Blick auf die Fahrt der Tour de France am 2. Juli durch das Stadtgebiet auf notwendige Straßensperrungen hin.

Die Verbindung L277/L19/L277 zwischen Mönchen­gladbach-Wanlo im Norden und Titz-Jackerath im ­Süden wird laut Stadt von voraussichtlich 10.45 Uhr bis mindestens 16 Uhr für den Individualverkehr gesperrt. Von der Sperrung betroffen seien die Strecke selbst und alle angeschlossenen Straßen und Wirtschaftswege, die an diese Strecke ­anbinden. Auch eine Querung der Strecke sei nicht erlaubt. Die Anschlussstelle Jackerath der Autobahn A61 sei ebenfalls gesperrt.

Sämtliche Sperrmaßnahmen würden sich mit Rücksicht auf die Belange der Verkehrsteilnehmer auf die unbedingt notwendige Zeit beschränken, heißt es. Die Einhaltung der Anordnungen werde durch Ordnungskräfte überwacht, so die Stadt. Es werde um Verständnis für die notwendigen verkehrsrechtlichen Maßnahmen gebeten. Durch gegenseitige Rücksicht und ein entsprechend umsichtiges Verhalten könne jeder seinen Beitrag zum Gelingen der Tour de France in Erkelenz beitragen.

(disch)