Wassenberg/Hückelhoven/Wegberg: Neue Straßen sollen Ortskerne entlasten

Wassenberg/Hückelhoven/Wegberg : Neue Straßen sollen Ortskerne entlasten

Der gleichzeitige Startschuss für zwei Straßenbauprojekte hat nicht bloß symbolischen Wert. Denn bald werden die Enden der B221n und der L177n nur wenige Hundert Meter voneinander entfernt liegen.

Aber der Reihe nach: Am Montag griffen Politiker und Bauherren für den symbolischen ersten Spatenstich für die Ortsumgehungen für Wassenberg und für die Hückelhovener Ortsteile Millich und Ratheim zum Werkzeug. Beide Straßen sollen die Ortskerne vom Verkehr entlasten und dafür sorgen, dass Pkw und Lkw schneller an ihr Ziel kommen.

Nötig wurden neuen Straßen, weil die Bundes- und Landstraßen in Wassenberg (B221) sowie in Ratheim und Millich (L117) hoffnungslos überlastet sind. „Die Ortsdurchfahrten sind nicht mehr leistungsfähig genug. Sie werden von den Anwohnern als laut und störend empfunden“, sagte Elfriede Sauerwein-Braksiek, Hauptgeschäftsführerin des Landesbetriebs Straßenbau Nordrhein-Westfalen. In diesem Sinne würden die neuen Straßen dafür sorgen, dass die Lebensqualität der Menschen in Wassenberg, Ratheim und Millich steige.

Die Ortsumgehung Wassenberg soll nach dem Plan von Straßen.NRW von der Friedrich-List-Allee in Wildenrath vorbei an Gerderath und Myhl bis zur L117 bei Orsbeck führen. Die 5,7 Kilometer lange Straße soll in zwei Abschnitten gebaut werden. Zunächst wird ab Ende des Jahres die Teilstrecke von Wildenrath bis zur Erkelenzer Straße (L19) errichtet. Dieser Abschnitt soll Ende 2017 fertig sein. Im Anschluss wird das verbleibende Teilstück bis zur L117 gebaut, es soll Ende 2018 fertig sein.

Ziel ist es, die Verkehrsmenge auf der Ortsdurchfahrt in Wassenberg um 60 Prozent zu reduzieren. Laut Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, rollen derzeit rund 17.000 Fahrzeuge täglich über die B221 durch Wassenberg.

Darunter seien auch viele Lkw. Schmale Gehwege, keine vernünftigen Radwege und viel Durchgangsverkehr — das seien die Probleme, mit denen Wassenberg entlang der Bundesstraße derzeit noch zu kämpfen habe, sagte Ferlemann.

Die Straße ist auch so viel befahren, weil sie laut Straßen.NRW die „wichtigste Erschließungsstraße“ im Grenzraum sei. Außerdem verbindet sie die A46 in Heinsberg mit der A52 in Niederkrüchten.

Kosten soll die Ortsumgehung rund 30 Millionen Euro. Die Rechnung bezahlt der Bund. Darin enthalten sind unter anderem neun Brücken und zehn sogenannte „Durchlässe“, die dafür sorgen sollen, dass Kleintiere, Wild und Amphibien die Straße überqueren können, ohne überfahren zu werden.

Um Wildunfälle zu vermeiden, planen die Behörden an mehreren Stellen Schutzzäune aufzustellen, außerdem sollen „Überflughilfen“ und Erdwälle verhindern, dass Fledermäuse und Steinkäuze so niedrig über die Straße fliegen, dass sie an der Windschutzscheibe von Pkw oder Lkw enden.

Trotz dieses Schutzes gehen Straßenbauprojekte zu Lasten der Natur. Allerdings sei vorgesehen, 27 Hektar ökologische Ausgleichsflächen anzulegen, sagte Ferlemann. Dort sollen Obstwiesen und Waldstücke angelegt werden.

Bei der L117n als Ortsumgehung von Ratheim und Millich geht es auch darum, die Anwohner der beiden Orte vom Verkehr zu entlasten. Die Umgehungsstraße fordern die Anwohner seit vielen Jahren. Lange sah man aber keine Möglichkeit, eine solche Straße zu bauen.

Eine Umgehungsstraße südlich der beiden Orte sei zum einen mit erheblichen technischen Schwierigkeiten verbunden gewesen, zum anderen hätte sie nicht die gewünschte Entlastung gebracht, hieß es von Straßen.NRW. Erst als im Februar dieses Jahres die alte Bahntrasse für die Bebauung freigegeben wurde, war der Weg für den Neubau frei.

Die L117n ist dabei nicht nur eine Wohltat für die Ratheimer und Millicher. Sie bindet auch den Industriepark Rurtal an die A46 an. Das war ein Argument für den Online-Händler Jago, sein Logistikzentrum mit voraussichtlich 800 Arbeitsplätzen dort zu bauen. Insofern ist die Umgehungsstraße auch ein Stück Wirtschaftsförderung.

„Es wäre dumm, die Straße nicht zu bauen. Mit ihr ist es für die Firmen nur noch ein Katzensprung zur Autobahn“, sagte NRW-Verkehrsminister Michael Groschek. Wer dem Minister zuhört, kann verstehen, dass er den Straßenbau als Dienstleister für die Industrie sieht. „Wir müssen künftig zu jedem Gewerbegebiet die Straße mitliefern“, sagte er.

Die L117n schlägt mit Kosten von 15 Millionen Euro zu Buche. Das Geld müssen der Bund, das Land NRW, die Stadt Hückelhoven und der Kreis Heinsberg aufbringen. Die 4,2 Kilometer lange Straße soll Ende 2020 fertig sein, gebaut wird sie in zwei Abschnitten. Das erste Teilstück soll von der alten L117 (vor Ratheim) bis zur A46 verlaufen.

Damit wäre das Gewerbegebiet an die Autobahn angeschlossen. Der zweite Bauabschnitt soll bis 2020 die A46 mit dem Kreisverkehr Am Landsabsatz verbinden. Damit werden die großen Einzelhandelsgeschäfte am Hückelhoven-Center und die Innenstadt besser an die Autobahn angebunden.

Entlang der Straße sind Lärmschutzwälle und -wände geplant. Sie sollen die Geräuschkulisse für erträglich halten. Außerdem müssen vier Brücken gebaut werden. Als ökologischer Ausgleich wird die ehemalige Betriebsfläche einer Brikettfabrik renaturiert und am Brachelener Driesch wird Ackerland mit Laubbäumen bepflanzt.

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