Selfkant-Großwehrhagen: Nur fairer Preis für Milch kann Existenz sichern

Selfkant-Großwehrhagen : Nur fairer Preis für Milch kann Existenz sichern

Für Hans-Josef Janßen ist es eine Milchmädchenrechnung mit bitterem Beigeschmack: Während die Produktionskosten für das Lebensmittel aus dem Kuheuter in den vergangenen 20 Jahren kontinuierlich gestiegen sind, fielen im gleichen Zeitraum die Verbraucher- wie die Erzeugerpreise in den Keller.

1989 erzielte er 35 Cent pro Liter, im vergangenen Jahr nur noch 27,2 Cent.

Von den jüngsten Preiserhöhungen im Handel wiederum kommt bei dem Landwirt aus dem Selfkant und seinen Kollegen nach eigenen Angaben so gut wie nichts an. „Die Milchproduktion ist unser Hauptstandbein”, sagt Janßen. „Von Einkommensquelle kann man im Moment ja nicht sprechen”, ergänzt seine Frau Sigrid.

1998 hat das Ehepaar den Hof um einen Stall erweitert und in Milchlieferrechte - die so genannten Quoten - investiert. Auch eine vollautomatische Melkanlage musste her, um dem technischen Standard genüge zu tun.

Heute erscheinen die Zeiten alles andere als rosig. „Ich habe Angst, dass wir als Erzeuger in diesem Haifischbecken nicht überleben können”, fürchtet der 40-jährige Familienvater mit Blick auf die kaum noch vorhandene Gewinnmarge. „So geht es nicht weiter!” 110 Milchkühe hält Janßen. Und deren Appetit verlangt nach Futtermitteln, die immer teurer werden. Außerdem benötigt er Kraftstoff und Strom, bei denen die Preisschraube ebenfalls kräftig angezogen wird.

Zwei Drittel der rund 300 Milcherzeuger im Kreis Heinsberg könnten im Moment nicht mehr rentabel wirtschaften, beklagt der Fachmann. Janßen fordert: „Ich soll ein vernünftiges Lebensmittel herstellen, und dafür hätte ich gerne auch einen vernünftigen Erlös.”

Der Profit bleibe größtenteils bei den Molkereien und vor allem dem Einzelhandel, der die Preise diktiere, hängen. „Eigentlich müsste es einen Mindestmilchpreis für Erzeuger geben.” 40 Cent pro Liter hält der Agrarfachmann für einen angemessenen Betrag.