Kreis Heinsberg: Pflege, Betreuung und Beratung sollen quartiersnah erfolgen

Kreis Heinsberg : Pflege, Betreuung und Beratung sollen quartiersnah erfolgen

Vor dem Hintergrund eines Antrags der SPD-Fraktion zur Erstellung eines Konzeptes für ein dezentrales Beratungsangebot berichtete Volkhard Dörr von der Stabsstelle Demografischer Wandel und Sozialplanung im Ausschuss für Gesundheit und Soziales über konzeptionelle Vorstellungen zur Neuorganisation der trägerunabhängigen Beratungs- und Vermittlungsstelle für Pflegebedürftige, von Pflegebedürftigkeit Bedrohte, Behinderte, Senioren und deren Angehörige beim Kreis Heinsberg (tuB).

Sie soll im Rahmen der kreisweit vorgesehenen Sozialraum- und Quartiersentwicklung in enger Abstimmung mit den Komunen vor Ort erfolgen.

Paradigmenwechsel in der Pflege

Dörr berichtete von einem „Paradigmenwechsel in der Pflege“. Es gelte, pflegebedürftigen Personen ein möglichst selbständiges und selbstbestimmtes Leben in der Gemeinschaft zu ermöglichen. Dadurch erfolge eine Abkehr von der bislang vorherrschenden Fokussierung auf die Strukturen der professionellen Pflege. Notwendig sei der Ausbau wohnortnaher, kleinräumiger, flexibler Pflegearrangements und die Gestaltung eines intelligenten Hilfe-Mix, die Stärkung primärer Hilfenetze und die Einbeziehung von freiwilligem Engagement sowie eine bessere Begleitung und wirksame Entlastung pflegender Angehöriger.

Ferner bedürfe es der Schaffung von Rahmenbedingungen, die ein Wohnen im Alter und die gesellschaftliche Teilhabe quartiersnah ermöglichen. Durch diesen Ansatz werde ein erhöhter Beratungsbedarf ausgelöst. Die vorgesehene Novellierung des Landespflegegesetzes und des Wohn- und Teilhabegesetzes beinhaltet laut Dörr als einen Kernpunkt die Stärkung von Beratung und Prävention. Dabei werde darauf abgezielt, im Sinne einer altengerechten Quartiersgestaltung, für eine bewusst quartiersnah bezogene und ausgerichtete Pflege-, Betreuungs- und Beratungsstruktur Sorge zu tragen.

Wenn die Trägerunabhängige Beratungsstelle wieder ihre volle Personalstärke erreicht hat, solle ihre Arbeit noch effektiver gestaltet werden, so Dörr. Dabei sei zunächst an eine turnusmäßige Präsenz der tuB-Mitarbeiter in den Gemeinde- und Stadtverwaltungen zu vereinbarten Zeiten gedacht. Zudem sollen bei konkreter Bedarfsanforderung Mitarbeiter der jeweiligen Kommunalverwaltung geschult werden.

Parallel zur angestoßenen Einführung der kreisweiten Quartiersentwicklung ist laut Dörr eine dezentrale Anordnung der Tätigkeit der Beratungsstelle in den Quartieren und Sozialräumen ein weiteres Arbeitsziel.

In diesem Zusammenhang sollen tuB-Mitarbeiter auch eine Multiplikatorenrolle wahrnehmen. Sie sollen in den Quartieren ehrenamtlich Tätige ausbilden. Dabei sollen insbesondere auch Senioren als erste Ansprechpartner von niederschwelligen Angebotsformen der Beratung eingesetzt werden. Bei der Ausgestaltung dieses niederschwelligen Beratungszuganges soll es eine klare Aufgabenabgrenzung zwischen den ehrenamtlich tätigen Lotsen und den hauptamtlich tätigen Beratern geben.

Dabei ist vorgesehen, ehrenamtliche Lotsen als natürliche Kontaktpunkte im Wohnquartier bekannt zu machen und als Brücke für den Austausch von seniorenrelevanten Informationen zu verankern. Eine professionelle Beratung, die an ein höheres Maß an Fachwissen geknüpft ist, bleibt hingegen den hauptamtlich tätigen Mitarbeitern der tuB oder einem noch näher zu definierenden Kreis von qualifizierten Pflegeberatern.

An Beratungstage und individuelle Beratungsgespräche wird gedacht.

Dabei wäre es aus Sicht von Dörr wünschenswert, wenn eine Arbeitsteilung zwischen Kreisverwaltung und Stadt- beziehungsweise Gemeindeverwaltung vereinbart werden könnte, um der Nachfrage in jedem Fall auch gerecht werden zu können.

Diese Einführungstage könnten nach seiner Ansicht unter Umständen auch als Auftaktveranstaltung für die Initiierung und Etablierung eines Runden Tisches „Pflege/Inklusion“ genutzt werden.

(disch)