Waldfeucht-Bocket: Opas Radio gewinnt neuen Charme

Waldfeucht-Bocket : Opas Radio gewinnt neuen Charme

Dicht an dicht stehen die alten Radios auf den Regalen unter dem Dach des Hauses Kirchstraße 57 in Bocket. 350 Geräte von den 20er bis in die 70er Jahre hat der Hausherr Hans Stellmacher versammelt. Inzwischen kann er auf das zehnjährige Bestehen seines kleinen, aber feinen privaten Loewe-Opta-Radiomuseums zurückblicken.

Beim Betreten des ausgebauten Dachgeschosses taucht der Besucher in eine andere Welt ein, in die heute etwas betulich, aber auch reizvoll wirkende Zeit der 50er Jahre. Nicht nur die meisten Rundfunkgeräte, auch die Möbel mitsamt den charakteristischen Tütenlampen stammen aus jener Epoche, in der ein Fernseher im Haus noch keine Selbstverständlichkeit war. Damals scharten sich die Älteren abends ums Radio, um das „Echo des Tages” und anschließend die Nachrichten im NWDR zu hören.

Die Geräte hatten anfangs ein Gehäuse aus Bakelit (Kunstharz), später aus massivem Holz. Typisch sind Stoffbespannung, Drehknöpfe und Klaviaturtasten. Das grüne magische Auge und die aus dem Hintergrund beleuchtete Sender-skala verbreiten im Dunkeln ein geheimnisvolles Licht.

50 Jahre später, im Zeitalter der heutigen glitzernden Digitaltechnik, hat Opas Radio plötzlich wieder einen neuen Charme gewonnen. „Die Geräte lassen sich sehr gut mit modernen Möbeln kombinieren”, hat nicht nur „Museumsdirektor” Stellmacher herausgefunden.

Einmalig ist auch der warme, volle Klang der Röhren-Radios, den moderne Nachbauten (als „Nostalgie-Radios” mit Transistortechnik) niemals erreichen. „Das ist noch Musik”, sagen ältere Museumsbesucher, wenn ein Röhren-Radio eingeschaltet wird und sein leistungsstarker Lautsprecher den Raum füllt.

1992/93 hat Hans Stellmacher mit dem Sammeln angefangen, 1997 entstand des Museum. Auf Geräte Marke Loewe Opta hat er sich konzentriert, weil er zunächst besonders viele davon auftreiben konnte und er sich bei den zahllosen Marken und Modellen nicht verzetteln wollte.

Die Röhren-Radios wurden ab Anfang/Mitte der 50er Jahre, als der Wohlstand langsam wuchs, in großen Stückzahlen gefertigt. Sehr schön ist an 38 unterschiedlichen Geräten der Werdegang eines bestimmten Typs („Bella”) zwischen 1955 und 1968 nachzuvollziehen. Neben den eher bescheidenen „Bella”-Radios besticht das Luxusmodell von Lowe Opta, „Hellas”, durch seine Technik und Ausmaße. Das Spitzengerät kostete um die 500 D-Mark, seinerzeit viel Geld. Noch aufwendiger sind die Musiktruhen (Radio kombiniert mit Plattenspieler), die damals in Mode kamen.

Manche Kuriosität findet sich in der Sammlung, etwa „Der Hausfreund”, ein Uhrenradio von 1951 aus weißlackiertem Bakelit. Unförmig groß waren die ersten Tonbandgeräte - kaum vorstellbar, wie Rundfunk-Reporter damit hantierten. Ein ebenfalls vorhandenes Schulfunkgerät beschallte früher vom Lehrerzimmer aus über Lautsprecher die Klassen. Den zeitlichen Endpunkt der Ausstellung bilden die flach-rechteckigen Geräte des so genannten nordischen Formats aus Holz oder Metall der 60er und 70er Jahre.

„Bis 1968 wurde noch Röhrentechnik verwendet”, informiert Hans Stellmacher, der auch mit etlichen Geräten aus der Frühzeit des Radios, den 20er Jahren, aufwarten kann. Bemerkenswert ist ebenfalls sein noch voll funktionsfähiges Arbeits- und Messpult aus den 30er Jahren in der Museums-Werkstatt. Es stammt von der Firma Heinrichs in Heinsberg.

Das private Loewe-Opta-RadioMuseum kann nach Anmeldung kostenlos besichtigt werden, Tel. 02455/636 oder 9309933. Informationen gibt es im Internet.