Hückelhoven/Aachen: Nach Vorwurf sexuellen Vergehens muss Pfarrer gehen

Hückelhoven/Aachen : Nach Vorwurf sexuellen Vergehens muss Pfarrer gehen

Wie das Bistum Aachen bestätigte, hat Bischof Heinrich Mussinghoff einen bislang in Hückelhoven tätigen Pfarrer wegen Verdachts einer sexuellen Verfehlung von seinen Aufgaben entbunden und in den Ruhestand versetzt.

Der 64-jährige Pfarrer steht unter dem Verdacht, sich einem leicht behinderten, 31-jährigen Mann körperlich genähert zu haben, der unter gesetzlicher Betreuung steht.

Der Pfarrer hat den Vorgang selbst offengelegt und sich der Staatsanwaltschaft offenbart. „Das Ermittlungsverfahren ist bei der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach anhängig”, verweist Jobst Rüthers von der Pressestelle des Bistums auf die ermittelnde Behörde.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe hat das Bistum Aachen eine kirchliche Voruntersuchung eingeleitet, Gespräche mit dem Betroffenen und seiner gesetzlichen Betreuerin geführt und diesem Hilfe angeboten. Der Betroffene werde derzeit fachpsychologisch betreut, so Rüthers.

Zunächst hatte das Bistum Aachen sich deswegen an die Staatsanwaltschaft Aachen gewandt, die als nicht zuständige Behörde auf die Kollegen in Mönchengladbach verwies. Parallel dazu suchte der Pfarrer über einen Rechtsanwalt den Kontakt zur Staatsanwaltschaft.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen „sexuellen Missbrauchs gegen Widerstandsunfähige”, erläuterte Pressesprecher Heinz Jürgen Vitz von der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach.

Bereits im November ist es zu diesen gravierenden Ereignissen gekommen. Danach hatte der Pfarrer dem 31-Jährigen, der ohne feste Bleibe war, zunächst Obdach im Pfarrhaus gewährt, bis er ihm einen Platz in Haus Schnorrenberg, einem Heim für behinderte Menschen, verschaffen konnte. Nach seinem Umzug ins Haus Schnorrenberg vertraute der Mann einem Betreuer das Geschehene an.

Als im Rahmen ihrer Ermittlungen die Staatsanwaltschaft den Pfarrer befragte, legte er das Protokoll des Betreuers vor, in dem die Vorwürfe des Mannes dokumentiert waren. Eine polizeiliche Vernehmung hat es noch nicht gegeben.

Der Pfarrer, der seit fast 25 Jahren in Hückelhoven Dienst tut, hatte sich direkt an das Bistum gewandt. Bischof Mussinghoff hatte den Pfarrer daraufhin am 26. November von seinem Amt enthoben und mit Wirkung vom 1. Januar 2003 in den Ruhestand versetzt, sagte Rüthers. Dem Pfarrer wurde auferlegt, seine Heimatpfarrei zu verlassen.

Der Pfarrer hat in der Stadt Hückelhoven bleibende Spuren hinterlassen und einige caritative Einrichtungen aufgebaut. Bis 1990 war er außerdem als Regionaldekan tätig.

Bei aller Betroffenheit des Bistums ist Rüthers froh, dass der Pfarrer von sich aus den Weg in die Öffentlichkeit beschritten habe. „Allen ist daran gelegen, die Geschehnisse so schnell wie möglich und lückenlos aufzuarbeiten.”

Das ist auch das Bestreben der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach: „Es ist zu prüfen, ob der uns bekannte Sachverhalt tatsächlich strafrechtlich relevant ist”, meinte Vitz abschließend.