Kreis Heinsberg: Neuer Kreishandwerksmeister spricht von Verbesserungspotenzial

Kreis Heinsberg : Neuer Kreishandwerksmeister spricht von Verbesserungspotenzial

„Herzlichen Glückwunsch“ waren die am meisten ausgesprochenen Worte vor Beginn des 20. Frühjahrstreffens des Heinsberger Handwerks in der Heinsberger Stadthalle. Sie galten dem frisch gewählten Kreishandwerksmeister Edwin Mönius, der so einige Hände zu schütteln hatte bei der Begrüßung der eintreffenden Gäste. Und dem dann ein bisschen bange war vor seiner „Feuerprobe“, wie er sagte, seinem ersten öffentlichen Auftritt vor großem Publikum.

Doch den meisterte er bravourös, stellte sich kurz vor und begann dann seine erste große Rede, in der er zunächst alle hochrangigen Gäste aus der Handwerkswirtschaft und aus der Politik willkommen hieß.

Mit Tom Grothof aus Heinsberg war nur einer der sieben Sieger der Leistungswettbewerbe der Handwerksjugend zum Frühjahrstreffen gekommen. Foto: Anna Petra Thomas

Das zurückliegende Jahr sei eines gewesen, das besonders bewegt habe, startete Mönius mit einem Blick auf die weltpolitische Lage und vor allem auf die Situation der Flüchtlinge. Zuflucht würden diese Menschen in unserem Land finden. „Ungewiss ist aber, ob sie hier auch ein Zuhause und eine berufliche Perspektive finden“, so der Kreishandwerksmeister. „An dieser Stelle sind auch wir gefragt, liebe Unternehmerinnen und Unternehmer!“, betonte er und forderte seine Kollegen auf: „Lassen Sie uns gemeinsam eine Willkommenskultur in der Region schaffen!“

Die Voraussetzungen dafür seien gut, die Lage im Handwerk positiv. Allerdings gelte es, den „Regulierungswahn von Bundesarbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles“ zu stoppen. „Nachweispflichten sind für viele kleine und mittelständische Betriebe nicht zu bewältigen.“ Weitere Sparpotenziale aufzudecken, wünschte er sich von den anwesenden Bürgermeistern. Aber auch so könnten die Einnahmen mit den gestiegenen Soziallasten nicht Schritt halten. Die Zeche zahle der Unternehmer, der von Gewerbesteuer und Grundsteuer B gleich doppelt betroffen sei.

Die besten Rahmenbedingungen seien jedoch nichts, wenn die Menschen fehlen würden. Die Ausbildungszahlen seien rückläufig, die „betriebliche Schmerzgrenze“ schon 2017 erreicht. Daher gelte es, jetzt genügend Praktikumsplätze für Schüler zur Verfügung zu stellen und zugleich dem „Akademisierungswahn“ zu begegnen. „Die duale Ausbildung sichert beruflichen Erfolg — egal, ob im Blaumann, Weißkittel oder Anzug! Dafür müssen wir intensiver werben!“

Die Thematik der gesellschaftlichen Verantwortung nahm Pfarrer Franz Meurer auf, der in Köln als Pfarrer der Armen, kölscher Franziskus und der Erzbischof der Herzen gilt. Er rief dazu auf, allen Menschen eine Chance zu geben, auch den Analphabeten und allen anderen Menschen am Rande der Gesellschaft. Er berichtete von einem neuen Ausbildungsgang, an dessen Entstehung er selbst beteiligt war. So gibt es jetzt den Fachpraktiker Service in sozialen Einrichtungen, der vor allem Förder- und Hauptschüler mit Lernbeeinträchtigungen und guten sozialen Kompetenzen dazu befähigt, den Service in Behinderten-, Alten- und Krankeneinrichtungen durch mehr Ansprache und Zuwendung aufzuwerten.

Wichtig sei immer, aus der Perspektive des anderen Menschen auf die Welt zu schauen. „Der Papst schaut auf die Welt aus der Perspektive eines Schuhputzers“, erklärte Meurer und hielt dabei eine Schuhputzkiste in die Höhe. „Und das Wichtigste: Problemlösung setzt immer vor Ort ein“, mahnte der Pfarrer auch zu mehr Barmherzigkeit. Er erzählte das Beispiel eines türkischen Ehepaares, das in seinem Geschäft „Brothaken“ hat. Der eine kommt und zahlt drei Brote und nimmt eins mit. An den Haken kommen zwei Zettel, die von denen genutzt werden können, die kein Geld haben, sich eines zu kaufen.

Mit den acht Regeln des rheinischen Kapitalismus schloss der Pfarrer seine Rede. „Die Tatsache des Zusammenhalts darf man nicht unterschätzen“, schloss er mit Blick darauf, dass nachbarschaftliche aber auch familiäre Bindungen zusehends an Festigkeit verlieren. Für den musikalischen Rahmen des Treffens sorgte das Saxophonquartett „Saxotett classique“ unter der Leitung von Georg Stoffels.