Städteregion: NRW-Zentrum für Talentförderung: Berufskollegs kooperieren

Städteregion : NRW-Zentrum für Talentförderung: Berufskollegs kooperieren

Der Bildungsweg vieler junger Menschen in Deutschland ist bereits vorgezeichnet, bevor sie überhaupt den ersten Schritt darauf getan haben. Häufig entscheidet die Herkunft, das Wohnviertel oder der Nachname über den künftigen Werdegang — und eben nicht die Talente.

2011 hat der Talentscout Suat Yilmaz deshalb in Gelsenkirchen ein Modellprojekt ins Leben gerufen, das jetzt auch in Aachen angekommen ist: Alle Berufskollegs der Städteregion haben am Donnerstag Kooperationsverträge mit dem NRW-Zentrum für Talentförderung abgeschlossen.

Zu der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen sind mittlerweile 16 weitere Hochschulen im ganzen Bundesland hinzugekommen, auch die Fachhochschule (FH) Aachen und die RWTH gehören dazu. Für die Talentförderung in der Region, so betonte Yilmaz, sei es sehr wichtig, zwei so renommierte Namen mit an Bord zu wissen.

Denn sein Ziel und das seiner inzwischen knapp 60 Kollegen ist nicht die Anwerbung von Studenten für die Hochschulen, sondern die jahrelange Begleitung durch den mitunter dichten Dschungel der hiesigen Bildungslandschaft. Und dieser Weg, betonte er, müsse nicht unbedingt in ein Studium münden, sondern könne durchaus auch in eine Berufsausbildung führen.

Vor allem Kinder, deren Eltern selbst nicht studiert hätten und die aus ärmeren Verhältnissen kommen, brauchen so eine Begleitung, sagte Yilmaz. Die Talentscouts bieten jene Unterstützung, die Eltern aus bildungsfernen Schichten normalerweise eben nicht leisten können.

Sie nutzen persönliche Netzwerke, beraten in Finanzierungsfragen und fördern nicht zuletzt die habituelle Entwicklung, um in diesem gesellschaftlichen Umfeld Erfolg zu haben. „Die Chancen im Bildungssystem sind auch eine Frage von Armut. Dass die soziale Herkunft — manchmal lässt sich das sogar auf die Postleitzahl genau bestimmen — über die Zukunft entscheidet, verstößt gegen alle Gesetze dieses Landes“, sagte er.

Er hat klein angefangen, doch inzwischen ist Yilmaz stellvertretender Leiter des nordrhein-westfälischen Talentförderungszentrums, bei dem mittlerweile rund 60 solcher Talentscouts arbeiten. Und die mittlerweile mehr als 9000 geförderten jungen Talente haben letztlich auch die Landesregierung überzeugt. Sie stockte die Förderung von 22 Millionen im vorangegangenen Finanzierungszeitraum auf 33 Millionen bis 2020 auf — und andere Bundesländer hätten längst ebenfalls Interesse bekundet, so Yilmaz.

Mit den 24 unterzeichneten Kooperationsverträgen wurde nun der Boden bereitet, dass auch in der Region Talente besser und unabhängiger vom sozialen Hintergrund gefördert werden können. „Wenn die Schulen uns die Türen nicht öffnen, hilft das alles natürlich nichts — aber erfreulicherweise tun sie das“, sagte die RWTH-Rektoratsbeauftragte Carmen Leicht-Scholten. Auch Martina Klocke von der FH betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit. Dass Schulen und Hochschulen kooperierten, sei in diesem Land nicht typisch und viele junge Menschen würden beim Übergang ins Studium ins kalte Wasser geworfen.