Kreis Heinsberg: Philosophieren über Umgestaltung des Bistums

Kreis Heinsberg : Philosophieren über Umgestaltung des Bistums

„Eine Gemeindeleitung in Alleinherrschaft ist schon ein Widerspruch in sich.” Diese Aussage stellte Dr. Martin Pott von der Hauptabteilung Pastoral-Schule-Bildung beim Generalvikariat Aachen ans Ende seines Vortrags bei der Sitzung vom Katholikenrats der Region Heinsberg im Gemeindezentrum St. Lambertus Hückelhoven.

„Wir alle sind groß geworden auf Professionalität und Können zu schauen, nicht aber auf den Menschen an sich”, erklärte Pott. In diesem Sinne müsse man umdenken, ansonsten sei es „unser Tod”.

Dies würden bereits die rückläufigen Zahlen in der katholischen Kirche zeigen. „Ich habe das Gefühl, dass bei uns allen dies noch nicht als eisiges Erschrecken angekommen ist”, mahnte er.

Als Grundlage seines Vortrags diente Dr. Martin Pott die Theorie von Dr. Hadwig Müller von Missio Aachen, die sich schwerpunktmäßig mit den Veränderungsprozessen in der Kirche beschäftigt und ausführlich in einem Vortrag zur „Wechselseitigen Belebung aus einer Kultur des Rufens” auf der Gemeinsamen Versammlung der diözesanen Räte 2007 in Herzogenrath Stellung bezogen hatte.

„Ich unternehme den Versuch einer Annäherung an ihr Denkmodell”, sagte Pott. Ihrem Ansatz nach sei jeder Mensch darauf angewiesen, gerufen beziehungsweise angesprochen zu werden.

Der Mensch wird als Wesen der Gemeinschaft, das in wechselseitiger Kommunikation funktioniert, betont. Den Ruf mache Dr. Hadwig Müller an Gott selbst fest. Die Berufung des Menschen durch Gott, dokumentiert durch die Taufe, befähige dazu, die Kirche mit aufzubauen.

Doch Dr. Hadwig Müller, so Dr. Martin Pott, gehe noch einen Schritt weiter, indem sie die Kultur des Rufens mit einer Kultur des Vertrauens beschreibe. „Vertrauen heißt dabei Zutrauen. So wie Gott uns vertraut, dürfen wir einander vertrauen”, erläuterte Pott. Vertrauen heiße im Ernstfall, sich einzugestehen, dass man die Kontrolle verliere beziehungsweise abgebe.

Der Wunsch, einzugreifen und zu kontrollieren, vertrage sich nicht mit einer Kultur des Vertrauens. Für die Pastoral bedeute dies, sich von einer funktionalisierenden Zugehensweise auf Menschen im kirchlichen Alltag zu lösen, um die Menschen als komplette Personen in ihrer Einzigartigkeit wahrzunehmen, sie um ihrer selbst Willen anzunehmen.

„Wir müssen schauen, was ist das für ein Mensch, statt ihn in unser Raster der Nutzbarkeit zu pressen”, betonte Pott. In der Konsequenz bedeute dies eine Verlangsamung und Abschied von einer Pastoral der Aufgabenerfüllung zu nehmen sowie auch das Risiko zu tragen, selber in Frage gestellt zu werden.

In einer Kultur der Rufens könnten alle Gemeindemitglieder rufen und gerufen werden. Dieses Aufeinanderzugehen, die Betonung der Gleichheit vor dem Aufzeigen der Differenzen, führe zu einer Vermehrung von Leben, dem Ziel der missionarischen Kirche, so Pott.

Die Grundkrise der Kirche sei es, dass „wir große Mühe haben, die Menschen zu verstehen und mit ihnen in Kontakt zu kommen”. Als Beispiel nannte Pott die Diözese Poitiers in Frankreich, wo von unten sich eine Equipe beziehungsweise Basisgruppe aus fünf Leuten in den 14 Regionen (territoires) des Bistums bildet, die sich um alles Grundlegende - angefangen von der Katechese bis hin zu den Finanzen - kümmert.

Sie wird vom Bischof bestätigt, wobei jeder Gruppe ein Priester zugewiesen wird. Insgesamt gibt es 73 dieser pastoralen Basiseinheiten (secteurs pastoreux) in der Diözese Poitiers. Da werde ernst gemacht mit der Berufung des Menschen.