Geilenkirchen: Prozess gegen mutmaßlichen Drogenhändler bleibt ergebnislos

Geilenkirchen : Prozess gegen mutmaßlichen Drogenhändler bleibt ergebnislos

Ein Prozess gegen einen 57-Jährigen, dem gewerbsmäßiger Drogenhandel vorgeworfen wird, ist diese Woche am Schöffengericht ergebnislos eingestellt worden. Richterin Corinna Waßmuth sah Fragen zu einem Diensthandy offen, mit dessen Hilfe der Angeklagte, Wolfgang J., seine Geschäfte organisiert haben soll.

Der Prozess wird jedoch neu aufgezogen. Gespannt darf man darauf sein, ob der Angeklagte und sein mutmaßlicher Geschäftspartner Wolfgang S., der als Zeuge auftritt, ihr Aussageverhalten bis dahin überdenken werden. Richterin und Staatsanwalt artikulierten diese Woche recht deutlich, dies nicht für die schlechteste Idee zu halten.

Was den Angeklagten betrifft, so äußerte sich dieser nicht zu den Vorwürfen. Das ist sein gutes Recht, andererseits führt ein Geständnis im Falle einer Verurteilung in der Regel zu einer mehr oder minder deutlichen Strafmilderung.

Ganz anders verhält sich die Sache bei dem anderen Wolfgang, Zeuge S. Er ist durch das Landgericht Aachen bereits wegen Drogenhandels verurteilt worden und konnte sich daher durch seine Aussagen in der Sache nicht mehr selbst belasten. Dies führt allerdings dazu, dass er entgegen des Regelfalls zur Aussage verpflichtet ist.

Jedoch blieb der Erkenntnisgewinn für Richterin und Schöffen überschaubar, denn S. wollte sich nicht mehr recht erinnern, ob J. seinerzeit zu seinen Geschäftspartnern gehört hat. „So leicht kommen Sie mir nicht davon“, warnte der Staatsanwalt ihn zornig und dachte laut darüber nach, S. unter Eid aussagen zu lassen. Man sollte an dieser Stelle erwähnen, dass beide Wolfgangs aus Wassenberg kommen und sich praktisch ein Leben lang kennen.

Zwischenhändler in größerem Drogenring

Angeklagt sind fünf Drogengeschäfte, die J. und S. miteinander abgewickelt haben sollen. Es ging überwiegend um Haschisch und Marihuana bei Mengen von bis zu 500 Gramm. Nach Überzeugung der Anklage traten die beiden Wolfgangs innerhalb eines größeren Komplexes im Drogengewerbe, den der Zoll 2015 auffliegen ließ, als Zwischenhändler auf.

Sie sollen sich dabei gegenseitig die Ware zugeschustert haben: Mal hätte also Wolfgang an Wolfgang verkauft, dann wieder Wolfgang an Wolfgang.

Wesentliches Beweismittel ist ein 50-seitiges Chatprotokoll von 2015, dessen der Zoll damals habhaft werden konnte. „Fahre Grünes holen, brauchst Du?“, lautet eine typische Nachricht. Grün ist die Farbe von Marihuana.

Dass eines der Handys dem verurteilten Zeugen S. gehörte, steht außer Frage. Bei dem zweiten Handy handelt es sich um das Diensthandy eines regionalen Müllentsorgungsunternehmens, das J. nutzte. Vor der Neuauflage des Prozesses will Richterin Waßmuth geklärt wissen, ob sich eindeutig ausschließen lässt, dass noch jemand anderes als J. Zugriff auf dieses Handy hatte. „Meine Zweifel sind allerdings gering“, stellte sie mit Blick auf das Schweigen des Angeklagten klar.