Hückelhoven: Perfekte Illusion von der Arbeit untertage

Hückelhoven : Perfekte Illusion von der Arbeit untertage

In der Vergangenheit war er eine Ausbildungsstätte, in Zukunft soll er eine Freizeit-Attraktion werden: der voll funktionsfähige Lehrstreb des ehemaligen Steinkohlebergwerkes Sophia-Jacoba.

Bis vor kurzem noch in der früheren Bergbau-Berufsschule untergebracht, sind Mitglieder des Fördervereins Schacht III im Moment damit beschäftigt, ihn zu „entkernen”.

Der neue Standort: selbstverständlich an Schacht III. 100 Tonnen Stahl müssen aus der nur einen Meter niedrigen und 30 Meter langen Röhre ausgebaut werden.

Franz-Josef Sonnen, der Vorsitzende des Fördervereins, ist stolz auf die Leistung seiner Mannschaft: „Wenn mir vor drei Wochen jemand gesagt hätte, wir haben das Material innerhalb von 14 Tagen ausgeräumt, dann hätte ich den für verrückt erklärt.” Ein großes Stück Arbeit ist bereits vollbracht, ein ebenso großes nehmen die ehrenamtlichen Helfer demnächst in Angriff: den Wiederaufbau für die Öffentlichkeit.

„Wir mussten viel improvisieren, da nicht immer die passenden Gerätschaften vorhanden waren”, berichtet Sonnen zum temporeichen Kraftakt. Auf einem Radlader - die Leihgabe eines ansässigen Unternehmens - konnten die beiden rund 15 Tonnen schweren Antriebe des Strebs bewegt werden.

Bei kleineren Bauteilen griffen die ehemaligen Kumpel auf einen Gabelstapler zurück. Glücklicherweise sei der Weg von der Schule zur Schachtanlage nicht sehr weit, so der Vorsitzende. Ein bisschen Phantasie braucht man schon, um sich das endgültige Erscheinungsbild des Tunnels vorzustellen.

Doch das soll sich bald ändern. Eine perfekte Illusion von den Arbeitsbedingungen untertage möchten die Mitglieder des Fördervereins erschaffen. „Wir werden den gesamten Streb abdunkeln”, informiert Sonnen. Herzstück der Anlage ist der riesige Hobel, der in das Flöz getrieben wird und die Kohle durch permanente Reibung dem Erdreich entlockt.

„Platzangst darf man da nicht haben”, betont Sonnen angesichts der niedrigen Decke, von den Kumpeln „Hangendes” getauft. Zu beiden Seiten verlaufen Förderbänder, der Panzer (Kettenförderer) und der so genannte Ausbau gehören ebenfalls zum Inventar. Nicht nur Bergleute verrichteten in den beengten Verhältnissen ihr Tagewerk, sondern auch Elektriker, Schlosser und Hydrauliker.

Zu schade wäre es gewesen, hätte man den Streb verschrottet, glaubt der Vorsitzende. Dieses Schicksal hätte der Konstruktion höchstwahrscheinlich geblüht.

Wann genau das Zeugnis der Hückelhovener Steinkohle-Ära für den Besucherverkehr geöffnet wird, steht noch nicht fest. Auch die Baugenehmigung der Stadt liegt bisher nicht vor.

Der Förderverein und sein Vorsitzender sehen jedenfalls optimistisch in die Zukunft - getreu dem Motto „Geht nicht, gibt´s nicht”.