Gangelt: Papst will Katharina Kasper heilig sprechen

Gangelt : Papst will Katharina Kasper heilig sprechen

Eine freudige Nachricht aus dem Vatikan erreichte jetzt die Katharina Kasper Via Nobis GmbH in Gangelt: Papst Franziskus hat verkündet, dass die Begründerin des Ordens der armen Dienstmägde Jesu Christi, Katharina Kasper, heilig gesprochen wird. Damit wird eine Frau geehrt, die vor knapp 150 Jahren als kleine Ordensschwester den Grundstein für eine moderne Holding gelegt hat.

1869 entsandte die Genossenschaft der Armen Dienstmägde Jesu Christi drei Ordensschwestern nach Gangelt, die sich um die ambulante Krankenpflege und um die Erziehung der weiblichen Jugend kümmern sollten. 1873 wurde die erste Kranke in das kleine Haus der Schwestern aufgenommen. Ein Jahr später erbaute die Gemeinde an der Bruchstraße ein neues Haus, da der Bedarf an qualifizierten Krankenpflegern gewachsen war.

Der obere Teil der Bruchstraße trägt nun den Namen der Gründerin der Kongregation der Armen Dienstmägde Jesu Christi Katharina Kasper.

Der Schwerpunkt lag noch auf der ambulanten Krankenpflege. Allerdings war das Haus in den 70er-Jahren schon durchschnittlich mit drei bis sechs Patienten, darunter erste „Geisteskranke“, belegt. Die eigentliche Ausrichtung auf den Bereich der geistigen Krankheiten erfolgte 1893. In den folgenden Jahren wurde das Krankenhaus ständig vergrößert.

Hier geht es entlang: Das Schild vor dem Hauptportal zur Via Nobis GmbH weist schon auf die Größe der Einrichtung hin.

Heute ist das ehemals kleine Kloster „Maria Hilf“ ein anerkannter Träger zahlreicher Angebote in der Behinderten- und Jugendhilfe, eines Ambulanten Pflegedienstes, einer Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, einer Psychiatrischen Institutsambulanz, mehrerer Tageskliniken, Seniorenheime und Kindertagesstätten mit Hauptsitz in Gangelt und mit Einrichtungen am ganzen linken Niederrhein vertreten.

Wer sich nicht nur sehr über die bevorstehende Heiligsprechung von Katharina Kasper freut, sondern sich auch mit dem Leben und Wirken der Ordensgründerin Katharina Kasper beschäftigt hat, ist Diakon Thomas Hoff, Seelsorger und Ordensvertreter der Katharina Kasper Via Nobis Gmbh in Gangelt: „Die 1820 im Westerwald geborene Katharina Kasper kam aus ärmlichen Verhältnissen.

Sie hatte den Wahlspruch: Lass uns das Problem anpacken. Und wenn es dann funktioniert hat, was sie sich vorgenommen hat, hat sie Gott dafür gedankt. Für sie stand zunächst das Handeln und nicht das Beten im Vordergrund“, sagt Hoff. In Dernbach im Westerwald gründete Katharina Kasper den „Frommen religiösen Hilfsverein“, der sich ständig weiterentwickelte und als Orden der Armen Dienstmägde Jesu Christi anerkannt wurde. Dieser Orden reagierte — so Thomas Hoff — auf Hilferufe aus der Landbevölkerung.

Auch die Gangelter fragten bei Katharina Kasper an, ob sie nicht helfen könne. Die dann im Jahre 1869 nach Gangelt entsandten drei Schwestern übernahmen nicht nur die ambulante Krankenpflege vor Ort, in ihrem kleinen Kloster etablierten sie eine Nähschule, versorgten notleidende Kinder und unterrichteten sie.

Mindestens fünf Mal war die Frau, die von Papst Franziskus heilig gesprochen wird, selbst in Gangelt. „Diese Frau war ständig unterwegs. Ihre Wege und Reisen kann man durch die Vielzahl der Briefe belegen, die sie unterwegs geschrieben hat.“ Das Gangelter Kloster entwickelte sich im Laufe der Jahre immer weiter, wurde ständig vergrößert.

„Wir weisen niemanden ab“

Vor 30 Jahren waren es fast 80 Ordensschwestern, die neben den weltlichen Mitarbeitern tatkräftig mit anpackten. Waren es 1869 drei Schwestern, die den Grundstein für die Gangelter Einrichtung legten, so sind es neben Thomas Hoff auch heute wieder nur drei Schwestern, die den Orden in Gangelt vertreten.

Viele langjährige Mitarbeiter der Via Nobis kennen sicherlich noch Schwester Charlotte, die vor Jahren lange Zeit Pflegedienstleiterin war. Eine Ordensschwester ist Heilerziehungspflegerin, die dritte im hauswirtschaftlichen Dienst. Letzte Oberin war Schwester Patricia, im Jahr 2014 übernahm dann Thomas Hoff die Vertretung des Ordens in Gangelt.

Heute gehören der Dernbacher Gruppe 6300 weltliche Mitarbeiter als „verlängerter Arm des Ordens“, an, wie Hoff es ausdrückt. Was früher ein Orden war, ist heute eine moderne Holding mit mehr als 20 Gesellschaften und Beteiligungen. Die Katharia Kasper Via Nobis GmbH Gangelt ist eine Tochtergesellschaft mit 1800 Mitarbeitern, davon 1100 im Kreis Heinsberg. „Wir fahren weiter auf Expansionskurs“, blickt der Diakon in die Zukunft. „Aber nicht Gewinn ist die Triebfeder unseres Handelns. Die Motivation ist der Auftrag, der auf Katharina Kasper zurückgeht.Wirtschaftlichkeit ist aber ein unabdingbares Vehikel, um das Ziel zu erreichen“, sagt Hoff.

Und weiter: „Auch wenn wir christlich sind, müssen wir wirtschaftlich unterwegs sein. Da sind leider auch unpopuläre Entscheidungen notwendig.“ Und dennoch: Auch wenn die Via Nobis GmbH wirtschaftlich unterwegs ist, hat sie laut Hoff stets den Handlungsauftrag von Katharina Kasper in ihrem Leitbild vor Augen, nämlich „die bedingungslose Zuwendung zum uns anvertrauten Nebenmenschen“. Hoff: „Wir weisen niemanden ab, der unserer Hilfe bedarf. Wo Katharina Kasper drauf steht, muss auch Katharina Kasper drin sein. Ihre Haltung muss immer präsent sein und auch heute noch umgesetzt werden.“

550 Dernbacher Schwestern

550 Dernbacher Schwestern sind heute noch weltweit im Einsatz: in Deutschland, den Niederlanden, USA, Mexiko, Brasilien, Kenia, Nigeria und Indien. In den 1930er-Jahren waren es 4300 Schwestern in 340 Niederlassungen in der ganzen Welt.

Bereits im Jahr 1978 wurde Katharina Kasper von Papst Paul VI. selig gesprochen. „Ich freue mich, dass die Vorbildfunktion von Katharina Kasper diese Würdigung erhält“, sagt Hoff. Zur Heiligsprechung im Rahmen einer liturgischen Feier und zum Eintrag von Katharina Kasper ins Verzeichnis der Heiligen in Rom wird Thomas Hoff mit einer Abordnung der Via Nobis GmbH fahren. Hoff freut sich, dass diese Würdigung passend zum 150-jährigen Bestehen der Gangelter Einrichtung im nächsten Jahr erfolgt. Er weiß aber auch, dass es bis zur Entscheidung des Papstes ein langer Weg war.

Kirchenanwalt sucht Argumente

Schon im Jahr 2012 äußerte die Ordensgemeinschaft den Wunsch, Katharina Kasper in die Liste der Heiligen einzutragen. Nach einem Antrag auf Heiligsprechung werden alle Informationen über die betreffende Person zusammengetragen.

Die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechung prüft die Unterlagen und stellt fest, ob die Person bedeutend genug für eine Heiligsprechung ist. Ein Kirchenanwalt muss die Argumente für die Heiligsprechung anfechten, die Fürsprecher müssen ihn widerlegen. Stimmen mehr als zwei Drittel der versammelten Theologen für die Heiligsprechung, liegt die Entscheidung beim Papst. Im Falle Katharina Kasper hat er nun seine Zustimmung gegeben.