Heinsberg: Qualm in den Kneipen trotz Rauchverbot

Heinsberg : Qualm in den Kneipen trotz Rauchverbot

Da ist es nun, das Rauchverbot. Seit dem 1. Juli darf - bis auf einige nicht unbedeutende Ausnahmen - in Gaststätten keine Zigarette mehr angezündet werden. Was in der Theorie eindeutig klingt, ist es in der Praxis längst nicht.

Unser Leser Michael Bienick ist schon wenige Tage nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes mächtig angefressen. Er ist nämlich Nichtraucher und hatte sich sehr auf den 1. Juli gefreut. „In meinen Augen ist es ein wirklich tolles und nützliches Gesetz, denn nun kann kam endlich sein Bier auch ohne Rauch genießen, muss nach dem Kneipenbesuch seine von ekligem Rauch miefende Kleidung nicht gleich auslüften und kann Abende vergehen lassen, ohne sich gesundheitsgefährdendem Dunst aussetzen zu müssen”, sagt er.

Als er das neue Gesetz jedoch vor Ort auskosten wollte, wurde seine Vorfreude jäh erstickt. In seiner Lieblingskneipe hielt der Inhaber ihm sofort ein Formular unter die Nase. Er solle es unterzeichnen, damit Mitglied in einem so genannten Raucherclub werden und könne dann die Gaststätte betreten. Geraucht wird derweil weiter in Bienicks Lieblingsladen, sehr zu seinem Ärger.

Wie Michael Bienick geht es vielen Nichtrauchern, denn eine große Zahl von Wirten nutzt die Lücken im Gesetz aus und gründet einen Raucherclub. In diesem wird man dann einfach Mitglied, bekommt dafür einen Ausweis und hat fortan Zutritt zur Kneipe, in der wie bislang gequalmt wird. Sehr zur Freude der Raucher. Michael Bienick hingegen hat empört verzichtet und die Kneipe lieber wieder verlassen.

Mit solchen Reaktionen sieht sich auch Gaststättenbetreiber Richard Haberlandt immer wieder konfrontiert. Er hat - wie viele seiner Kollegen - einen Raucherclub gegründet. „Ich fände es ja auch gut, wenn nicht geraucht würde”, sagt er (und das als Raucher!), „aber wir müssen den Raucherclub aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten gründen.”

Schon bevor das Gesetz in Kraft trat, musste er sich von Stammgästen anhören, dass sie nicht mehr in seine Kneipe kämen, wenn er das Rauchverbot einführe. „Auf der anderen Seite sind auch schon Nichtraucher gegangen, weil sie nicht in den Club eintreten wollen.”

Richard Haberlandt muss das in Kauf nehmen und die Kellner ebenfalls. „Wir müssen jetzt die Gäste beim Betreten immer fragen, ob sie schon Mitglied im Raucherclub sind. Wenn nicht, klären wir sie auf und geben ihnen den Antrag. Will jemand nicht unterschreiben, müssen wir ihn leider bitten, das Lokal zu verlassen”, erzählt Kostas Sachinidis.

Und warum der ganze Aufwand? Wer gegen das Gesetz verstößt, muss mit Bußgeldern rechnen. „Je nach Art des Verstoßes werden zwischen fünf und 1000 Euro fällig”, erklärt Dezernent Hans-Walter Schönleber. Das gilt sowohl für die Wirte, als auch für die Gäste.

Bislang musste das Ordnungsamt noch nicht eingreifen. „Wir kontrollieren erst, wenn Beschwerden bei uns eingehen”, erzählt Schönleber. So schreibt es nämlich ein Erlass des neuen Gesetzes vor.