Städteregion: Neuer CDU-Vorsitzender Schmitz: Mut zur inhaltlichen Kontroverse

Städteregion : Neuer CDU-Vorsitzender Schmitz: Mut zur inhaltlichen Kontroverse

Es wurden viele Reden gehalten an diesem für die CDU Aachen-Land durchaus geschichtsträchtigen Abend, und die von Hendrik Schmitz war die längste von allen. Doch daran wird es wohl nicht gelegen haben, dass der 39-Jährige von den Delegierten mit einer deutlichen Mehrheit zum neuen Vorsitzenden des Kreisverbandes und somit zum Nachfolger von Axel Wirtz gewählt wurde.

78 Stimmen konnte der Landwirt aus Baesweiler verbuchen, nur 49 sein Mitbewerber Jochen Emonds (34) aus Stolberg. „Das ist ein starkes Ergebnis. Damit hatte ich nicht gerechnet“, stellte Schmitz unmittelbar nach der Auszählung fest. Begleitet wurden seine Worte vom tosenden Applaus der Mitglieder, die sich mehrheitlich dafür entschieden hatten, zwar einen Generationswechsel einzuleiten, nicht aber einen völligen Neustart.

Jochen Emonds (l.) gratuliert unmittelbar nach Bekanntgabe des Ergebnisses dem neuen Vorsitzenden Hendrik Schmitz, den er als seinen Stellvertreter unterstützen wird.

Denn während Jochen Emonds — seit Januar 2011 Vorsitzender des Stolberger Stadtverbandes und seit Juni 2014 auch Fraktionsvorsitzender — auf Ebene des Kreisverbandes ein noch völlig unbeschriebenes Blatt ist, kann Hendrik Schmitz schon auf zehn Jahre Vorstandsarbeit zurückblicken: Seit November 2011 war er stellvertretender Vorsitzender der CDU Aachen-Land und davor bereits vier Jahre Beisitzer.

Kämpferische Bewerbungen

Kämpferisch hatten sich die beiden Kandidaten vor der Wahl den 129 Delegierten in der Aula der Realschule Patternhof in Eschweiler präsentiert, dabei allerdings gleichermaßen einen erstaunlich großen Teil ihrer Redezeit der Bundespolitik gewidmet. Die anlaufenden Gespräche über eine Jamaika-Koalition und die möglichen Auswirkungen auf die Städteregion beunruhigen offenbar vor allem Hendrik Schmitz. „Mit dem Strukturwandel stehen entscheidende Herausforderungen bevor, und viele Blicke sind in diesem Zusammenhang auf Berlin gerichtet“, stellte er fest, um dann in scharfer Form die Grünen verbal anzugehen. „Es darf nicht sein, dass unsere Region in den Jamaika-Verhandlungen als Verhandlungsmasse für die Grünen geopfert wird“, forderte der ehemalige Landtagsabgeordnete, der den „Hippies in Berlin“ vorwarf, keine Ahnung zu haben von den Initiativen, die im ländlichen Raum erforderlich seien. Auch in Berlin müsse endlich damit angefangen werden, die Kommunen zu entlasten. „Dafür werden wir als CDU auf allen Ebenen kämpfen.“

Den Kreisverband Aachen-Land will Hendrik Schmitz neu aufstellen. Personell hat der Parteitag mit der Besetzung des Vorstandes dafür die Voraussetzungen geschaffen, das Inhaltliche und Organisatorische soll in den kommenden Monaten folgen. „Wir müssen die Mitglieder wieder mehr einbinden“, forderte Schmitz, der schon an diesem Abend in Eschweiler trotz der deutlichen Überlänge des Parteitages eine „Aufbruchstimmung“ ausmachte. „Wir müssen uns trauen, wieder politischer zu werden, wir müssen wieder den Mut zu inhaltlichen Kontroversen aufbringen“, blickte der neue Vorsitzende nach vorne. Dafür will er Diskussionsforen schaffen, eine Ortsvorsitzendenkonferenz ins Leben rufen und den CDU-Vereinigungen wie Frauen-Union, Mittelstandsvereinigung oder CDA einen „Tag der Vereinigungen“ widmen. Nicht zuletzt müsse sich die CDU viel häufiger und deutlicher in den sozialen Netzwerken positionieren. All das mit dem Ziel, die Menschen und Mitglieder vor Ort wieder mehr zu beteiligen. „Sonst werden wir die Stimme an der Basis verlieren.“

Für diese Worte gab es noch einmal lautstarke Zustimmung, doch den stärksten Beifall erntete zweifellos Axel Wirtz. Seine 18-jährige Tätigkeit als Kreisvorsitzender endete dort, wo sie am 13. November 1999 begonnen hatte: in Eschweiler. Der Stolberger, der sich nunmehr auf die Arbeit in der Städteregionstagsfraktion konzentrieren möchte, war der eigentliche Protagonist dieses Parteitages. Vielfach wurden in den Wortbeiträgen und Reden seine Arbeit und sein Engagement gewürdigt, und als dann Willi Bündgens dem scheidenden „Chef“ eine eingerahmte Bildersammlung aus 18 Jahren Parteivorsitz überreichte, erhoben sich die Delegierten von ihren Plätzen und spendeten ihm „Standing Ovations“.

Viel Beifall, wenn auch im Sitzen, gab es derweil für Jochen Emonds, der der Aufforderung des neuen Vorsitzenden folgte und sich für die Stellvertretung bewarb. Drei gleichberechtigte stellvertretende Vorsitzende gibt es in der CDU Aachen-Land, Emonds erzielte mit 116 Stimmen das beste Ergebnis, gefolgt von Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter (109), die dem Vorstand bereits angehörte, und dem ebenfalls erstmals gewählten Eschweiler Stadtverbandsvorsitzenden Thomas Schlenter (108).

Für den angekündigten Generationswechsel steht auch Tim Fürpeil. Der Vorsitzende der Jungen Union ist neuer Kreisschatzmeister und damit Nachfolger von Josefine Lohmann, die nach zwölf Jahren auf eine weitere Kandidatur verzichtet hatte.