Kreis Heinsberg: Neuer Bildungsgang entwickelt sich zum Erfolgsmodell

Kreis Heinsberg : Neuer Bildungsgang entwickelt sich zum Erfolgsmodell

Das Lächeln auf den Gesichtern aller Beteiligten ist vielsagend. Es ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass sich der zum laufenden Schuljahr neu ins Programm aufgenommene Bildungsgang „Fachpraktiker-Service in sozialen Einrichtungen“ am Berufskolleg Ernährung — Sozialwesen — Technik des Kreises Heinsberg in Geilenkirchen zum Erfolgsmodell entwickelt hat.

Ein Indiz dafür waren schon die Anmeldezahlen dieses maßgeblich von Rolf Sauer von der Agentur der Arbeit in Zusammenarbeit mit dem Berufskolleg und der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) in Geilenkirchen initiierten Bildungsganges. „Ursprünglich waren es zwölf, dann kamen wöchentlich neue Meldungen, und schließlich waren es 25, genug für zwei Klassen“, berichtete Bereichsleiterin Angelika Beer vom Berufskolleg.

Vor dem Erfolg stand für die Schulleitung um Rolf-Dieter Crott die organisatorische Einrichtung des Bildungsgangs. Umgekehrt gab und gibt es genügend Interessenten sowohl auf Schüler-, wie auch auf Arbeitgeberseite. „Es gibt viele junge Menschen mit Lernbehinderungen, die auf dem freien Arbeitsmarkt keine Chance haben“, so Sauer.

Der speziell auf Förderschüler zugeschnittene Bildungsgang mit der etwas sperrigen Bezeichnung biete aber genau für diese Zielgruppe ein auf sie ­zugeschnittenes Betätigungsfeld. „Diese zweijährige Ausbildung bietet Förderschülern die Chance, einen Serviceberuf für den Einsatz in unterschiedlichen sozialen Einrichtungen zu erlernen“, so Sauer weiter.

Vor dem Hintergrund, dass in Einrichtungen für Menschen mit Pflegebedarf ein entsprechender Mangel an fachlich ausgebildeten Mitarbeitern bestehe, würden zwei Herausforderungen gleichzeitig gemeistert. „Die Auszubildenden werden darauf vorbereitet, im Service- und Betreuungsbereich von Behinderten- und Altenheimen wie auch in Krankenhäusern wichtige Zuarbeiten für das Fachpersonal zu leisten“, umschreibt Bildungsbegleiter Boris Stropnik vom Bildungsträger FAW die Inhalte des neuen Angebotes.

Pflege gehört ausdrücklich nicht dazu, sondern beispielsweise die Begleitung von Menschen zum Arzt, hauswirtschaftliche Tätigkeiten zum Beispiel in der Küche, das Servieren von Mahlzeiten und Getränken oder auch Kommunikation mit alten Menschen. „Das bedeutet natürlich auch, mit psychisch veränderten Menschen umzugehen“, so Stropnik.

Da dies gute soziale Fähigkeiten voraussetzt, wurden die jungen Menschen für diese duale Ausbildung entsprechend ausgewählt. Neben dem Schulbesuch absolvieren sie in aktuell 18 verschiedenen Altenheimen ihre Ausbildung zum Fachpraktiker; über 80 Prozent der beteiligten Einrichtungen sind derzeit im Kreis Heinsberg beheimatet, und weitere Betriebe wie beispielsweise die Gangelter Einrichtungen von Katharina Kasper Via Nobis haben Interesse signalisiert.

Der überwiegende Anteil der 25 Azubis ist weiblich, doch einige junge Männer sind auch dabei. Eines eint die beiden neu eingerichteten Klassenverbände: „Vielen ist wirklich bewusst, dass sie eine Chance haben“, so Eva Thomas, Bildungsgangkoordinatorin und Klassenlehrerin. Sie hat wie zehn weitere Lehrerkollegen am Berufskolleg Ernährung — Sozialwesen — Technik eine zusätzliche sonderpädagogische Fachausbildung.

Das ist natürlich ein Pfund, mit dem Schulleiter Crott auch künftig wuchern will, denn im kommenden Schuljahr sollen wiederum mindestens zwei Klassen eingerichtet werden. Interessenten auf der künftigen Schüler- und Azubiseite gebe es genug, da sind sich Rolf Sauer und seine Mitarbeiterin Pia Heckers-Schaar sicher.

Und neben dem Fakt, dass viele der nun in diesem neuen Bildungsgang aktiven jungen Menschen das Berufskolleg bereits aus anderen Bildungsgängen kennen würden, wie Schulsozialarbeiterin Gabi Baumann weiß, ist es auch für die Industrie- und Handelskammer der Beginn einer Erfolgsgeschichte. „Die Rückmeldung von den Betrieben ist eindeutig, denn sie sagen, dass dies genau der Beruf ist, den sie brauchen“, unterstreicht IHK- Vertreter Stefan Plum.

(mabie)