Städteregion: Netzwerk „Sprachentwicklung hat Zukunft“ veranstaltet Symposium

Städteregion : Netzwerk „Sprachentwicklung hat Zukunft“ veranstaltet Symposium

Der Name könnte auch ein Werbeslogan sein, aber dennoch ist der dahinter stehende Verein eher weniger bekannt. Dabei gibt es das Netzwerk „Sprachentwicklung hat Zukunft“ (SHZ) mittlerweile schon seit 2004. Am Samstag tritt es nach längerer Pause wieder mit einem Symposium in die Öffentlichkeit.

„Mehrsprachigkeit — eine Herausforderung für uns alle“ lautet der Titel der Veranstaltung im Berufskolleg Stolberg. Über das Symposium, das Netzwerk, seine Arbeit und seine Ziele hat sich Dr. Thomas Günther, seit September 2017 Vereinsvorsitzender (siehe Box), im Interview mit unserer Zeitung geäußert.

Setzt sich für junge Menschen mit Sprachdefiziten ein: Dr. Thomas Günther. Foto: M. Grobusch

Herr Günther, warum sollte Sprachentwicklung keine Zukunft haben?

Günther: Sprachentwicklung findet permanent statt und hat natürlich eine Zukunft. Es gibt aber Kinder und Jugendliche, die in ihrer Sprachentwicklung beeinträchtigt sind. Unser Netzwerk hat sich zum Ziel gesetzt, diesen jungen Menschen zu helfen und ihnen eine bestmögliche Förderung, Therapie und Integration zu ermöglichen.

Wie können Sie das erreichen?

Günther: Durch eine enge Vernetzung. Alle, die in der Städteregion viel mit Sprache zu tun haben, können sich bei uns kennenlernen und austauschen. Dem Netzwerk gehören Vertreter aus den Bereichen Pädagogik, Sprachheilpädagogik, Logopädie, Medizin, sozialpädagogische, Psychologie und Sprachwissenschaftlich an. Um die Vernetzung mit wichtigen Partnern zu gewährleisten haben wir verschiedene Referate eingerichtet, zum Beispiel die Referate Frühförderung oder Deutsch als Zweitsprache. So können wir Eltern, Einrichtungen und Praxen mit ihren spezifischen Frage- und Problemstellungen am besten weiterhelfen.

Wie hat man sich die Arbeit des Vereins vorzustellen? Ist er eine klassische Anlauf- und Beratungsstelle?

Günther: Es kommt nicht so oft vor, dass Eltern mit ihren Kindern uns direkt kontaktieren. Aber wenn das der Fall ist, versuchen wir, sie mit jemandem zusammenzubringen, der ihnen weiterhelfen kann. Grundsätzlich sehen wir uns als ein Netzwerk, das für einen regen Informationsfluss und -austausch sorgt. Zu diesem Zweck finden acht bis zehn Vorstandssitzungen im Jahr statt, bei denen die unterschiedlichen Fachrichtungen vertreten sind.

Gibt es Bereiche, die Sie gerne noch besser vertreten sehen würden?

Günther: Leider haben wir immer noch zu wenige Vertreter von Regelschulen am Tisch sitzen. Gleiches gilt auch für den Erziehungsbereich bzw. die Kitas. Dabei ist die Frage, wie man Kinder mit Sprachproblemen optimal auf die Schule vorbereiten kann, sicher eine wichtige. Genauso wie die, ob bzw. wann Kinder mit einer Sprachbeeinträchtigung auf eine Regel- oder Förderschule gehen sollten. Damit sind wir dann auch beim sehr präsenten Thema Inklusion.

Dennoch haben Sie für das Symposium die Mehrsprachigkeit als Thema gewählt. Warum?

Günther: Wir haben ein Thema gesucht, das unsere Zielgruppen anspricht und aktuell ist. Und mit Mehrsprachigkeit haben wirklich alle bei uns vertretenen Berufsgruppen zu tun.

Der Titel der Veranstaltung sagt, dass Mehrsprachigkeit eine Herausforderung darstellt. Was bedeutet das?

Günther: Mehrsprachigkeit ist etwas sehr Positives. Wir leben in einer Region, die typisch mehrsprachig gefärbt ist. Gleichzeitig kann es zu einer Herausforderung für Kinder, Angehörige, Erzieher und Lehrer werden, wenn Deutsch die Zweitsprache ist.

Ist Mehrsprachigkeit in diesem Kontext dann nicht doch negativ besetzt, weil sie hier oft auch für Sprachprobleme steht?

Günther: Es ist in der Tat negativ besetzt, wenn Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene in Deutschland kein Deutsch sprechen. Wenn also jemand „unsere“ Sprache nicht spricht. Dabei geht das mit dem Spracherwerb ganz einfach, wenn man sich täglich in einem Kontext, in dem Deutsch gesprochen wird, bewegt. Vor allem Kinder sind da ganz locker und lernen unheimlich schnell.

Wie ist die Resonanz auf das Symposium?

Günther: Wir rechnen mit 120 bis 150 Teilnehmern. Die am stärksten vertretenen Berufsgruppen werden die Logopäden und die Erzieher sein. Unabhängig von dieser tollen Resonanz haben wir uns vorgenommen, in Zukunft wieder regelmäßig solche Symposien anzubieten.

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