Kreis Düren: Rachel macht zum fünften Mal das Rennen im Kreis Düren

Kreis Düren : Rachel macht zum fünften Mal das Rennen im Kreis Düren

Als in der ARD um kurz nach 18 Uhr die Prognose über den Bildschirm geht, herrscht Stille, es ist eine Stille, die das Resultat großer Überraschung und Fassungslosigkeit ist. Es dauert einen Moment, bis sich die knapp drei Dutzend Leute, die zu diesem Zeitpunkt im Kreishaus sind, gesammelt haben und wieder etwas zu hören ist.

Als dann eine gute Stunde später die ersten Ergebnisse aus dem Kreis Düren eintrudeln, ist die Stimmung eine andere: kein Jubel, nirgendwo, aber auch kein Katzenjammer, es ist irgendetwas dazwischen. Thomas Rachel hat für die CDU wieder den Wahlkreis gewonnen (41,7 Prozent), seit 1994 zum fünften Mal, damit sitzt er wieder im Bundestag. Dietmar Nietan holt für sich zwar 31,9 , ob angesichts des schlechten Bundesergebnisses der SPD wieder den Sprung nach Berlin schafft, war bis zum Druck dieser Ausgabe offen.

Nietan gehört dem Bundestag seit 1998 an. Lediglich 2005 schaffte er den Einzug ins Parlament nicht. Ebenso war bis zum späten Abend offen, ob Katharina Kloke (FDP) überraschend über die Liste in den Bundestag einzieht. Im Kreis Düren holen die Liberalen 11,3 und werden damit drittstärkste Kraft. Wieder in Berlin wird Oliver Krischer sitzen, der mit seinem NRW-Listenplatz 2 sicher dabei ist. Im Kreis holen die Grünen 5,4 .

Die große Stille, die um kurz nach sechs herrscht, ist vor allem dem Abschneiden der AfD geschuldet und gleichsam den Stimmenverlusten von CDU und SPD. Im hiesigen Wahlkreis liegt die AfD bei 9,6 . Spitzenkandidat Bernd Essler führt das Ergebnis auf das „Versagen der Bundespolitik zurück“. Für dem Kreis Düren sieht er „Luft nach oben“, er hatte mit einem besseren Abschneiden gerechnet.

Thomas Rachel holt im direkten Vergleich mit Nietan 11.000 Stimmen mehr. Allerdings büßt der Christdemokrat gegenüber der Wahl vor vier Jahren gut 8 Prozentpunkte ein, Nietan verliert gut 2 . CDU und SPD liegen im Kreis Düren aber deutlich über den jeweiligen bundesweiten Ergebnissen ihrer Parteien.

Die Ergebnisse müssten nun in Ruhe aufgearbeitet werden, sagt Rachel. Es sei nun die Aufgabe der demokratischen Parteien, Lösungen für die Probleme in Deutschland zu finden.

Dietmar Nietan hielt sich am Sonntagabend nicht im Kreishaus auf, sondern in Berlin. Als Mitglied des Parteipräsidiums hatte er mitberaten, wie es mit der SPD weitergehen solle. Nietan hatte sich schon vor einer Woche gegen die Fortsetzung der Großen Koalition ausgesprochen, sollte die Sozialdemokraten schlecht abschneiden und alternative Konstellationen möglich sein.

Das ist nun der Fall. Dass die SPD in die Opposition wechselt, begrüßten auch Dürens Stadträtin Liesel Koschorreck und Juso-Chef Max Dichant.

Auch Oliver Krischer war nicht in Düren, sondern machte sich am Abend auf den Weg nach Berlin, um mit der Parteispitze zu beraten. Der Kreis Düren sei nie eine Hochburg der Grünen gewesen, sagte Krischer mit Blick auf die 5,4 . Auf Bundesebene sieht es besser aus — und dennoch ist Krischer nicht ganz zufrieden, „weil wir dritte Kraft und zweistellig werden wollten“. Krischer wird in den nächsten Tagen in Berlin über eine mögliche Koalition mit CDU und FDP nachdenken müssen.

Eine bemerkenswerte Konstellation brachte Bruno Voß von den Grünen in Düren ins Spiel. „Warum probieren sie es in Berlin nicht mit einer Ampel-Koalition wie in Düren“, sagte er am Abend. Man müsse nun neu denken und für andere Wege offen sein. Valentin Veithen, in Düren mit der Linken neben SPD, FDP und Grünen Teil der „Ampel“, sagte mit einem Augenzwinkern, eine „Ampel“ in Berlin hätte den Vorteil, sich nicht um die Vergabe von Stellplätzen auf der Annakirmes kümmern zu müssen. Um diese Frage hatte es im Sommer viel Streit gegeben.

Aus der anfänglichen Stille im Kreishaus wurde mit der Zeit nicht nur ein lautstarker Chor von Kommentatoren, sondern ganz offenbar auch von launigen Einschätzungen und Erwartungen,