Geilenkirchen: Neue Geschwister unterm Weihnachtsbaum

Geilenkirchen : Neue Geschwister unterm Weihnachtsbaum

Weihnachten - das Fest der Familie. Leider nicht immer. Oft findet das Fest der Feste ohne Vater, ohne Mutter statt.

Die Ehe ist zerbrochen, die Familie ebenso. Die Kinder verbringen die Weihnacht mit dem allein erziehenden Elternteil und - womöglich - mit dessen neuen Lebenspartner, der wiederum seine eigenen Kinder mitbringt. Die Strukturen vermischen sich, die jüngeren Kinder sind mit diesen so genannten Patchwork-Verästelungen nicht selten überfordert - gerade in solch gefühlsbetonten Momenten wie Weihnachten.

„Weihnachten ist gefolgt von der Urlaubszeit die Zeit, in der Familien meinen, es schaffen zu müssen, die oft sehr unterschiedlichen und an einem hohen Ideal orientierten Erwartungen der einzelnen Mitglieder unter einen Hut zu bringen”, erläutert Helga Troiber-Geller. Die Diplom-Sozialpädagogin muss es wissen, sie ist die Leiterin der Sozialpädagogischen Familienhilfe des Caritasverbandes für die Region Heinsberg mit Sitz in Geilenkirchen.

Wichtig sei, so rät Troiber-Geller, den Rahmen für das weihnachtliche Zusammentreffen der Patchwork-Familie genau zu bestimmen. „Den Bedürfnissen der Einzelnen nach Kontakt und Ritualen muss Rechnung getragen werden”, sagt sie. Das Miteinander müsse dabei von jeder Familie selbst ausgehandelt werden. „Vorgaben oder gar Patentrezepte gibt es nicht”, räumt die Beraterin ein. Aus jahrelanger Berufserfahrung weiß die Diplom-Sozialpädagogin nur zu genau, dass die (Vor-)Weihnachtszeit besonders krisenbelastet ist: „Die Abweichungen vom gewünschten Idealzustand treten deutlicher hervor.”

Rund 20 Patchwork- und „normale” Familien sowie Alleinerziehende werden derzeit von der Caritas-Beratungsstelle im Zuständigkeitsbereich des Kreisjugendamtes Heinsberg sowie in den Städten Erkelenz und Hückelhoven betreut. „Die Familien, die den entsprechenden Wunsch äußerten oder wo Bedarf besteht, haben wir auf das Fest mental vorbereitet”, erklärt Helga Troiber-Geller.

Dabei wurde ihnen unter anderem nahe gelegt, während der Festtage keine wichtigen Entscheidungen zu treffen (zum Beispiel über den Verbleib der Kinder); die Expertin spricht von einer „Überlebensstrategie”, die es für die Tage zu entwickeln gelte. Die Erwartungen an das Zusammensein sollten möglichst zurückgefahren werden.

Auch wenn die Gaben unterm Tannenbaum für die Kinder nicht uninteressant sind, sollte man den materiellen Aspekt nicht zu hoch hängen: „Zufriedenheit kommt nicht unbedingt durch die Geschenke, sondern durch die gemeinsam verbrachte Zeit mit den Kindern, die aber auch den Wünschen der anderen, vor allem des neuen Partners, gerecht werden muss.” Die Bemühungen sollten allerdings nicht unter einem „Leistungsdruck” stehen, der vor allem bei den Müttern zu beobachten sei, „weil diese sich nach wie vor für das Funktionieren des Binnenlebens verantwortlich fühlen”.

Nicht reinreden lassen

Ganz wichtig sei auch, dass sich die Familie nicht von den Großeltern reinreden lasse, die zwar unterstützen, aber gleichermaßen mit ihren Erwartungshaltungen auch die Familie überfordern können. Den Kindern darf nicht das Gefühl vermittelt werden, Spielball im elterlichen Clinch zu sein. Meistens sind es die Väter, die sich aus der Verantwortung stehlen, „auch wenn ihr Verhalten eiskalt wirkt, sie fühlen sich dann”, so Troiber-Geller, „mit der Situation schlichtweg überfordert.”

Die Arbeit der Sozialpädagogischen Familienhilfe ist wichtiger denn je, und nicht nur zur Weihnachtszeit. „Die Entwicklung der letzten Jahre macht deutlich, dass die Familie immer weniger als stabile Größe geachtet wird”, bilanziert die Leiterin, und fügt hinzu: „Und trotzdem bleibt immer die Sehnsucht nach der Familie, selbst nach der Trennung.”