Braunsrath: Pilot und Maschine kämpfen gegen Regen und Wind

Braunsrath : Pilot und Maschine kämpfen gegen Regen und Wind

Eine nicht alltägliche Reise erlebte in diesem Jahr Peter Ketzler aus Braunsrath. Alleine überführte der 54-Jährige sein neues einmotoriges Flugzeug, eine „Cirrus SR 22”, von Florida zum Aachen/Maastricht-Airport.

Nach einem Schlenker zu den Bahamas in der Karibik führte seine Flugroute über die USA, Kanada, Grönland, Island und Schottland zurück nach Deutschland. Auf seinem Alleinflug, der 34 Stunden und 54 Minuten dauerte, begleiten wir den Piloten heute von Grönland bis in seine Heimat.

Ein Flug bei schlechtem Wetter über das Grönlandeis, das eine Dicke von zwei Kilometern erreicht, hat schon viele Piloten das Leben gekostet. Im örtlichen Museum gibt es eine Landkarte, auf der mehr als 100 Stecknadelköpfe Flugzeugabstürze seit den 50-er Jahren in Grönland dokumentieren. Zu dieser Zeit war Kangerlussuaq eine Fliegerbasis der Amerikaner. Nach dem Abzug des amerikanischen Militärs 1992 fliegen dort täglich Maschinen der Grönlandair und SAS-Passagiere von Kopenhagen und Reykjavik ein.

Sehr gewöhnungsbedürftig ist der Umstand, dass es dort im Mai überhaupt nicht mehr dunkel wird. Ohne Uhr wüsste man nicht einmal, wann man sich denn zum Schlafen hinlegen soll. Sobald man sich einige hundert Meter vom Dorf entfernt, steht unweigerlich die Begegnung mit „Musk-Ox”, Polarfuchs und Rentier bevor. Eisbären, wie vielleicht vermutet, sind sehr selten und wurden auch von mir nicht gesehen.

Nach genau einer Woche Zwangsaufenthalt überzeugte mich der Meteorologe mit fliegbarem Wetter, wobei Eile geboten war, denn das nächste Tief war schon wieder im Anmarsch. Aus meinem geplanten zweistündigen Flug über das Eis wurden mehr als drei Stunden, weil ein Süd-Ostwind mit mehr als 40 km/h den Vorwärtsdrang bremste.

Der Platz an der Ostküste Grönlands ist vielen Piloten bei schlechtem Wetter schon zum Verhängnis geworden. Zwischen Bergen fast unsichtbar versteckt und von der Seeseite von Eisbergen umringt, hat man kaum eine Chance, bei schlechtem Wetter die „Schotterpiste” zu finden. Ich hatte Glück: Als ich in zirka 1000 Meter Höhe aus den Wolken kam, war die Sicht gut und die 0-Grad-Grenze überschritten. Der Rest war Routine. Kurz aufgetankt, in den Rescue-Anzug und auf gings nach Europa.

Island - und hier die Hauptstadt Reykjavik - war das nächste Etappenziel. Der Wind war wieder nicht auf meiner Seite, und so benötigte ich für die 750 Kilometer knapp drei Stunden. Auch in Island wird es um diese Jahreszeit nicht dunkel. Dafür sind die Temperaturen frühlingshaft. Leider reichte die Zeit nicht, um Island kennen zu lernen (wird sicher beim nächsten Flug nachgeholt), denn das nächste Teilstück war das größte Stück über Wasser, und ich hatte vor, am Abend schon in Braunsrath zu schlafen.

Um Punkt 7 Uhr stand ich vor dem Büro der flight-service-station, um meinen Flugplan nach „Stornoway” in Schottland aufzugeben. Die Beamten waren sehr hilfsbereit und halfen sogar beim Einholen des Wetters sowie bei der weiteren Planung des Flugweges. Wieder hatte ich mit erheblichem Gegenwind zu kämpfen, dafür aber keine Probleme mit Vereisung.

Für die 1100 Kilometer von Reykjavik nach Stornoway benötigte ich gut vier Stunden. In Schottland empfing mich ein Sturmtief mit Regenschauern, die die Landebahn in eine Wasserlandschaft verwandelten. Aquaplaning war die Folge. Zum Glück war die Bahn lang genug. Bei strömendem Regen galt meine größte Sorge dem Betanken der Maschine. Mit äußerster Sorgfalt (großer Regenschirm!) achtete ich peinlichst darauf, dass kein Tropfen Wasser getankt wurde. Nachdem ich zweimal über den Platz gelaufen war, war ich komplett durchnässt.

Zum Glück brauchte ich beim Weiterflug den Überlebensanzug nicht mehr. Durch die Feuchtigkeit beschlugen die Scheiben, so dass ich froh war, wieder in der Luft zu sein. Jetzt hatte ich auch den Wind auf meiner Seite, sprich Rückenwind, den ich auf dem letzten und längsten Teilstück gerne entgegen nahm. Rund 1600 Kilometer standen noch bevor, und da der Wind sich nicht großartig änderte, war dies ohne Zwischenstopp zu schaffen. Gegen 17 Uhr Ortszeit erreichte ich Aachen.

Fliegt man diese Strecke übrigens in umgekehrter Richtung, kann man es wegen der Zeitverschiebung anstatt in fünf auch in vier Tagen schaffen - immer vorausgesetzt, dass weder das Wetter noch die Technik Probleme bereitet.