Wassenberg: Nelson Müller dankt für das „Heimatgefühl“

Wassenberg : Nelson Müller dankt für das „Heimatgefühl“

„Vielen Dank für das ‚Heimatgefühl‘“: Mit diesen Worten verewigte sich Starkoch Nelson Müller aus Essen nach der Verleihung der Goldenen Schlemmer-Ente im Goldenen Buch der Stadt Wassenberg.

Und spätestens nach dieser Eintragung war allen klar, dass eine Hoffnung in Erfüllung gegangen war, die Regionalredakteur und Moderator Dieter Schuhmachers zu Beginn der Veranstaltung auf dem Wassenberger Roßtorplatz zum Ausdruck gebracht hatte. Denn im Vorfeld des Schlemmer-Marktes hatte Nelson Müller in einem Interview unserer Zeitung gesagt, dass Heimat auch ein Gericht sein könne, beispielsweise sein Lieblingsgericht, ein Eintopf.

Das Restaurant Ohlenforst aus Effeld wartete zur Eröffnung des Schlemmer-Marktes mit einem 25 Kilo schweren Thunfisch auf. Sie bereiteten ihn japanisch zu als Tataki oder boten ihn als Steak auf Wasabi-Risotto an. Foto: Anna Petra Thomas

Der Sternekoch mit ghanaischen Wurzeln hatte aber auch gesagt: „Heimat ist für mich die Umgebung, in der man sich wohlfühlt. Das sind Freunde und Menschen, die man mag.“ So war die Hoffnung groß, dass sich Nelson Müller an diesem Abend auch in Wassenberg heimisch fühlen möge.

Trotz des Regens am Eröffnungsabend hielten die Schlemmer-Markt-Gäste im Zelt der Wein- und Sektmanufaktur Zöller-Lagas aus Neustadt an der Weinstraße mit einem guten Tropfen aus der Pfalz recht lange aus. Foto: Anna Petra Thomas

Und der 37-Jährige schien sich in der Tat sichtlich wohlzufühlen auf dem Schlemmer-Markt Rhein-Maas und wusste auch die von der Kulinarischen Gemeinschaft Am Roßtor und unserer Zeitung verliehene Auszeichnung wertzuschätzen: „Das ist was ganz Besonderes natürlich. Das ist für mich schon was ganz Großes. Überhaupt: Eine Ehrung für gastronomische Arbeit ist nicht alltäglich. Vor allem, wenn man sieht, wer hier schon alles geehrt wurde, bin ich, glaube ich, in einer ganz guten Gesellschaft unterwegs.“

„Vielen Dank für das Heimatgefühl“ schrieb Nelson Müller unter den ­Augen von Bürgermeister Manfred Winkens ins Goldene Buch der Stadt. Foto: Anna Petra Thomas

Spontane Gesangseinlage

Sterneköche unter sich: Schweinebauch probierte Nelson Müller während seines Marktrundgangs bei Sternekoch Rainer Hensen aus Randerath. Foto: Anna Petra Thomas

Die Goldene Schlemmer-Ente, verziert auch mit Elementen für den leidenschaftlichen Soul-Musiker ­Nelson Müller, werde natürlich einen Ehrenplatz in seinem Restaurant erhalten, sagte der Preisträger im Interview nach der Verleihung. Gefragt, ob er sich auch vorstellen könne, mit seiner Band noch einmal nach Wassenberg zu kommen, sang er spontan den Regen einfach weg: „I can see clearly now the rain is gone“, klang es unter großem Applaus des Publikums über das Meer aus Regenschirmen auf dem Roßtorplatz.

Diese Besucherin des Schlemmer-Marktes war die erste, die ebenfalls einAutogramm von Nelson Müller ergatterte. Unzählige sollten folgen. Foto: Anna Petra Thomas

Warum er sich als Siebenjähriger schon einen eigenen Herd gewünscht hatte, erklärte Müller so: Sein Vater stamme aus dem Frankenland, von einem Bauernhof mit Metzgerei. Die Tanten dort hätten ihm immer so tolle Knödel gekocht.

Im Interview mit Regionalredakteur und Moderator Dieter Schuhmachers erzählte Nelson Müller, dass er schon als Kind Koch werden wollte. Foto: Anna Petra Thomas

„Diese Heimat hat sich so toll angefühlt. Da wollte ich auch Koch werden.“ Er erinnerte sich auch noch einmal zurück an ein Gespräch in der Schule, als man ihn dazu bewegen wollte, Abitur zu machen. „Nee, ich würde gern Koch lernen“, sei seine Antwort gewesen, so Müller. Und das, obwohl dieser Beruf damals noch gar nicht so angesagt gewesen sei wie heute. „Es ist doch wunderschön, dass der Beruf Koch heute so eine tolle Wertschätzung genießt.“

Und es gehe viel lockerer zu als früher. In Singapur habe gerade sogar ein Imbiss einen Stern bekommen. „Unsere Gäste achten mehr auf den Inhalt als auf die Verpackung.“ Wichtig seien ihnen heute Authentizität und Geschmack. Es werde einfach „leichter aufgekocht“, erklärte Müller. „Kochen ist in aller Munde.“ Das werde bereits deutlich, wenn man sich in Supermärkten umschaue. Früher habe es dort ein Olivenöl gegeben, heute seien es 20 bis 30.

„Soul und Sau“

Angesprochen auf die Laudatio, die Landrat Stephan Pusch auf ihn gehalten hatte, war Nelson Müller auch der Versprecher — mit „Saul“ statt „Soul“ — im Ohr geblieben. „Saul“, das klinge wie „Soul und Sau, eine schöne Sau, mit Soul gut gekocht“, befand er. „Ich bin ein paar Mal rot geworden, aber Sie haben‘s nicht gesehen“, scherzte er weiter über all die lobenden Worte, die ihm zuteil geworden waren. „Aber ich freue mich sehr darüber. Das tut einem gut.“

Müllers Formel „80 Prozent Veggie + 20 Prozent Fleisch = 100 Prozent lecker!“ aus seinem Buch „Öfter Vegetarisch“ war ebenfalls ein Thema. „Ich will damit nicht belehren“, betonte Müller. „Der erhobene Zeigefinger, das ist nicht meins. Wir müssen alle gemeinsam an einem Strang ziehen und gucken, was gut für uns ist.“ Die Botschaft der „Flexetarier“, also derjenigen, die nicht jeden Tag Fleisch essen, teile er mit vielen Menschen, erklärte Müller abschließend, nicht ohne sich noch einmal zu bedanken. „Ich kann mich nicht oft genug wiederholen und mich bedanken, dass ich hier eingeladen worden bin“, sagte er.

Rundgang über den Markt

Bei seinem Rundgang über den Schlemmer-Markt gab es zunächst ein Treffen der Sterneköche, als Nelson Müller Rainer Hensen begegnete. Müller verbreitete seine Freude über die Auszeichnung und an seinem Beruf über den gesamten Markt und nahm sich vor allem Zeit für Gespräche mit Teilnehmern und Besuchern.

(anna)