Erkelenz: Mythos Santiago de Compostela per pedes

Erkelenz : Mythos Santiago de Compostela per pedes

„Ich bin dann mal weg”, so schrieb Hape Kerkeling. Werner Adolph aus Erkelenz machte es ebenso. Nachdem er 2004 den Jakobsweg mit dem Fahrrad erleben durfte, ging er nun in knapp vier Wochen den über 1000 Jahre alten Pilgerweg, den sogenannten Camino France, zu Fuß zusammen mit einem Freund.

Vom Start in St.Jean-Pied-de-Port am Fuße der Pyrenäen noch in Frankreich, ging es über Pamplona, Burgos, Leon bis nach Santiago de Compostela zum Grab des Heiligen Apostel Jakobus. Verlaufen konnte man sich auf dieser langen Strecke nicht, da sie gut mit gelben Pfeilen und vielen Schildern und Wegsteinen bestückt war, sagt Adolph, der berichtet: „Auf unserer Wanderung wurden wir mit Kälte, Schnee, Regen und Hitze konfrontiert. Mit Blasen und Muskelschmerzen wurden wir auch reichlich gesegnet. Aber da wir ja für alle diese Fälle gerüstet waren, war dies kein Problem für uns. Wir merkten es nur am Gewicht der Rucksäcke, dass wir gut versorgt waren.”

Zwölf Kilogramm auf dem Rücken, daran muss man sich gewöhnen. Wer einen ruhigen, besinnlichen Weg erwartet, der wird teilweise enttäuscht. „Der Camino verläuft, so empfand ich, teilweise wie das Leben selbst”, sagt Adolph. „Von langweiligen Stecken über abenteuerliche und gefährliche Passagen bis hin zu faszinierenden, schönen Abschnitten mit ruhigen gleichmäßigen Verläufen bis hin zu schrecklich lauten an Straßen gelegenen Wegen.

Aber auch ungeachtet der Masse von Pilger kann man seinen Weg gehen, ohne sich beeinflussen zu lassen. Von den vielen Radfahrern und der kommerziellen Ausbeutung dieses Weges ganz zu schweigen. Es liegt an einem selbst, inwieweit man sich auf diesen Weg einlässt und sich von ihm führen lässt. Wenn du deinen Weg gehst, morgens beizeiten aufstehst und noch bevor die Morgendämmerung anfängt loswanderst, dann erlebt man Ruhe und die volle Schönheit des beginnenden Tages mit seiner Vielseitigkeit, der zwitschernden Vogelwelt, dem ersten Schrei des Hahnes in einem Dorf, dem leichten Nebel im Tal oder dem ersten Morgenrot und den sich anschließenden, zaghaft durch das Blätterdach des baumbestandenen Hohlweges sich hindurchtastenden Sonnestrahlen, dem Duft der Eukalyptusbäume und der vielfachen bunten Blütenpracht am Wegesrand.

Von Santiago de Compostela aus führte mich mein Weg noch weiter bis ans Ende der Welt, wie im Mittelalter der Ort Fisterra, gelegen im äußersten Westen am Atlantischen Ozeans, genannt wurde. Auf dem insgesamt fast 900 Kilometer langen Weg habe ich einige Kilo abgenommen.

Aber nicht jeder geht diese lange Strecke. Viele steigen erst in Pamplona oder 200 bis 100 Kilometer vor Santiago auf dem Camino ein, um die Anforderungen zu erfüllen, die zur Absolution und zum Erhalt der Compostela-Urkunde berechtigt. Nicht jeder geht aus religiösen Gründen, wie ich aus vielen Gesprächen in den vier Pilgerwochen erfahren habe.

Die vielen Menschen aus aller Welt und die Einheimischen entlang des Camino sind überwiegend sehr freundlich und hilfsbereit und immer zu einem Gedankenaustausch bereit und einem Bueno Camino, einem netten Gruß auf dem Weg. Am Abend in den Herbergen trifft man Pilger mit einem herzlichen Hallo wieder, die einen am Tag überholten. Man versorgt seine Wehwehchen, wäscht die Wäsche, kocht miteinander oder geht gemeinsam irgendwohin, wo ein so genanntes Pilgermenu angeboten wird. Es ist wie in einer großen Familie.

Für mich kann ich sagen, dass der Weg, auf den ich mich einließ und der mich letztendlich zum Ziel führte, vieles wieder hervorbrachte, was durch die Hektik unserer Zeit vergraben war. Man muss aber nicht unbedingt den Camino gehen, denn es gibt so viele andere Möglichkeiten und Wege. Man muss nur wollen und offen sein dafür.”