Städteregion: Nina Mika-Helfmeier ist überzeugend für Künstler und Manager

Städteregion : Nina Mika-Helfmeier ist überzeugend für Künstler und Manager

Warner Poland erinnert sich an einen regnerischen Nachmittag im Herbst 2011. Für den Musiker der Nina Hagen Band deutet sich Routine an. Die Berliner Punk-Lady ist einen Tag vor dem Auftritt in der Aachener Kirche St. Paul noch nicht in der Stadt, ihre Band schon.

Es ist der Tag, an dem er zum ersten Mal Nina Mika-Helfmeier begegnet, Leiterin der Stabsstelle für Kultur der Städteregion und Organisatorin des Kulturfestivals der Kommunenverbundes. „Wenn Nina Hagen nicht dabei ist, bleiben Zusammentreffen von Musikern und Veranstaltern oft freundlich-pragmatisch“, erzählt Poland. „Nicht so an diesem Nachmittag, nicht so mit NM-H!“

Die Musiker-Erinnerung an den Herbstnachmittag in Aachen geht so weiter: „Nach einem herzlichen Empfang überzeugte uns diese energetische, enthusiastische und engagierte Frau davon, bei einer gemeinsamen Weinprobe über Gott und die Welt, Musik, aber vor allem über Kultur und Kunst in der Region sprechen.“ Eine persönliche Note scheint in Mika-Helfmeiers Arbeit durch, geprägt durch ein Rundum-Engagement, das Poland so beschreibt: „Presse, Catering, Betreuung, Poster kleben, Stühle stellen — so habe ich sie erlebt. Das ist Passion und Professionalität. Ihre Herzlichkeit war so selbstverständlich, dass wir das Gefühl hatten, vor Freunden aufzutreten. Das Konzert war ein Erfolg.“

Mit einem Mini-Team

Das Gastspiel der Punk-Ikone Hagen ist nur einer von vielen großen und kleinen Coups, die „NM-H“ mit ihrem Mini-Team in den vergangenen Jahren stellvertretend für die Städteregion landen konnte. Ärzte-Schlagzeuger Bela B. gehörte dazu, ebenso Tocotronic, die Helden des Hamburger-Schule-Sounds. Aber auch Fotografie-Ikonen wie Anton Corbijn oder Jim Rakete lotste die Kulturbeauftragte in die Region, exakt in das kleine Monschauer Kulturzentrum KuK. In diesem Jahr holt sie mit Einstürzende Neubauten eine Legende der Experimentalmusik in den Zinkhütter Hof in Stolberg.

„Neben der Konzertreihe wollen wir auch die hiesige Kulturlandschaft stärken, Horizonte eröffnen“, sagt Nina Mika-Helfmeier und verweist auf das Coaching-Angebot „Signal X“, bei der internationale Profimusiker lokalen Künstlern Starthilfe geben. Zum Angebot gehört ebenfalls das Schulprojekt „Kulturrucksack“, auch hier nutzt die Kulturbeauftragte ihren Draht in die Musikwelt, um hochklassige Dozenten zu gewinnen.

Sei es aus Idealismus oder aus der finanziellen Improvisationsnot geboren: Bei ihrer Arbeit mit zum Teil weltgereisten Künstlern scheint sich Nina Mika-Helfmeier allerdings etwas von dem bewahrt zu haben, was bis heute für Konzertveranstalter im kleinen Jugendzentrum zum Geschäft gehört: nah an den Künstlern zu sein, sie auch mal zu beherbergen und zu bekochen. Zuletzt war etwa US-Fotograf Roger Ballen im Rahmen der Eröffnung seiner Ausstellung in Monschau zu Gast — und blieb gleich ein paar Tage im Hause Mika-Helfmeier.

Beim Blick auf die Agenda des Festivals 2014 offenbart sich dem kulturaffinen Städteregionsbewohner nicht zum ersten Mal maximal abwechslungsreiche Auswahl an Protagonisten, die zwischen Baesweiler und Simmerath gastieren. In einer Region, die — abgesehen von Klassik-orientierten Events — in Sachen Großveranstaltungen nicht unbedingt für künstlerischen Tiefgang bekannt ist.

Freiheit bei der Planung

Kern ihrer Arbeit, sagt Nina Mika-Helmeier, sei ihre Freiheit in Sachen Planung: „Mein Chef gibt mir den Raum und das Vertrauen, diese Festivalreihe nach meinen Vorstellungen gestalten zu können.“ Bei Städteregionsrat Helmut Etschenberg müsse sie zwar „das Programm vorstellen, manchmal auch rechtfertigen, aber bisher habe ich immer den Zugang gefunden.“ So lässt Etschenberg ihr die Luft für mitunter abenteuerliche, aber immer spannende Bands und Künstler, die nicht selten auf Weltgeltung verweisen können.

Immer wieder tönen Mika-Helfmeier aber auch Unkenrufen à la „zu gewagt, zu abgedreht“ entgegen. Einige Buchungen ecken an, lefern Stoff für regionale Kontroversen. Ihnen kann die Macherin aber die blanken Publikumszahlen entgegensetzen. 22.000 Zuschauer kamen im Jahr 2012 zu den Konzerten, ein Jahr später sogar 25.000. Die Ausstellungen im KuK lockten 2012 insgesamt 36.000 Besucher nach Monschau, 2013 waren es 31.000. In diesem Jahr waren es die teils verstörenden Fotografien von Roger Ballen, die ob ihrer drastischen Motive manches Gemüt in Wallung brachten — aber gleichzeitig ein kulturelle Glanzlicht am Horizont der Region aufgehen lassen. In Zeiten, in denen Veranstaltungen wie der Schlagersause „Aachen Olé“ die Massen elektrisiert, Traditionsevents wie das „Frankenberger Open Air“ das Zeitliche gesegnet haben oder das Aachener September Special zumindest einmalig wegen der Karlsausstellungen eingedampft werden muss, sind die Konzerte des „Kulturfestival X“ wertvolle Liebesgaben für Musikfans, die auch musikalische Überraschungen offen sind. „Im Kennedypark steht eine Bühne, die man sicher noch öfter bespielen könnte“, hat die Kulturchefin des „Altkreises“ einen vorsichtigen Tipp für die Stadt Aachen parat.

Zur Freiheit gehört für Nina Mika-Helfmeier auch die Absage an Trends oder Chartbewegungen. Viel lieber lässt sie Herz und Händchen sprechen — und nutzt dabei nicht zuletzt gewachsene Netzwerke und den guten Draht der Künstlerschar untereinander. „Seien wir ehrlich — niemand kommt wegen der riesigen Gagen zu uns. Auch nicht wegen einer besonders schillernden Kulturszene — die ist eher überschaubar, dafür ganz spannend. Aber Musiker sprechen nun mal miteinander, wenn sie sich irgendwo treffen — und dann erzählt man sich anscheinend, dass es sich lohnt, bei unserem Festival dabei zu sein“.

Krönender Abschluss

Das sehen offenbar auch die global anerkannten Pioniere der Experimentalmusik so. Mit dem nachträglich arrangierten Auftritt der notorischen Kultband Einstürzende Neubauten erlebt die 2014er Auflage ihren krönenden Abschluss später als sonst — am 9. November. Und die Sache mit Hagen, Corbijn, Tocotronic und Co.? „Es ist immer wieder eine Herausforderung, internationale Acts und Künstler von unserer Region zu überzeugen. Und wenn nicht die Künstler selbst, dann gilt es, deren Management zu begeistern“, sagt Nina Mika-Helfmeier.

Einer, der als Manager, der den einen oder anderen Protagonisten zum Kulturfestival begleitet hat, sieht zwei Eckpfeiler, die das Kulturfestival tragen: „Das hat zum einen mit der hohen Qualität des gesamten Programms zu tun. Das Kulturfestival X der Städteregion hat sich über die Jahre auch überregional einen sehr guten Ruf erarbeitet“, sagt Christoph Hauptmann. „Auf der anderen Seite hängt das durchaus mit der verantwortlichen Person zusammen.“

Und auch Hauptmann hat noch seine Anekdote parat: „Frau Mika-Helfmeier ist mit Abstand die beste Autofahrerinnen, die ich kenne. Aber als Beifahrer braucht man starke Nerven. Dafür sind Künstler, die sie persönlich am Bahnhof abholt, mit Sicherheit immer rechtzeitig am Veranstaltungsort.“