Heinsberg: „Nonnevotte” mit Puderzucker ein närrischer Genuss

Heinsberg : „Nonnevotte” mit Puderzucker ein närrischer Genuss

Keine Festlichkeit hat in den letzten Jahrzehnten so an volkstümlicher Bedeutung gewonnen wie der rheinische Karneval. Wer heute „Karneval” sagt, denkt an prachtvolle Prinzenkostüme, an Elferräte und Tanzgarden, an Galasitzungen, Rosenmontagszüge und Kostümbälle.

Dabei wusste man hierzulande bis um 1900 mit dem Wort Karneval kaum etwas anzufangen. „Fastelabend” sagte man am Niederrhein, und „Fastelovend” nannte man im Heinsberger Land die lustigen Tage der Ausgelassenheit, die mit dem „fetten Donnerstag” begannen und in der Nacht zum Aschermittwoch endeten. Die „fünfte Jahreszeit” war noch nicht erfunden.

Der Karneval, so wie er sich heute selbst in den entlegenen Dörfern präsentiert, ist abgeleitet vom Kölner Sitzungskarneval, der hier, soweit es die Kleinstädte betrifft, zu Beginn des 20. Jahrhunderts seinen Einzug hielt.

Daneben hielten sich hier, vor allem auf dem Lande, bis zum Zweiten Weltkrieg auch die althergebrachten Formen des Volkskarnevals, diesen zu vertreten sich heute fast alle etablierten Karnevalsgesellschaften rühmen. Deren Vorstellungen aber sind meistens recht weit entfernt vom dem früher üblichen Treiben der Jecken auf Straßen und öffentlichen Plätzen.

Der Donnerstag gehörte früher vornehmlich der Jugend, die sich an diesem Tag, das Gesicht von einer Gardine oder selbst gemachten Papiermaske bedeckt, in Lumpen und geflickte oder umgedrehte Kleidungsstücke hüllte.

Damit erwarb sie das Recht, Straßenpassanten zu verulken und zu belästigen. Zum „Fastelovendsjeck” brauchte es dazu noch mit Stroh ausgestopfte „Klompe”.

„Fastelovend es Bestovend” (Fastelabend ist Bestabend), heißt es in einem alten einheimischen Karnevalslied. Gemeint sind damit die Tage vor der großen Fastenzeit, an denen sozusagen auf Vorrat gegessen und getrunken wurde. Doch die Essensfreude wäre zu kurz gekommen ohne das in Schweineschmalz und Rüböl gebackene und mit Zucker bestreute traditionelle Fastnachtsgebäck.

Samstags Backtag

Am Samstag war, wenigstens auf den Dörfern, der große Backtag. Dann brutzelten über dem Herdfeuer in dem mit heißem Öl und geschmolzenem Schweineschmalz gefüllten Eisenkessel die goldbraunen, knusprigen „Krüepelsvotte”, „Nonnevotte”, „Muzen”, „Vüerstöllkes” und „Verkierde”, die, mit weißem Puderzucker bestreut, auch im kalten Zustand noch hervorragend schmeckten. Reichte der Vorrat nicht, so wurde der Vorgang wiederholt.

Der verstorbene Heimatforscher Wilhelm Bodens aus Breberen erzählte die ergötzliche Geschichte, dass sie als Kinder von Mutter und Taufpatin angehalten wurden, nur von „Verkierde” zu sprechen und das anzügliche Wort „Nonnevotte” zu meiden.

Noch bis in die Zeit vor dem letzten Weltkrieg hatte sich bei uns die Sitte des „Vuujagens” erhalten, das Einsammeln von Lebensmitteln, Eiern, Speck und Wurst. Diese Sitte, den „foyen te eyschen en by te jagen”, war eine Angelegenheit der Kinder, armen Leute und Bettler und findet bereits 1656 am Niederrhein Erwähnung. Mannigfaltig waren die dabei gesungenen Heischelieder und ebenso mannigfaltig auch die dabei gebräuchlichen Lärminstrumente.

Originellstes Lärminstrument war damals das „Rubbelsdöppe”, auch „Rommelspott” genannt. Das war ein mit einer getrockneten Schweinsblase bespannter Tontopf „Döppe”. Diese erhielt in der Mitte ein Loch, durch das ein Strohhalm gesteckt wurde. Durch Auf- und Abbewegen desselben entlockte man dem „Rubbelsdöppe” einen dem Schweinegrunzen ähnelnden Ton.