Heinsberg: Pfarrer Heinrichs schreibt Buch über Kriegswirren

Heinsberg : Pfarrer Heinrichs schreibt Buch über Kriegswirren

Eine Buchvorstellung erst bei der zweiten Auflage? Auch das gibt´s. Der Grund dafür: Das Buch, in dem der Wassenberger Pfarrer Josef Heinrichs unter dem Titel „Komm gut heim” über seine Kriegserlebnisse von 1943 bis 1945 schreibt, war nach seinem ersten Erscheinen mit einer Auflage von 500 Stück schnell vergriffen. Jetzt steht es in einer überarbeiteten, zweiten Auflage wieder zur Verfügung.

Als „Zeitzeuge, die immer weniger werden”, bezeichnete Verleger und Buchhändler Reiner Gollenstede den Autor bei der Präsentation in seiner gut besetzten Buchhandlung.

„Viele Erlebnisse würden verloren gehen, wenn es nicht Enthusiasten wie Josef Heinrichs gäbe”, betonte er und würdigte dabei zugleich die Energie, die der 82-Jährige auf sein Werk verwandt habe.

„Heute vor 63 Jahren hörte das Morden auf”, stieg der gebürtige Straetener dann selbst in die Thematik ein und las Passagen aus seinem 180 Seiten starken Werk, das in 84 Kapitel unterteilt ist.

Unterstützt wurde er bei einigen Textstellen von seiner Großnichte Christine. „Eigentlich wollte ich gar nicht schreiben”, sagte er. Aber von Freunden habe er sich dann doch dazu drängen lassen.

Seine Geschichte beginnt 1943. Damals besuchte er das Gymnasium in Heinsberg und wurde zu einem Wehrvortrag in die Breberener Schule eingeladen. „Der „Führer” greift nach dem Jahrgang 1926”, ist dieses Kapitel überschrieben.

„Ich kam aus gutem Elternhaus, da können Sie sich vorstellen, wie mir zumute war”, berichtete er und zeigte seinen Zuhörern das im Buch abgedruckte Familienfoto, das seine Mutter vor seiner Abreise machen ließ und das er durch alle Kriegswirren hindurch rettete.

Eindrucksvoll beschreibt er die Fakten, etwa seine Flucht vor der Waffen-SS, für die er ausgewählt worden war, oder später seine Arbeit beim Abtransport der Leichen nach dem Bombenangriff auf seine Kaserne: „Ein Betonklotz hatte ihm den Kopf zerpresst. Ein Fuß, der noch im Schuh stak, war abgetrennt.”

Dabei erinnert er sich an ganz viele Details, die in seinen ausführlichen, immer wieder eingeschobenen Schilderungen zwischen den Zeilen bei der persönlichen Präsentation noch deutlicher wurden als im geschriebenen und vorgelesenen Wort.

Zugleich gibt er jedoch in seinem Werk auch seinen Humor zum Besten, der ihn in dieser Zeit nicht verlassen hat. So zum Beispiel bei der Beschreibung seines Holzkoffers, den ihm seine Mutter mit sehr viel Liebe gepackt hatte und der bei der Abfahrt des Zuges auf dem großen, gelben Krempenhut der Dame im Abteil landete.

Chronik der Kriegsopfer

Im Rahmen der Autorenlesung von Josef Heinrichs stellte Rainer Gollenstede den Zuhörern zudem eine Dokumentation des Heinsbergers Hans Beythen vor. In einer Broschüre im DIN-A4-Format hat er auf knapp 40 Seiten alle Gefallenen und Vermissten der ehemaligen deutschen Wehrmacht zusammengetragen, die aus Heinsberg stammen: mit ihrem Geburtsjahr und ihrer letzten Adresse sowie - soweit vorhanden - mit Informationen über ihr Sterbedatum und den Sterbeort.

Ergänzt wird diese Auflistung durch Informationen über alle Heinsberger Zivilisten, die durch Kriegseinwirkung gestorben sind und über die jüdischen Mitbürger, die von 1933 bis 1945 ihr Leben durch den Holocaust verloren haben.

Die Dokumentation „schließt eine Lücke in der Aufarbeitung der Geschichte der Stadt Heinsberg in den Jahren 1933 bis 1945”, schreibt Bürgermeister Josef Offergeld in einem Nachwort.