Kreis Heinsberg: Musik und Botschaft überzeugen Zuhörer

Kreis Heinsberg : Musik und Botschaft überzeugen Zuhörer

„Die Zigeuner kommen!“ hieß ein Konzert mit dem Markus Reinhardt Ensemble in der evangelischen Christuskirche in Heinsberg. Im Rahmen der Interkulturellen Woche im Kreis Heinsberg hatten die Anton-Heinen-Volkshochschule und das Kommunale Integrationszentrum des Kreises Heinsberg in Kooperation als Veranstalter zu einer faszinierenden Veranstaltung eingeladen.

„Wir sind bemüht, Integration mit Leben zu erfüllen. Sehen Sie dieses Konzert nicht nur als Kunstgenuss, sondern auch als einen Beitrag zur Integration im Kreis Heinsberg“, hatte Bernd Laprell, Leiter des Kommunalen Integrationszentrums Kreis Heinsberg, zum Beginn das Anliegen der Veranstalter formuliert. „Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt“, sei das Motto, ließ Laprell das Publikum wissen.

„Die Zigeuner kommen gar nicht, oder kommen zu spät“, nahm Markus Reinhardt den Konzerttitel selbstironisch und humorvoll auf, um den verkehrsbedingten späteren Konzertstart zu erklären. Ihre Wurzeln zur Musik habe sein Ensemble mit Max Schaaf (Kontrabass), Janko Wiegand (Rhythmusgitarre), Zóltan Püsky (Sologitarre) und Markus Reinhardt (Violine) einerseits in der Musik des französischen Jazz- und Zigeunergitarristen Django Reinhardt, seinem Großonkel, andererseits in der osteuropäischen traditionellen Zigeunermusik.

„Wir haben keine Bücher, in denen unsere Traditionen festgehalten sind. Unsere Alten sind unsere Bücher“, verwies Reinhardt auf die mündliche und vorgelebte Weitergabe der Musiktraditionen hin. Mit der Ermordung vieler seiner Vorfahren in den Konzentrationslagern der Nazis sei viel Wissen verloren gegangen.

Das Können und das Wissen über die Musik der wenigen Überlebenden gelte es zu bewahren. Diese auch als eigenständige Musik fortzuentwickeln, sei Motivation und Inspiration, betonte Markus Reinhardt in seiner Moderation zu den einzelnen Stücken.

Reinhardts virtuoses Spiel auf der Violine, die stilistische Bandbreite und die improvisatorischen Fähigkeiten Zóltan Püskys auf der Sologitarre, die unverwechselbare und traditionelle Begleitung auf der Rhythmusgitarre durch Janko Wiegand und die unaufgeregte aber tragende Untermalung des Kontrabassspiels durch Max Schaaf überzeugten die Zuhörer.

Der fließende Musikstil und der schwingende Rhythmus des Ensembles begeisterten immer wieder, egal ob als traditionelles Hochzeitslied oder an Barmusik erinnernde und moderne Elemente einbauende Jazz-Sequenzen gespielt.

Wenn Reinhardt die Violine spielte, dann zogen vor dem geistigen Auge die verschiedenen Musikepochen vorüber. Von den Walzermelodien eines Richard Strauß über die Swing-Rhythmen der 1920er Jahre bis zu den uralten, traditionellen Weisen der osteuropäischen Zigeunermusik kamen die Erinnerungen. In allen Stücken kam das durch die Musik zum Ausdruck gebrachte Lebensgefühl zum Tragen.

Eines davon hatte den Titel „Sinte“. Während Reinhardt in seiner traditionellen Sprache Inhalte des Liedes vortrug, las Ellen Rams-Fischer die deutsche Übersetzung vor. Vom Verlust des Wissens berichtend, weil die Alten nicht mehr lebten, ermordet wurden, habe man seinem Volk viel genommen.

Auf das, was noch übrig sei, wie auf die Kinder müssten die Menschen gut achten. Nicht nur die Zigeuner, auch die „Gadsche“, die Nicht-Zigeuner, müssten dies tun. Ein Stück, das von Menschlichkeit und Toleranz handelt und das Anliegen zur Integration mit dem Motto „Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt“ mittels einer bewegenden Musik überzeugend zum Tragen brachte.

Das Publikum dankte dem Ensemble für die Botschaft wie für einen musikalisch unvergesslichen Abend.