Aachen/Heinsberg: Neun Monate Haft nach Mistgabelangriff

Aachen/Heinsberg : Neun Monate Haft nach Mistgabelangriff

Neun Monate ohne Bewährung sind die strafrechtliche Folge eines unstatthaften Mistgabel-Einsatzes gegen zwei Polizisten - das war „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte”.

Das Aachener Landgericht verurteilte am Montag einen 40-jährigen Drucker, der von seinem Bauernhof in Heinsberg-Kirchhoven die Polizisten vertrieben hatte. Sie wollten eine Speichelprobe von ihm, um seine DNA zu archivieren.

Der Verurteilte, so erklärte der Vorsitzende Richter Jürgen Beneking in der Urteilsbegründung, sei zum Tatzeitpunkt wohl nicht so ganz im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte gewesen. Er leide auch jetzt noch an einer „paranoiden Persönlichkeitsstörung”, die er zunächst in der Landesklinik Bedburg-Hau weiterbehandeln lassen müsse, seine Einweisung blieb bestehen.

Am 30. Mai des vergangenen Jahres kam es auf dem Hof des Mannes, der zu dem Zeitpunkt noch mit seiner Frau und den vier Kindern dort lebte, zu jener skurrilen Begegnung mit der Polizei. Weil er erst kürzlich wegen einer Gewalttätigkeit verurteilt worden war, hatte die Staatsanwaltschaft eine Speichelprobe beantragt - die Richter genehmigten dies.

Mit dem Beschluss in der Hand erschienen am Tattag zwei Beamte in Zivil auf dem Gehöft, gingen zur offenen Hoftüre hinein und standen dann vor der Eingangstüre des Hauses. Zunächst lies der Angeklagte die beiden Beamten hinein. Sie zeigten ihre Ausweise und den richterlichen Beschluss. Dann aber übermannte den Mann die vermeintliche Erkenntnis, dass dies vielleicht in Wirklichkeit gar keine Beamten seien.

Schon am ersten Prozesstag machte der Angeklagte merkwürdige Andeutungen, er werde von dunklen Mächten verfolgt. Die vermutete er nun auch hier am Werke. Dem Polizisten, der den Beschluss in der Hand hielt, schleuderte er einen vollen Becher Kaffee entgegen. Danach flüchtete er durch einen Vorhang hindurch ins Obergeschoss, schrie dann, er suche eine Waffe. Die Beamten suchten fluchtartig Schutz, der eine im Badezimmer, der andere ging direkt ins Freie.

Statt mit Schusswaffe erschien der Angeklagte mit jener durchaus spitzen Mistgabel. Mit der Waffe im Anschlag kam der eine Polizist aus dem Badezimmer, die Spitzen der Gabel seien gefährlich nahe gewesen, erklärte der Richter. Die Polizisten riefen Verstärkung herbei, was den Verfolgungswahn des Bewohners eher verstärkte. Er flüchtete sich aufs Dach und verhandelte aus „sicherer” Höhe mit den Einsatzkräften. Hier oben entnahm er sich schließlich selbst eine Speichelprobe.