Ohne die Zivis wird es eng

Ohne die Zivis wird es eng

Kreis Heinsberg. Sie betreuen Senioren und füttern kranke Menschen; sie sind im Rettungsdienst tätig, fahren Menschen im Rollstuhl zur Arbeit und betreuen behinderte Kinder in den Ferien: „Zivis leisten wertvolle Arbeit und bringen Frische in den Alltag.

Wir empfinden sie als eine Bereicherung”, sagt Edgar Johnen. Für den Geschäftsführer der Lebenshilfe für Behinderte im Kreis Heinsberg sind seine 64 Zivis einfach unersetzbar.

Würde der Zivildienst von zehn auf neun Monate gekürzt oder vielleicht sogar völlig abgeschafft, „würde das eine Lücke reißen, die sich nicht so einfach wieder schließen lässt”, sagt Johnen.

„Wenn wir auf den Personalstand reduziert werden, der vom Kostenträger vorgeschrieben ist, werden wir viele Dinge, die über das normale Betreuungsangebot hinausgehen, nicht mehr anbieten können.” Für die behinderten Menschen, die in den Kindertagesstätten, Wohnheimen und Werkstätten der Lebenshilfe Hilfe finden, bedeutet das Einbußen in ihrer Lebensqualität.

Schwimmausflüge, ja vielleicht sogar Ferienfahrten müssten aufgrund des fehlenden Personals gekappt werden. Doch auch im Alltag würden die Zivis fehlen: „In der Kantine werden die Menschen liebevoll von den Zivis gefüttert. Müsste eine Fachkraft diese Arbeit übernehmen, würde sie in anderen Bereichen fehlen.”

Um den Verlust aufzufangen, setzt Johnen auf den Freiwilligendienst. Schon jetzt absolvieren bei der Lebenshilfe sechs Menschen ein Freiwilliges Soziales Jahr. Schließlich ginge es nicht nur darum, dass die Arbeit erledigt werde, sondern auch darum, dass junge Menschen mit neuen Erfahrungen konfrontiert werden.

Dennoch bezweifelt Johnen, dass die Masse den Freiwilligendienst antreten würde. „Jugendliche werden ja heute darauf getrimmt, so schnell wie möglich ihre Ausbildung zu beenden.”

Auch der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes in Heinsberg befürwortet die Einführung eines Freiwilligendienstes. Geschäftsführer Karl-Heinz Dobrowolski hofft, dass dann auch mehr Mädchen beim DRK tätig werden können. Zurzeit sind rund 40 Zivis im Fahrdienst für Behinderte und beim Rettungsdienst beschäftigt.

Dobrowolski: „Vor allem im Rettungsdienst würde uns eine Kürzung des Zivildienstes sehr hart treffen. Es ist jetzt schon eng. Schließlich müssen die Leute erst einmal ausgebildet, bevor sie zum Einsatz kommen werden. Und das lohnt sich bei neun Monaten kaum noch.”

Im Heinsberger AWO-Altenzentrum blickt Einrichtungsleiter Heinz-Wilhelm Schmitz ebenfalls mit Sorge auf die Diskussion rund um den Zivildienst. „Viele junge Männer sind durch den Zivildienst überhaupt erst in den Beruf des Altenpflegers eingestiegen”, sagt Schmitz.

Und nicht nur das wird fehlen. „Denn ohne die Zivis ist keiner mehr da, der mit unseren Bewohnern einkaufen geht oder ihnen mal etwas vorliest.”