Hückelhoven: Quintaner auf Spuren der alten Römer

Hückelhoven : Quintaner auf Spuren der alten Römer

Es war einmal das tapfere Völkchen der Treverer, das sich im Jahre 30 vor unserer Zeitrechnung gegen römische Eindringlinge zur Wehr setzte.

Was sich wie eine Episode aus einem Asterix-Comic anhört, ist wirklich passiert: Die römische Besatzung, die nach den gallischen Feldzügen Caesars zur Sicherung der eroberten Gebiete auch in der Moselregion zurückgeblieben war, sah sich vor 2033 Jahren in Kämpfe mit den aufständischen Treverern verwickelt.

Auf dem Plateau des heutigen Petrisbergs in Trier schlugen sie ein Militärlager auf, um die „Einheimischen” in Schach zu halten. Das beweisen Ausgrabungen auf dem Gelände der Landesgartenschau in Trier, wo das Landesmuseum unter Leitung von Professor Hartwig Löhr auf die Überreste des Militärlagers gestossen ist.

Die Besucher können den Archäologen bei ihrer Arbeit über die Schulter gucken, Schulklassen dürfen sogar mitmachen. Und so kommt es, dass heute nicht mehr die Treverer, sondern Kinder und Jugendliche regelmäßig in das römische Quartier „einfallen”.

So auch die Klasse 6a des Städtischen Gymnasiums Hückelhoven, um - bewaffnet mit Schaufeln und Harken statt Pfeil und Bogen - die Geheimnisse der Vergangenheit zu enträtseln. „Hoffentlich finden wir einen Goldschatz”, ruft ein Jungforscher gleich beim Eintreffen.

Doch Hartwig Löhr bremst seine Goldgräberstimmung und führt die Klasse mit ihrem Geschichtslehrer Volker Lövenich und der Klassenlehrerin Dorina Buhl zunächst zur Ausstellung neben dem Grabungsfeld, wo ein paar der bisherigen Funde wie Scherben von Amphoren oder Esstellern gezeigt werden.

Nach einer Einführung in den historischen Kontext und die methodische Vorgehensweise der Archäologen geht es endlich los: In zwei Gruppen werden die Schüler auf das Feld verteilt, wo sie zunächst die Erdoberfläche glatt kratzen sollen, um eventuell vorhandene Bodenspuren freizulegen. Das erscheint den Sechst-klässlern wenig spektakulär. Doch bereits nach den ersten Minuten stößt eine Gruppe auf eine runde und helle Erdverfärbung, die deutlich aus dem rotbraunen Lehmboden hervorsticht. Könnte das schon eine Entdeckung sein?

Hartwig Löhr wird gerufen und erklärt, dass die Kids auf ein Pfost-enfundament gestossen sind, das vermutlich zu den hölzernen Baracken gehörte, in denen die Römer ihre Pferde untergebracht hatten. Er verweist auf weitere solcher Stellen, die eine schnurgerade Linie ergeben. Nach und nach lernen die Schüler, Geschichte in der Erde zu lesen - ganz so, wie es der Titel des Erlebnis-Klassenzimmers verspricht.

Sie erkennen die Grundrisse rechteckiger Bauten und die mitten durch das Ausgrabunsfeld verlaufende Gosse. Als sie später auch noch eine Latrine finden, regt sich langsam der Entdeckerstolz. Schlammbeschmiert, aber zufrieden, treffen sie drei Stunden später ihre Parallelklasse 6b mit Klassenlehrerin Michaela Rössing wieder, die den Vormittag in der römischen Spielstadt verbracht hat.

Zur erlebnisorientierten Zeitreise gehörte auch eine Kostprobe: Im Atrium konnten die Kids probieren, was bei den Römern so alles auf den Tisch kam. „Schmeckt gesund”, fand ein Testesser. „Aber gleich bei der Stadtrallye gehen wir zu Mac Donalds!”