Städteregion: Notfallhelfer: App-basiertes System soll eingeführt werden

Städteregion : Notfallhelfer: App-basiertes System soll eingeführt werden

Was passiert, wenn alle wollen, aber manche nicht können, das wurde jetzt im städteregionalen Ausschuss für Rettungswesen und Bevölkerungsschutz eindrucksvoll demonstriert. Denn obwohl sich die Mitglieder binnen weniger Sekunden darauf verständigt hatten, dass in der Städteregion ein Notfallhelfersystem aufgebaut werden soll, dauerte die Diskussion zu diesem Thema beinahe eine Stunde.

Dabei ging es um die Frage, ob schon zum jetzigen Zeitpunkt Gelder für den Haushalt 2018 eingeplant werden sollen, obwohl die Entscheidung über die erforderliche Technik und die geeignete App erst in einigen Monaten getroffen werden kann.

Marlies Cremer warb sehr eindringlich für eine solch frühe Entscheidung, „damit wir dann im nächsten Jahr noch etwas Verbindliches auf den Weg bringen können“. Die in Frage kommenden Systeme, so die Leiterin des Amtes für Rettungswesen, seien in ihrer Anschaffung und in ihrem Betrieb mit vergleichbaren Kosten verbunden. „Wir haben uns aber noch nicht endgültig positioniert, weil es noch einige Punkte zu klären gibt.“

Forschungsprojekt in Dortmund

Beispielsweise hinsichtlich des Datenschutzes, der bei der Aktivierung von Notfallhelfern und auch bei der Übermittlung von Einsatzstellen und Informationen über Patienten gewährleistet werden muss. Vor allem aber will die Verwaltung die Ergebnisse eines Forschungs- und Pilotprojektes abwarten, das die Feuerwehr Dortmund derzeit in Zusammenarbeit mit der Hochschule Ruhr West und der Universität Duisburg-Essen sowie mit finanzieller Unterstützung des Bundesministerium für Bildung und Forschung betreibt. Bis zum Ende des Jahres hofft Marlies Cremer auf eine abschließende Bewertung, die dann auch wesentlichen Einfluss auf das weitere Vorgehen der Städteregion haben könnte.

Grund genug für die SPD, zum derzeitigen Zeitpunkt noch keine Entscheidung über Finanzmittel zu treffen, befand Sprecherin Heike Wolf, die von ihrer Fraktion den Auftrag erhalten hatte, eine Vertagung zu beantragen. Weil aber CDU, Grüne und FDP gleichermaßen auf eine Weichenstellung pochten, entbrannte eine lebhafte Diskussion darüber, was denn nun zu tun sei.

Besonders deutlich wurde Marc Peters von den Grünen, der sich angesichts des Vorschlages, die Entscheidung dem Städteregionsausschuss zu überlassen, ereiferte: „Wir sind hier der zuständige Fachausschuss, der zu entscheiden hat. Aber die SPD versucht das in letzter Zeit immer häufiger zu untergraben.“ Natürlich wies Heike Wolf derartige Vorwürfe zurück.

Und weil das nicht die einzige Unstimmigkeit im Kreise der Ausschussmitglieder blieb, stimmten diese am Ende trotz der SPD-Bitte schließlich ab. So wurde — bei Enthaltung der Sozialdemokraten — beschlossen, dass für die Einführung eines Notfallhelfersystems 45.000 Euro sowie für dessen Betrieb nochmals 10.000 Euro im nächsten Jahr zur Verfügung stehen sollen. Das letzte Wort hat der Städteregionstag, der den Haushalt 2018 aller Voraussicht nach am 14. Dezember verabschieden wird.

Keine neuen Erkenntnisse ergaben sich derweil während der Ausschusssitzung zur Sache selbst. So bleibt es vorerst bei dem noch recht vagen Plan, dass dank der Einführung eines über eine App gesteuerten Systems zukünftig Notfallretter, die sich in der Nähe eines Einsatzortes befinden, alarmiert werden können. Dies soll eine fachkundige Erstversorgung schon vor dem Eintreffen der öffentlichen Rettungsdienstes ermöglichen und somit die versorgungsfreie Zeit eines akut bedrohten Patienten verkürzen.

Priorität werden nach Angaben des zuständigen Dezernenten Gregor Jansen zunächst „einige Ortslagen der Gemeinde Simmerath im Rurtal“ haben. Denn dort hätten es die Rettungskräfte aufgrund der topografischen Gegebenheiten — weite Fahrwege, starke Gefällstrecken und viele (enge) Kurven — besonders schwer, den Patienten schnell zu erreichen. In einem zweiten Schritt könnte das Notfallretter-System dann auf die komplette Städteregion ausgeweitet werden.

Anforderungsprofil

Das setzt natürlich voraus, dass sich genügend potenzielle Notfallhelfer finden werden. Diese müssen neben einem Mindestalter von 17 Jahren und einem guten gesundheitlichen Zustand auch eine 50 Unterrichtseinheiten sowie eine Abschlussprüfung umfassende Ausbildung zum Notfallhelfer vorweisen können und zudem regelmäßig an Fortbildungen teilnehmen.

Am 12. Oktober steht das Thema erneut auf der Tagesordnung. Dann wird sich der Städteregionsausschuss mit der Empfehlung des Fachausschusses beschäftigen. Gut möglich, dass sie sich bis dahin auch bei der SPD auf eine Zustimmung verständigt haben werden. Und dann letztlich doch alle das können, was sie nach eigenem Bekunden wollen: die Basis für die Einführung eines Notfallretter-Systems schaffen.